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Full text of "Über Sprache und Alter des von Robert de Boron verfassten Roman du Saint Graal"

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Uber Sprache 
und Alter des 
von Robert de 
Boron 

verfassten ... 



Max Ziegler 




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32 VT 
.394 



WAV 9 1»96 4 
PRINCETON, N. 1 




3^ 



'46 



LIBRARY OP THE COLLEGE OF NEW JERSEY. 




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O. - • LIBRARY, 
1896 
PRINCETON, N. J. 



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OBER SPRACHE UND ALTER 

DES VON 

ROBERT DE BORON 

VERFASSTEN 

ROMA1V DU SAINT GRAAL. 

• c ^yju^°- 

INAUGURAL-DISSERTATION 

ZUR 

ERWERBUffG DER PHILOSOPHISCHEN DOKTORWtRDE 

AN DER 

UNIVERSITÅT LEIPZIG 

VON 

MAX ZIEGLER 

••• 

AUS 

WALTERSHAUSEN. 



GOTHA 

STOLLBERGSCHE BUCHDRUCKEREI 

1893 



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Mit genehmigung der facultåt erscheint die vorliegende abhandiung ohne 
die reimverzeichnisse und ohne den die sprache der iiberlieferten mund- 
art zusammenfassend behandelnden teil. 



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> 



MBINBN BLTBRN. 



% ?P 99781 



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Inlialt. 

pag- 

1. Vorwort 1 

2. Litteraturnaehweise 2 

3. Sprache des Roman du Saint-Graal 5 

I. Versbau, A. Reim 7 

B. SilbeDzåhlung 12 

II. Lautlehre, A. Vocalismus 22 

A 22 

E 27 

I 29 

0, Ou, Eu 32 

U 36 

Ai und Ei 36 

le 39 

Oi 42 

Ui 44 

Au, iau 46 

Eu, ieu, iu 47 

B. Consonantismus : 1. Liquide 48 

2. Nasale 51 

3. Gutturale 52 

4. Dentale 55 

5. Labiale 58 

III. Formenlehre. 

1. Declination, A. Nomen, Substantivum 59 

Adjectivum 65 

B. Pronomen, a. Personalpronomen ... 67 

b. Possessivpronomen ... 68 

c. Demonstrativpronomen 70 

d. Relativpronomen ... 72 

e. Artikel 72 

2. Conjugation, I. Personen 73 

II. Modi 78 

III. Tempora 79 

IV. Zusammenfassung : 

1. Sprache des Verfassers 83 

2. Datierung des Denkmals 93 

Texteritik 96 



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Lebenslauf. 



Ich, Max Ziegler, evang. confession, bin geboren am 19. ja- 
nuar 1870 als sohn des rentiers Franz Ziegler zu Walters- 
hausen. Den ersten unterricht erWelt ich auf der biirgerschule 
meiner vaterstadt, die vorbereitung zum besuch des gym- 
nasiums durch privatlehrer. Ostern 1884 trat ich in die tertia 
realis des Gymnasium Ernestinum zu Gotha ein und verliess 
dasselbe mit dem zeugnisse der reife 1889. Ich bezog die uni- 
versitåt Leipzig, um zunåchst cameralwissenschaften und neuere 
sprachen zu studieren, wandte mich jedoch spåter nur dem 
studium der letzteren in verbindung mit dem der germanistik 
zu. Im sommersemester 1891 studierte ich in Marburg, im 
sommersemester 1893 in Lausanne, die iibrigen semester in 
Leipzig. Ich besuchte vorlesungen und iibungen der herren 
professoren und dozenten André, von Bahder, Bergmann, 
Biedermann, Birch-Hirschfeld, Bonnard, Ebertf, Fliigel, Heinze, 
Hermann, Klincksieck, Korting f, Kretzschmar, Masius f, Millioud, 
deMolin, Paul, Renard, Richter, Roscher f, Schirmer, Schroder, 
Settegast, Sievers, Stansfield, Stengel, Stosch, Vietor, War- 
schauer, Weigand, Wtilker, Wundt, Zarnckef. 

In Leipzig gehorte i^h dem romanischen seminar (prof. Birch- 
Hirschfeld) drei semester als ordentliches, zwei semester als 
ausserordentliches mitglied an, dem englischen seminar (prof. 
Wtilker) zwei semester als ordentliches, vier semester als ausser- 
ordentliches mitglied, dem kgl. deutschen seminar (proff. Sievers, 
von Bahder) zwei semester als ordentliches, ein semester als 
accessorisches Mitglied. Zwei semester besuchte ich das kgl. 
pådagogische seminar. 

Allen meinen lehrern sage ich aufrichtigsten dank, besonders 
herrn prof. Birch-Hirschfeld, dessen anregung ich diese arbeit 
verdanke und dessen freundliche teilnahme sie stets begleitet 
hat, sowie den herren professoren Sievers und Wtilker fur die 
wesentliche forderung und mannigfache anregung in meinen 
studien. 




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Vorwort. 



Zweck der vorliegenden arbeit ist der versuch einer dialect- 
und alters-bestimmung des von Robert de Boron verfassten 
j,Roman du Saint-Graal" und zwar losgelost von dem nåmen 
des verfassers, seines von ihm vers 3490/91 genannten dienst- 
herrn Gautier de Mont-Belyal, und von den beziehungen zu den 
iibrigen gralromanen, lediglich auf grund des spracMichen 
materials. 

tJbev den Roman du St.-Graal Roberts ist schon oft gearbeitet 
worden, und die verscMedenartigsten ansichten begegnen sich 
hinsichtlich seiner heimat. 1 Bei allen erorterungen iiber die- 
selbe ist jedoch eine ausfiihrlichere sichtung des sprachlichen 
materials nicht vorgenommen worden, und bei allen versuchen 
der fixierung hat man sich begniigt, auf einzelne hervorstechende 
merkmale hinzuweisen. 

In Wnblick auf die anerkannt bedeutende stellung des romans 
im kreise der gralsdichtungen und bearbeitungen der grals- 
sage ist daher eine grammatische darstellung der sprache von 
Robert de Boron vielleicht nicht ohne wert und die art der 
untersuchung wird nicht unberechtigt erscheinen, zumal trotz 
der ausfiihrlichen abhandlung R. Heinzels „iiber die franzo- 
sischen gralsromane, Wien 1891" und der kritik und eingehen- 
den bemerkungen von H. Suchier, zs. £ rom. phil. XVI, p. 272 
die fixierung des verfassers noch nicht als vollendet zu be- 
trachten ist. 

Allerdings wird auch die hier vorliegende arbeit nicht bis 
zu diesem ziele gelangen, sondern sie wird sich, wie bereits 
gesagt, auf die fixierung und datierung des denkmals an sich 
beschrånken; die aus der sprache gewonnenen resultate in be- 
ziehung zu dem nåmen und den personlichen anspielungen 

1 Fr. Michtl, Le Boman du St-Graal, einleitung p. XTT. P. Paris, Les Bomans de U 
Table Bonde, I, 110, Bomania I, 477. Hue her, Le Saint-Graal I, 34. Koschwit*, as. II, 
417. Weidntr, Joseph v. Arimathia. Suckitr, es. XVI, 272. 

1 



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— 2 — 



Robertfs de Boron zu setzen, bleibt ausser dem rahmen dieser 
arbeit und einer weiteren untersuchung vorbehalten. 

Der Roman du Saint-Graal, enthalten im manuscript der 
Bibliothéque royale, Saint-Germain fran$ois No. 19587, ist von 
Francisque Michel, 1841, herausgegeben worden, und zwar stand 
uns von dem im allgemeinen sehr sorgfåltigen abdrucke der 
handschrift ein von Herrn Pro£ Birch -Hirschfeld collationiertes 
exemplar zu gebote. 

Folgende Ausgaben und Abhandlungen sind bei dieser 
untersuchung benutzt worden: 

Abkflrzungen : 

Albert, Die Sprache Philippe's de Beaumanoir. -Albert 

5. heft der Munchener Beitrage, 1893. 
Andresen, Dber den Einfluss von Metrum, Asso- -Andresen 

nanz und Reim auf die Sprache der 

afz. Dichter. 

Apfelstedt, Lothringiseher Psalter, Afz. Bibl. IV. -Apfelstedt 
Ander, Der Dialeet der Provinzen Orléanais und -Auler 

Perche im 13. jh. Strassbg. 1888. 
Bdcht, Sprachl. Untersuchung von Huon de -Båcht 

Bordeaux. Erlangen 1884. 
Bwga88, Darstellung des Dialects im XIII. sel. -Burgass 

in denDépartements „SeineInférieure 

u. Eure (Haute Normandie)". Halle 

1889. 

Burguy, Grammaire de la langue d'oil. Paris- -Burguy, Gram. 
Berlin 1859. 

Fr. Diez, Grammatik der Romanischen Sprachen -Diez, Gram. 

V. Aufl. Bonn 1882. 
W. Dittmer, Die Pronomina Possesiva im Alt- -Dittmer 

franz. Greifswald 1838. 
J. Ellenbeck, Die Vorton-Vocale in franz. Texten -EUeribeck 

bis zum Ende des 3QI. jhs. Strass- 

burg 1884. 

W. Førster, Aiol et Mirabel u. Elie de Saint- -Førster, Aiol 
Gille, Heilbronn 1876—82. 

— Li Chevaliers as H espées. Halle -Forster, Chev. as H esp. 
1877. 

— Cligesvon Christian von Troyes, 1884, -Forster; Cliges 
Halle. 

— Li Dialoge Gregoire lo Pape, 1876, -Forster, Dial. Greg. 
Halle. 

— LyonerYzopet,Altfranz.BibliothekVI. -Forster, Lyon Yz. 

— Richars li Biaus, Wien. 1874, -Forster, Rich. li biaus 



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— 3 — 



Friedwagner, tJber die Sprache des altfranz. -Friedwagner 
Heldengediehts Huon de Bordeaux, 
Neuphil. Studien, Heft VI. Paderborn 
1891. 

Gengnagd, Die Kurzung der Pron. hinter -Gengnagd 

vokal. Auslaut im Altfranz. Balle 1882. 
GOrlich, Die sudwestlichen Dialecte der Langue -GOrlich, sudw, Dial. 

d'oil. Franzfls. Studien, III. Band. 

2. Heft 1882. 

— Die nordwestlichen Dialecte der -GtirUch, nordw. Dial. 
Langue d'oil. Franz. Studien, V. Band, 

3. Heft 1886. 

Grdber, Grundriss der Boman. Philologie -Grdber, Grdr. 
Haase, Das Verhalten der pikard. u. wallo- -Haase 

nischen Denkmåler des Mittelalters 

in bezug auf a u. e vor gedecktem n. 
Eossner, Zur Gesehiehte der unbetonten Vocale -Hossner 

i. Altfranz. u. Neufranz.Freiburg 1886. 
Jenrieh, Die Mundart des Miinchener Brut. -Jenrich 

Halle 1881. 

Kehr, Uber die Sprache des Livre des Man- -Kéhr 
niéres des Etienne von Fougéres. 
Bonn 1884. 

Knauer, Zur altfranz. Lautlehre. Programm des 'Knatter, Progr. 

Nioolai-Gymnasiums in Leipzig. 1876. 
Koschmtz, Oommentar zu den altesten Sprach- -Koschwitz, Comm. 

denkmålern 1888. 

— tlberlieferung und Sprache der Chan- -Koschmtz, Charl. 
son du Voyage de Charlemagne. 

Kratt, Gui de Cambrai, eine sprachliche Unter- -Kratt 
suchung. 

Link, tlber die Sprache der Chronique rimée -Link 

von PhiHppe Mousket. 
Lorentz, Die Erste Person Pluralis des Ver- -Lorentz 

bums im Altfranz. Heidelberg 1886. 
LUcking, Die altesten franzosisohen Mundarten. -LUcking 
Matt, Der Computus des Philipp von Thaun. -Matt, Comp. 

Strassburg 1873. 

Metzke, Der Dialect von Ile de France (in -Jfeføfø,Arch. 64 u.Arch.65 

Herrigs Archiv, Bd. 64 u. 65). 
Meyer, an et en toniques; Memoires de la -Meyer, an et en toniques 

Société deLinguistique deParis,1, 244. 
Meyer-LUbke, Grammatik der Bomanischen -Meyer-LUbke 

Sprachen. 

Nathan, Das latein. Suffix-alis im Franzbsischen -Nathan 



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*— 4 — 



Neumann, Zur Laut- und Flexionslehre des -Neumann 

Altfranzosisehen. 
G. Paris, Vie de St. Alens. 1887. -Park, Alex. 

Baynaud, Etude sur le dialecte picard dans -Raynaud 

le Ponthieu, 1886 (Bibl. de 1'Ecole des 

Chartes XXXVH). 
Bohr, DerVocalismus des Franzisohen im 13. jh. -Bøhr 

Halle 1888. 

F. Settegast, Benoit de Sainte-More ; uber Iden- -Settegast, Benoit 
titat des Verfassers des Bom. de Troie 
und der Chonique des dues de Nor- 
mandie. 

Schultzke, Betontes c + i u. o + i in der nor- -Schultzke 

mannischen Mundart. 
Suchier, Zur Mundart des Leodegar-Liedes, -Suchier, zs. II, 

Zeitschrift fur rom. Phil. II. 255. 

— Auoassin und Nieolete, 3. Auflage. -Suchier, Aue. 
Paderborn 1889. 

— Reimpredigt,BibliotheoaNormannica -Suchier, Reimpredigt 
I. Bd. 1879. 

— Altfranz. Grammatik. Halle 1893. -Suchier, Gram. 
&cArøan,Grammatik des Altfranzosisehen. II. Auf- -Schwan 

lage 1893. 

Thurneysen, Das Verbum „étre" und die franz. -Thurneysen 

Conjugation. Halle 1882. 
Tobler, Vom franzSsischen Versbau alter und -Tobler, Versbau 

neuer Zeit. H. Aufl. 1883. 

— Li dis dou vrai aniel. II. Aufl. 1884. -Tobler, Vrai Aniei 
TMemann, Uber die anglonormannisehe Vie de -Ufdemann 

Saint Auban, Strassbg. 1886. (Die 
vollståndige Arbeit in Bohmers Bom. 
Stud. IV.) 

Vising, Etude surle dialecte anglonormand. du -Vising, Etude 

XHe siéole. Upsala 1882. 
VoUmoHer, Der Munchener Brut, herausgeg. -VoUmøUer, Brut 

v. Hofmann-VollmSUer. 
Nat. de Waitty, Mémoire sur la langue de -WaiUy, Joinville 

Joinville; Bibl. de TEcole des Chartes, 
* 6. serie, tome IV. 
Zemlin, Der Nachlaut i in den Dialeeten Nord- -Zemlin 

und Ost-Frankreichs. Halle 1881. 

Die in zeitschriften, sammelwerken erschienenen aufsåtze 
sind am betr. orte citiert unter benutzung der bekannten ab- 
ktirzungen. — 



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Die Sprache 

des 

Roman du Saint-Craal. 



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L Versbau. 

A. Reim. 

Der nur fragmentarisch tiberlieferte Roman du St. Graal 
besteht aus 4018 paarweise gereimten achtsilbnern, von denen 
3094 månnlichen, 924 weiblichen versausgang haben. Frey- 
mond hat in seiner arbeit „tTb. den reichen Reim bei afz. 
Dichtern", Zs VI, 1 u. 177 ff. auch die diesbeziiglichen verhalt- 
nisse unseres romans in ktirze angegeben, p. 24; bei der in an- 
lehnung an diese arbeit vorgenommenen reimuntersuchung er- 
gaben sich allerdings nur annåhernd die prozentziffern Frey- 
monds fiir die geniigenden månnlichen reime (I), die reichen 
månnlichen reime mit stutzconsonant (III) und die p. 20 nach 
ihrer qualitåt unter D. begriffenen reime; doch werden die 
differenzen ausgeglichen, sobald die bindungen von mouilliertem 
und reinem lu. n, die wir zu den geniigenden reimen stellten, 
zu den reichen reimen gezogen werden. Ohne dieses, verteilen 
sich die reime folgendermassen: 

I. 1184 gentlgend måimKche reime — 58,93% 

IL 397 geniigend weibliche reime — 19,76% 

HL 250 månnliche reime mit sttitzconsonant — 12,44 °/ 
wie z. b. 35 bontez : biatttez. 

IV. 94 månnliche reime, in denen „der gleichlaut mit 
dem vokal der vorletzten silbe beginnt" — 4,68 % 
z. b. 101 humanité: humttité; 
inbegriffen sind hierbei die nicht ganz reinen leoninischen 
reime: 7 envoieroit : svufferroU; 917 verruntcserunt; 
2639 apelera.-verra; 3151 afierrott :dwblerotø; 3675 
ouverroit : esploiteroit; 



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— 8 — 



Va. 44 weibliche reime mit sttitzconsonant — 2,19 % z - 
95 semble : ensemble, 313 afeire: feire; 

Vb. 18 månnliche reime, in denen „der gleichlaut mit dem 
vor dem vokal der vorletzten silbe stehenden cons- 
beginnt", z. b. 63 mandé : commande — 0,89 %; 

VI. 22 reime, deren gleichklang sich auf mehr als zwei 
silben erstreckt z. b. 2775 ta venue: avenue — 
1,09 o/ 

nach der qualitåt geordnet, sind an reichen reimen vorhanden 

A. 207, in denen „der reiche reim entsteht durch bindung 
von wortern mit gleichen flexions- und formationselementen" 

— 10,30 % z - b. 67 avras : apeleras; 167 commandement : 
communalment; und zwar enthalten mehr als 4 /s dieser reime 
fatur- und conditionalformen. 

B. 12, deren reimworter „gleichen stammes sind und deren 
bedeutungen nicht weit auseinandergehen". — 0,59 % z - 
313 afeire : f eire, 2519 assis:jem. 

C. 11 reime, in denen die „reimworter gleichen stammes 
sind, ihre bedeutungen die identitåt des stammes nicht zu 
leicht erkennen lassen, sondern der schein entsteht, es liegen 
verschiedene blos zuMig homonyme stamme zu grunde; 
bindungen von simplex und compositum, deren bedeutungen 
sich so verhalten, dass ihre verschiedenheit sich nicht aus der 
verschiedenheit noch lebender suffixe allein erklårt", z. b.r 
2425 pris : mespris; 621 decéu : apercéu; 1455 avint : couvint 

— 0,55 %; 

D. 198 reime, in denen „die reimw5rter verschiedenen 
stammen angehoren und wo der gleichlaut in die stammsilben 
eingreift", z. b. : 1 1 conte : conte ; 35 bontez : biavtez; 83 enfer : 
Lucifer — 9,85 %. 

Ist der prozentsatz der reichen reime von 21,29 % nun 
auch gering zu nennen, so låsst sich andrerseits ein gewisses 
bemtihen des dichters, dem reim einen ausgedehnteren gleich- 
klang zu geben oder wenigstens den schein des reichen reimens 
zu wahren 1 , nicht verkennen. Hierher mochten wir zu erst 

1 Tobler, Varsbau p. 132. 

9 Steilt man diese bindungen sn HI, bo corrigieren sich die prozentsiffern von I in 
S8,38; III in 12,99; ^ 10,40. 



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die bereits envåhnten bindungen von mouilliertem und reinem 
l oder n steilen 2 ; es sind filr 1:1 937 bailla : pris Va; 
1279 ala : merveilla; 2248 merveillié : lie; 2903 merveilla: 
apela; 3883 merveilla : paUa; flir n:gn. 27 seigneur: 
honneur, 261, 451, 2553; 2153 mena:enseigna; 3927 re- 
tenoit:enseignoit; f evner bindungen von c:s 1705 ocis:ainsis; 
3515 courciez:brisiez; 3529 bristes :depecies; 3969 pucele: 
demmoisele; 3571 séuns : percéuns ; s:z\n 2979 sire:sanz ire; 
ss:s 937 leissa:les ha; 2667 poisson : uns hon ; g:ch 117 
mengié : pechié; 925 forjugié : trichié; 1447 messagier: 
touchier; vielleicht entspringen einem solchen streben auch 
die håufigen bindungen der dentalen media und tenuis: 

195 estoit : respondoit ; 517 departirent : attendirent ; 631 gardé: 
verité; 645 osta : æmmanda ; 735 demandoit: estoit; 753 Parodis: 
chetis; 1069 Æire : martire; 785 batirent : pendirent ; 885 conquestées: 
soudées; 1029 maladies : anlies 1065; 1101 respondu:tu; 1167 åe- 
wandé* : verité / 1469 demandé ipoesté; 1641 aewandé : aporté; 1761 
mandé : apresté ; 1811 mander : giter ; 2013 osté : regardé ; 2069 ew~ 
tendu:tu; 2079 cowwondé : enAorfé; 2235 convertist : entroduist ; 
3109 de8cendera : aportera ; 3127 arre»fera;afcnaera; 3845 (fire; 
avoutire; 3981 arønføre? ; dure?. 

Allerdings konnen sie sich auch ungesucht ergeben haben. 
Das gleiche mussen wir zu den paronymen oder doppel- 
reimen bemerken, doch scheint deren zahlreiches vorkommen 
flir bewusste verwendung dieser reimart zu sprechen. z. b. 

85 no pere. no mere; 3601 de pere. de mere; 255 valoit : amoit ; 
335 wne chose.je n f ose; 503 Arymathie :haschie; 845 maintenant : 
devant; 975 envolepa :acheta; 917 amis:jadis; 1201 assouaga: 
tre88ala; 1375 escouté : trouvé ; 1511 doutez :voulez; 1679 to mis£: 
to visf; 1875 les fist : les mist; 1929 i*ne nouiz. une vouiz; 2045 
to vie: Arymathie; 2Sd labourer : rébouler ; 2665 twer : durer; 3067 
ne soi£:nø øoi£; 3373 & foi:& moi; 3507 .par soi.jMxr moi; 3509 
a tant.sachant; 3943 & moi:ma /bi; 3749 avoit: amoit; 3747 
se tint. revint; ahnlieh in 281, 571, 633, 1363, 679, 719, 905, 1161, 
979, 1627, 1635, 2083, 2129, 2161, 2349, 2481, 2633, 2683, 2965, 
3139, 3521, 3373, 3405, 3517, 3569, 3589, 3655, 3167, 3881, 3951. 

Nahe liegt die beabsichtigte erweiterung des gleichklangs 
auch in reimen wie 437 sou frir : seignourir ; 2113 moustré: 
demouré; 2613 demourer : sejoumer ; 3471 recouvrez : re- 
trouvez; 3621 labourer : recouvrer; 1571 boutee : retoumee, 
2957 atoumée : esprouvee; wåhrend bei andern mit weniger 



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— 10 — 

vollem vokalischen element der vorhergehenden silbe wohl 
wieder mehr dem zufall rechnung zu tragen ist: 

149 guenchir. venir; 291 volentiers : demers ; 677 vestir : gesir ; 
891 servir : remerir; 927 venchu : retenu; 1121 entendu : venu, 3149 : 
retenu; 1341 pesoit : estoit ; 1367 leenz mis:enquis; 3771 penez: 
pourpensez. 

Weiter ins versinnere hinein erstreckt sich der doppelreim 
2521 je i mengd : qu'i menei; 3365 sera venuz : sera renduz; 
3889 et cle leur mere: et de leur f r ere; rein zufallig ist hierbei 
in 3889 der binnenreim Et de leur pere et de leur mere, 
wie diese reimart uberhaupt in afz. nichtstrophischen gedichten 
nur unbewusst auftritt. 

Von den iibrigen reimarten ist, um reichen reim zu er- 
zielen, ofters der gebrochene reim verwandt cf. 

151 rememberrei ipovoir ei l j 1129 estranges hon :prison ; 
1233 dire ha :pourra; 1683 Veut :pleut; 

3683 povoir ei : vowrréi ; 3999 femmes unt : sunt; 

277 de pute eire: teire; 439 d'ire : dire, 3065, 3757. 

3035 donnei-ge:lignage; 937, 3711, 2667 siehe oben. 

In leoninischen reimen z. b. 43 amere:sa mere; 1957 
meffeit:le feit; 2143 comme lui:abéli; ta venue: 

avenue; 3961 en vie:envie. 

Den grammatischen reim finden wir vollstandig nur 
869 ff: garder as : commander as; garder : commander und 
933 ff: escrites:dites; escrit:dit vertreten. 

Dagegen konnen verschiedene reimpaare auf eine neigung 
des dichters zu derartigen reimkunsteleien schliessen lassen : 
1985 océistes : méistes; batimes : méismes. — 2097 plurent :plurent ; 
plut:fust. — 847 aras : gar der as ; garder : donner. — 889 verra: 
savera; sai:sarai. _ 1325 pvwrroie : celeroie ; céler : prouver. — 
2501 feros .metros; mest:pleist. — 483 dist ha : resuscitera ; sus- 
citer : livrer ; oster : délivrer; — 
in welchem letzteren reim sogar verschrånkter reicher reim 
vorliegen wiirde. AUerdings kann ja in allen diesen fallen 
mangel an sprachgewandtheit die unmittelbare wiederholung 
desselben reimwortes veranlasst haben. 

Sehen wir so, dass Robert de Boron sich einerseits bemtiht, 
reich zu reimen, sogar neigung zu reimkiinsteleien verråth, so 
muss andrerseits die betråchtliche menge geniigender reime 
auffallen, deren gleichklang sich a) auf den tonvokal und den 



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ihm folgenden consonanten und b) schliesslich auf den ton- 
vokal allein beschrånkt, ohne dass einer der sechs falle vor- 
liegt, in denen sich die dichter mit gentigendem reim be- 
gniigen konnen. (c£ Freymond, a. a. o. p. 30 — 34.) z. b. 

a) 901 ostas : couchas ; 3027 ostas: lavas; 20 Maufez :boutez; 
289 volez : prenez, 377, 387, 899 eto. (47 mal) ; 2041 apris .voussis; 
2055 enquis : apris ; 2433 présis : nasqvis ; 3635 ennemis : entrepris ; 
1925 resurrexiz : ennuiz 3021, 3381; 423 espanduz : menuz ; 707 
irascuz:perduz 775, 1171, 2767, 3135, 3473, 3595 ; 185 pechast : 
commanda8t (s ist verstummt) ; 3313 : pourchacast ; 1853 jugast : 
dampnast; 3665 conversast : habitast; 1063 veséhist :voussist; 1771 
perdist :mesist; 55 estoit:avoit 209, 853, 1025, 1305 ; 81 avoit: 
convenoit; 179 savoit : estoit; 217 amoit : apdoit 233, 247, 283, 324 etc. 
(58 mal). 

b) 45 engenra : potta 51, 87, Ul, 113 (76 mal) ; 41 sauvé :gité 165, 
263 (48 mal) ; 107 ennemi : trahi ; 249 autresi:raempli 407, 665, 
713, 751, 1135 etc ; 673 irascu : perdu, 2159,2409,2773,2907,3545, 
3567, 3737, 3779, 3893 (30 mal); im ganzen 6,91 -f 7,66 = 
14,57 %. 

Werden diese reime nun auch um ihrer geringen klangfulle 
willen vom XIII. jh. an von den dichtern vermieden, so kann 
uns dieser prozentsatz doch keinen wesentlichen beitrag zur 
datierung unseres denkmals bieten, da das vorkommen solcher 
reime ebenso wie die grossere oder geringere zahl der reichen 
reime nicht allein spåterer oder Mherer abfassungszeit der 
dichtungen nicht parallel geht, sondern vorwiegend von der 
individualitåt, der bildung und sprachgewandtheit eines dichters 
abhångig ist. — 

Es eriibrigt noch anzufiihren, dass auch ungenaue reime vor- 
handen sind und zwar consonantisch ungenau 509 donne : 
homme; 1851 vintrent : distrent ; vokalisch ungenau 3699 
feire :memoire; 3035 donnei-ge : lignage, welche unter voka- 
lismus behandelt werden. 

Anmerhmg: Die zulåssigen genfigenden reime entbalten als reimworter 
an erster stelle dnsttbige worter: gegen 250, abgesehen von den ein- 
silbigeD wortern auf ent ond ant; gegen 50, in denen der gleiehlautende 
vokal isoliert stebt ; gegen 70, wo eins der reimworter ein eigenname ist, 
iiber 130, deren tonvokal ans einem diphthongen oder triphtbongen mit 
einem i an erster stelle bestebt; einen geringeren teil bilden die reim- 
worter mit selteneren endungen wie 493 crouiz :vouiz; 3577 pderins: 
meschins; 2711 ainsint : avint ; 507 veissél :bd (2815, 3337): 3077 musart : 
gart u. s. w., wånrend die reime, deren reimworter voller klingende end- 



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— 12 — 



ungen enthalten, wieder ein starkes contingent steilen. Hierher gezogen 
sind z. b. 17 gent : communement ; 875 grant : pendant; 241 séantimen- 
jant; 835 amour:jour; 1 pecheur : meneur ; 9 dolewrs: sueurs; 105 sauver: 
delivrer; 103 venir:morir u. 8. f. 

B. Silbenzahlung. 

a. innerhalb des wortes. 
1. doppelformen derselben stammworter. 

Je nach bedtirfhis der silbenzahl sind doppelformen der 
worter gleichen stammes verwandt, so bald ein-, bald zwei- 
silbig, resp. zwei- oder dreisilbig die bekannten com 32, 38, 
94 (con) 137 . . .; comme 79, 343, 594, 1467 . . .; or 149, 
235, 730 . . .; ore 282, 949, 1022, 2237; encor (meist zwei- 
silbig) 622, 630 . . .; encore 3229; arrier 226, 2482; derrier 
1597; arrtere 185, 1275, 2525, 3629; avec 241, 1262...; 
aveques 54, 810, 1649; ilec 317, 399, 500 . . .; ileques 473, 
2361, 2489; cileques 797; munt 3980, 2058 (:respont) 2539 
(:unt) munde 1473 (:roonde). 

Innerhalb des wortes ist zwischen consonanten ein vokal 
geschwunden in courciez 3515, courcie 3980; daneben die 
volleren formen couroucier 1316, 3730; courouciez 3745, 
3766, 3781 u. m. Nur in den vollen formen begegnet guerredon 
445, guerredona 716; verité 632, 668, 2839 . . .; stets aber 
vrais^593, 2180 und vraiement 791, 883, 1341 und zwei- 
silbiges andni 47, 308, 309, 519 . . .; andens 3958. — 

Namentlich muss bei derartigen doppelformen, wo ein vokal 
sich bald zwischen den consonanten zeigt, bald getilgt ist, 
auf einen punkt hingewiesen werden, der fur die localisation 
eines denkmals von wichtigkeit ist, d. i. die einschiebung eines 
analogischen e vor r in die futur- und conditionaJformen der 
verba der latein. II. u. III. conjugation und andrerseits die 
synkopierung des urspriinglich berechtigten e in den gleichen 
formen der verba der I. conjugation. 

Der einschub des ersten e, der in ostlichen wie in west- 
lichen dialecten der langue dVil wohl gelegentlich auftritt, ist 
vornehmlich pikardisch und diirfte fttr den verfasser als pikar- 
dismus geltend gemacht werden, zumal eben in unserm denk- 
mal wie in pik. texten das eingeschobene e als silbe gilt, was 



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— 13 — 



in normannischen, franzischen u. lothringischen texten nicht 
der fall ist. 1 
Belege fiir das futurum sind z. b/: 

163 Tant que U s'i remeterunt; 288 Et comment nons le pren- 
derom; 1903 Ou tout vi f le me r ender ez; 1946 N 'i per der as membre 
ne vie; åhnl. 660, 849, 890, 940, 1385, 1781, 2470, 2510, 2532, 
2732, 2792, 2884, 2896, 3037, 3047, 3097, 3109, 3128, 3180, 3222, 
3317, 3320, 3337, 3346, 3394, 3402, 3764. 
fiir conditionaJformen: 

1156 Que U sa teste meteroit; 1478 Saveriez-vous enseignier; 1539 
Et dist :Je neia renderoie; 1972 Par Joseph Jhesu raveroit, ferner 
1942, 1973, 1975, 1976, 2027, 3565, 3621. 3677, 3705. — 

Neben diesen formen stehen natiirlich die organisch ent- 
wickelten z. b.: 

metrunt 903 ; metros 2502 ; metrez 3229; metroit 3828; perdrez 
1512 ; istras 2225: istra 2795 ; atendra 3363; penrei 342; mouvra 
3391 ; devroit 3626. 
Von savoir und avoir : savra 3085, avras 248, 3106, 3060, 
3386, 4018 ; jedoch sind von diesen beiden verben die formen 
mit ausgestossenem labial die håufigsten, 

cf. arei 445, 1718, 2969; aras 831, 847, 2493, 2513.. .; ara 
2306, 2685, 2899, 3079, 3093 . . . ; aruns 287, 490, 3247 ; arez 464, 
3935, 3996; arunt 873, 884, 919, 1719...; aroie 1036, 3514; 
aroit 192, 453, 1486 ; arians 1974; aroient 630; sarei 892; såras 
871; sara 485, 651; sarunt 371, 3045, 3403. 

Was die ausstossung des e betrifft, so weisen die zu ci- 
tierenden formen von mener und doner, 734 menra, 1545 
menrez, 950 emmenrei, 1551 emmenruns, 450 donrei, 446, 
3379 donras, 2304 donra, 1540 donroie, 2978 donrez ausser 
auf ihr eigentliches gebiet, die Pikardie, auch auf die Nor- 
mandie und das centrum, wåhrend die folgenden: 2750 Et 
tout premiers le comparra, 347 Com és orz pechiez de- 
mourrunt, 952 demourras, 3285 demourrei, 2928, 3124 de- 
mourra, 2346 demourrez, 3342 comparroit, 2082 aourrei 
in der Champagne und der stidlichen Pikardie håufig be- 
gegnen. 2 

Die silbenzåhlung zeigt uns ferner doppelformen derselben 
worter oder formen, wenn zwei vocale nebeneinander stehen. 

1 Suchitr, Aue. p. 72; Gdrlich, Nordw. dial. p. 84; Friedwagntr, p. 93. 
8 Meyer-Lfibke, Gram. II, 856. 



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— 14 — 



Dies betrifft besonders die vocalcombinationen ie, ia, io, iu 
in folgenden Fallen: 

a. Die endungen der I. u. II. perr. plus. des imperfectums 
und des conditionals sind teils zweisilbig, teils einsilbig ge- 
braucht, und zwar unterstiitzen drei viertel der belege fiir den 
verfasser die zweisilbigkeit; jedoch wird die immerhin betråcht- 
liche anzahl der einsilbigen endungen bei der localisation nicht 
ausser acht zu lassen sein. Die einsilbigkeit ist besonders im 
pik. wallonischen tlblich und tritt im norm. franz. u. champ. 
erst allmåhlich wåhrend des 13. jhs. auf. 1 

Einsilbig sind in der I. pers. plur. imp. iens : 1445 Encor 
rCaviens oi touchier ; ions : 767 Par farne estions emprisoné, 
3557 Adonc ces prophetes prenions; ens (fur iens) : 2406 
Tant cum péumes V md/arens ; iemmes (resp. zwei : stått drei- 
silbig) 3607 Nous essaiemmes et véismes; lammes 1192 Et 
se nous poviammes avoir; in der II. pers. plur. imp. 3901 
Saviez-vous riens de vo sereur, 3998 La joie as avtres, et 
saviez; ferner in der I. pers. plur. cond. lans. 1974 Ainsi 
arians peis de Jhesu, 1458 Que nous Ven deliverrians bien ; 
lammes 1969 Et que li touriammes la vie. 

Zweisilbig sind z. b. iens : 3906 Sire, n'en saviens neent; 
ions: 3535 Ceci au meins bien cuidions (åhnl. 1138 u. 
3558) ; luns : 1800 Nous ne voliuns pas ainsi und so 
1991, 3663, 3706. Ebenso wird zweisilbig zu lesen sein 3578 
Quanque avions nous ha tolu; ferner in der I. pers. plur. 
cond. lans : 1482 Bien Vamerians å trouver, åhnl. 2344, 
3621; ions: 1437 pourrions, 3705 deverions; iuns:l963 
poarriuns; in der II. pers. plur. imp. : 1919 doutiez, 510 
amiez; 3997 aviez, 4003 saviez; endlich II. pers. plur. cond.: 
4001 Certes, ne priseriez mie, 1478 saveriez, 2342 acha- 
teriez. 

b. In nominalformen sind stets zweisilbig die lat. endungen 
lanum in anden 47, Vaspasyens 1013, 1197 etc, terriens 
2755; darrien 2754 (Vous vousistes au darrien) 3026, 
3830 mit ausnahme von 355 et semble que li darrien 
estoient; und lonem in dampnation 406, region 1544, 3104; 
generacions 2101, possessions 3718 u. a. 

1 Suchier, Aue. p. 72; zs. II, 281. Hossner, p. 46. 



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— 15 — 



Weiterhin gibt die feststehende silbenzahl der verse auf- 
schluss iiber die behandlung, welche die vortonvokale in 
unmittdbarer beruhrung mit dem tonvokal in unserm texte 
erlitten haben. Hierbei ist zu scheiden zwischen den vokalen, 
die bereits im latein. ungetrennt neben einanderstanden, aber 
zwei verschiedenen silben angehorten, und denen, die erst 
nach schwund eines zwischen ihnen stehenden consonanten 
vor den tonvokal getreten sind. 

Von den wortern der ersten categorie sind anzufiihren: 
leenz 697, 1367, 2247; ceenz 56 und deable (21, 134, 173, 
2176, 3523, 3759, 3761, 3765, 3815, 3865, 3955) das nur 
einmal einsilbig gebraucht wird 3932 Dables seur vous 
povoir n'ara; ne-ipsum einsilbig 931 Neis, se je feire voloie 
und zweisilbig 3715 Néis ses sires VEnnemi. 

Von den wortern der zweiten klasse dagegen gibt es eine 
sehr grosse menge belege, die mit verschwindend wenig aus- 
nahmen die erhaJtung des im hiatus stehenden vortonigen 
vokals beståtigen. Die einzelnen dialecte nehmen zur tilgung 
dieses vokals sehr verschieden stellung, so steht es fur das 
anglonormannische fest, dass es mit dieser entwicklung den 
continental-franzosischen mundarten voraus geeilt ist, und dass 
von diesen wieder die pik. wall. dialectgruppe am ersten zur 
tilgung des vortonvokals neigt. Ihnen schliessen sich zunåchst 
die ostlichen dialecte an, dann das norman. und zuletzt die 
mundarten der Ile de France und Champagne, die noch im 
13. jh. das vortonige e wahren. 

Von den in betracht kommenden belegen zeigen neben der 
ålteren form bereits eine contrahierte: nemt, das in 600, 
1037, 3146, 3612, 3906 zweisilbig, in 2052 Sanz lid feire, 
n'en dout neent aber einsilbig gelesen werden muss, denn 
die apokopierte form des imperativs fållt ohne zweifel dem 
schreiber zur last, da sonst die endung des imp. der verba 
der I. conj. erhalten ist, cf. doute 1945, 2207, 2822; pense 
2827, coute 3017, cele 3044 u. m. 

Nient, neent ist schon im 12. jh. auf ; dem continen- 
te, sogar im norm. (Rou.) einsilbig verwandt, kann da- 
her als kriterium fiir die abfassungszeit nicht in betracht 
kommen. 



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— 16 — 



Ferner vez in den versen 1762 Vex-moi ici tout apresté; 
2265 Que ve*-ci Joseph en present; 2854 Veiles toas 
parcréuz et granz. Hossner p. 16 sieht mit recht hierin keine 
contraction, sondern fiihrt die einsilbige form auf eine com- 
promissform von vide-ecce zuriick. Die verwendung bald als 
einsilbige, bald als zweisilbige form sei der vermischung mit 
videtis zuzuschreiben. In der that nimmt vez in den vor- 
liegenden belegen die stellung des modernen demonstrativen 
voici, voilå ein; fur videtis ist auch stets vééz gebraucht: 
cf. 535 11 est morz, que bien le veez, u. 1417, 3908. 

Von benedictus ist sowohl das lautlich correcte benooiz, 
als auch die contrahierte form belegbar. 2670 ce vient doa 
benåoit Jhesu, 2049 Etdist: CilDiex benéoiz soit 9 und 
andrerseits 945 Ki le benoott Fil Dim porta, 2534 C*est 
la benatte Trinité, åhnl. 3373. — benoit wie maloit sind 
sehr fruh belegt, selbst im norm. (Chron. des dues de Norm. 
II, 1106, 11591) und die kiirzung dieser formen, namentlich 
von benoit, die in jedem gebete in verbindung mit Dieu, Fil 
Dieu u. Trinité vorkam, kann schwerlich ftir friihen ausfall 
des vortonigen e und dialecte, die denselben zeigen, geltend 
gemacht werden. 

Die meisten der belege mit erhaltenem vortonvokale bilden < 
die substantiva — atorem, aturam, die flexionsbetonten 
formen des pert und conj. perf. der starken verba, die schwachen 
part. pert — uturn u. a. worter, wo ein cons. geschwunden 
ist. z. b.: 

pecheewr 1, 362, 743, 881 ; emperéeur 991, 1015,1077, 1080, 1087 . . .; 
sauvéeur 2998, enchantéeur 1475, portéure 59 ; — péus 821, méis 
907, véimes 1587, féimes 15S^préistes 1590, féistes 2273 ; éust 1644, 
péust 1729, séust 2250, séustes 2272, féist 2355, éutes 2634; — 
véu 615, 617, reconnéu 616, decéu 620, apercéu 621, éu 1361, eschéue 
1362, créuz 2270, meschéu 2518, percéu 2595, connéu 2596, séu 1881, 
parcréuz 2854. 

Ein dental ist geschwunden in 

gaaigniez 23, aage 22, aama 202, eschaance 1361, Oraal 936, 2659, 
2677, 2681, 2684; preescha 194, 972 ; creance 194, creant 2328, 
veanz 975, seez 1575, poesté 1228, 1720, 1796, vooir 606, 1556, 
2146, 2209; sooir 2552, 2635, rasooir 1579, pooir 392, 760, 3538, 
roonde 1474; ferner in méis mes 2001, 2136, 2153, 2189, 2206, 2785, 
2796, 2819, 3210; 



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— 17 — 



Ein guttural ist geschwunden in boneéurée 943, seélleé 706 
asséurer 1860, séurement 3364. 

Ist der vortonige vokal a od. ø, so tritt im laufe der ent- 
wicklung des afz. verschmelzung mit dem betonten vokal zu 
einem diphthongen ein. Auch hierin steht bis auf einen fall 
unser denkmal auf ålterem standpunkte. haine ist 2094 durch 
das versmass, 1823 durch den reim hatne: cuerine als drei- 
silbige form gesichert; pals 2302, 3124, 3452, 3840, 3881 u. 
paisant 3814 durch die silbenzahl, ebenso aide 3831 (dazu 
der reim 731 mie: aié); ferner obéir in 2439 obéir: suir 9 
363: Espir; trahiner 1895. 

Die einzige contraction wiirde in 1897 Ainsi fist le treitre 
destruire geboten sein, miisste man nicht den vers in dieser 
gestalt iiberhaupt beanstanden; der verstoss gegen die casus- 
regel, die sonst ziemlich gut beobachtet ist, die gesicherte 
verwendung des acc. traiteur 1795, und auch der sinn, der 
eher den acc. plur.verlangt, lassen vermuten, dass eine verderbte 
stelle vorliegt. Vielleicht: Ainsi fist traiteur 8 destruire. 



Elision des auslautenden e vor vokalischem anlaut des 
nåchsten wortes findet selbst nach mehrfacher consonanz mit 
grosser regelmåssigkeit stått, und nicht elidiertes e ist nur 
in zwei fallen zu verzeichnen. 



In 2563 geht mehrfache consonanz dem e voraus, und dass 
xmter dieser bedingung e den hiatus tragen kann, ist aus 
andern texten vielfach beståtigt. 1 

Was den zweiten fall betrifft, so ist vers 2926 zunåchst 
unvollståndig iiberliefert; erst durch wiederholung des relativ- 
pronomens qui wird die erforderliche silbenzahl erreicht, ohne 
dass freilich der hiatus beseitigt wird. Das dem e vorausgehende 
mouillierte 1 mag ihn vielleicht einigermassen entschuldigen 2 , 

1 Medl, Comp. p. 31. Tobler, Versbau p. 56. 

3 Dooh ist die elision sonst regelmassig eingetreten nach mouilliertem 1 od. n: 2331 
vueille^et ; 3864 fille ensement ; 847 enseigne aras ; 2920 enseigne å ; 3916 enseigne et ; 
3062 Engigne et. — w w w W 



b. silbenzåhlung' an der wortgrenze: 
Hiatus und Elision. 



1. Forsleliuquipleimnepooit 
2563 Estre / et eil qui au 
mengier. 



2. S'aucvm y ha qui femme avoir 
2926 meille \ et remennoir 
moi en ma meison voura. 



2 



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— 18 — 



besser diirfte jedoch flir seine zulåssigkeit die annahme einer 
stårkeren interpunktion eintreten, welche eine scharfere be- 
tonung der von Joseph von Arimathia aufgestellten beding- 
ungen bezwecken sollte. Auch in vers 2563 mag tibrigens der 
einfluss der satzpause grosser gewesen sein als die vorangehende 
consonantenverbindung. 

Nach einfacher consonanz wiirde verschiedentlich nicht- 
elision des e nach r (aus tr) in substantiven der lat. II. u. 
III. declination, die im afz. auf re ausgehen, vorhanden sein, 
wenn nicht die ergånzung des analogischen nominativ - s, wie 
sie der schreiber thatsåchlich vorgenommen hat, flir den ver- 
fesser bereits in anspruch zu nehmen wåre. Der reim lehrt r 
dass dem verfasser das nominativ - 8 flir diese wortklasse nicht 
mehr fremd war. Schliesslich wiirde nichtelision in so engen ver- 
bindungen wie vers 12 noperes Adam auch kaum zulåssig sein. 

Hiatus nach einfacher consonanz, wie sie entgegen der 
schreibung in wirklichkeit vorliegt, ist gleichfalls durch an- 
fiigung eines 8 vermieden worden, und zwar auf kosten der 
declinationsregel 2080 Par luir-meismes enhorté. Diewenigen 
anzeichen des verfalls der declination, die dem verfasser zur 
last fallen, beschrånken sich auf worter, die einen person- 
lichen begriff ausdriicken, z. b. emperere, suer, die schon im 
Rol. mit ihrer obl. form u. umgekehrt vertauscht werden, und 
es steht uns gewissermassen frei, in méismes einen verstoss- 
gegen die elisionsregel zu sehen 1 . Er wiirde in einem verse 
von Huon de Bordeaux 2 : Par otr messe de I saintime abe 
ein analogon finden, wo Friedwagner den hiatus durch die 
schwere der urspriinglichen consonantenverbindung (auch fttr 
unsern text hat s vor m nur graphischen wert) zu entschul- 
digen versucht. Nichtelision nach urspriinglich nicht isoliertem 
m hat z. b. auch Gui de Cambrai, Barl. 226, 26. ame / et 

Facultative elision haben die einsilbigen worter ^ø, ne, se 
(=lat. si) se (=lat. sic) que (relat.) que (conj.); so ist je 
elidiert oder wenigstens mit elision zu lesen, z. b. 78 Et que 
fen soie mieuz créuz u. 537 Et queje å Joseph le donnasse, 
åhnlich 787, 789, 806, 836, 1764, 2521, 2709 und 1312, 1445; 
dagegen steht es im hiatus z. b. 1547 Et jeavec vous m'en- 

1 cf. jedoch auch miter declination. 3 Friedwagner p. 14. 



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— 19 — 



irei, vers 2547, 2858, 3509; als satzbetonte form 443 Et je 
et mi V chevalier; mit vollerem vokalischen element 418 
Et å cui ju en revewrei; dem verbum nachgestellt 2453 
Ainsi votts pri-je et requier. 

Bei ne findet elision stått z. b. 71 N'en sa vie ne pechera, 
371, 407, 542 . .; hiatus z. b. 405 Ne droiture ne achoison, 
åhnlich 956, 998, 1112, 1166 etc. 

Cfeist elidiert vor est 257, 608, 628, 903, 1120, 1180, 1233etc; 
vor estoit 1703 (se c*estoit voirs) 3436, 3741, 3791 ; 1773, Pour 
ce estoit si espoventez; vor estre 2249 Quident que ce estre 
ne péust; vor en 258 Cen devoit estre ses louiers; vers 24, 
622, 633, 1121. 1175; dagegen liegt hiatus vor 3399 Ce / est 
en pardurable vie und ahnl. 1332, 1344, 1549, 1768 . . . 

Die coiyunction que ist elidiert vers 39, 109, 138, 156 u. s. f. 
[quanque (8 mal)] und steht im hiatus z. b. 105 Pour ce que 
il voloit sauver, ferner 111, 178 . . . 

Bei se (= sic) fand elision stått z. b. 1240 >S*a Vuns å 
Pilate mandé, 1494; hiatus wo dann si flir se eintrat, z. b. 
44 Fille Dim est, si est sa mere; si hat seinen vokal be- 
halten, das anlautende e des folgenden en ist durch aphårese 
beseitigt in 425 Jhesu vit, si 9 n ot pitié grant. 

se (= si) ist elidiert 349 Car, s'U un peu ordoie sunt, 
so 368 . .; und steht im hiatus z. b. 641 Se il leur estoit de- 
mandez, 1063 . . ; 

Bei dem relativum que fand elision stått, z. b. 51 Par son 
angle qu'il envoia . .; hiatus z. b. 26 Ou Fil Dieu que il 
attendoient . . — 

Qui, als relat. nom. durch que vertreten, hat elision seines 
vokals 2468 Ciert en senefiance grant, 3400 Tout ce qu'est 
né et qui neistra, 3670 Li prophete qu'o nons estoient. — 

Die unbetonte form des pronomens li ist nirgends elidiert 
ausser vor en. z. b. 337 JJtesus Ven ha congié donné; 524 
Ven fu bel (852, 2876) åhnlich 508, 709, 3154, 3187, 3284; 
nur einmal begegnet hiatus 3956 mout li en pesa. 

Satzunbetontes le, dessen elision im afz. facultativ ist, so- 
bald es dem verbum nachsteht, ist im hiatus belegt 792 Croi- 
le et si n'en doute mie, und zu elidieren 2982 Acola-le et 
au pere dist. 

2* 



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— 20 — 



Bei inversion des unbestimmten subjectspronomen on ist 
einmal zur vermeidung des hiatus aus euphonischen griinden 
Von eingesetzt 3637 Se és uevres Dieu le trueve Von. 

Folgen il oder eie dem verbum, so findet wie im aUgemeinen, 
elision des vorhergehenden e stått; von dem einschub eines 
euphonischen t ist noch nichts zu bemerken. 

Der nom. sg. des mase. artikels steht im hiatus z. b. li 
enfes 2535, 3777; li uns 224, 1269, 1483, 3679; li estranges 
hon 1199; li hons 2163; li angles 2912, 2913 ; liemperere 
1051, 1657; li hostes 265, 1011, 1017, 1043; mehr noch finden 
wir die elision: Vostes 1005, 1103; Vuns 210, 293, 1240, 2570; 
V enfes 1711, 2986; Vemperere 1093, 1101, 1105, 1117, 1121, 
1153, 1211, 1221, 1250, 1424, 1630, 1681, 1739. 

Der nom. plur. dagegen zeigt nirgends elision, sondern stets 
hiatus, cf. li encrimé 505; li autre 1898, 2106, 2130...; 
li angle 2113, 2140, 2150; li enfant 2255; li anemi 261, 
759, 2161, 3515, 3695, 3725, 3747, 3751 u. a. 

Der weibl. artikel, die possessivpronomina rna, ta, sa, sind 
stets vor vokal elidiert; s'offrande 56; s 9 uevre 774, 2181, 
3616; s'oroison 3005; s'onneur 3346; s' autre suer 3926; 
m'amie 3933 etc. ; der afz. nur gelegentliche ersatz der fem. 
form durch die masculine wird unter pron. erortert werden. 

me, te, se, ne, le, la haben in verbindung mit dem verbum 
regelmåssig vor vokal ihren vokal verloren. 

Einen dritten teil der bei der silbenzåhlung zu beobachtenden 
erscheinungen bilden: 

c. die Inclinationen. 

Von den contractionen der pronomina me, te, se, die bereits 
mit beginn des 12. jhs. durch die bevorzugung der offenen 
formen verdrångt sind, findet sich, der spåteren zeit ent- 
sprechend, auch keine mehr in unserm denkmal verwandt, 
nur inclinationen von le und les an je, ne, si, se sind zu be- 
legen, undj abgesehen allerdings von der sehr håufigen ver- 
wendung der contraction nou (= ne le) und der gelegent- 
lichen von jou (= je le) ist eine bevorzugung der offenen 
formen schwerlich zu verkennen. 

Die contractionen nou und jou (wenigstens entspricht es 
mehr dem sinne der betreffenden belegstellen nicht eine neben- 



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— 21 — 



form des satzunbetontenjé mit starkerem vokal, element zu 
sehen, als in je le aufzulftsen) sind von Gengnagel nicht be- 
riicksichtigt worden, doch wird in der besprechung seiner 
arbeit Rom. XI, 464 besonders auf die håufige verwendung 
dieser formen im 12. u. 13. jh. aufmerksam gemacht. 1 In 
unserm texte n'ou z. b. 350 n'ou leisserunt, so 470, 541, 
544, 605, 606, 651, 685 etc; jou z. b. 2799. Or escoute, et 
jou te direi; 2081, 2430, 3761. 

An Inclinationen sind vertreten: je V z. b. 290 Je V vom 
vendrei, si le prenez; u. 827, 1047. se l 9 z. b. 398 Chiés 
Symon, se V prist et garda; u. 416, 425, 647, 1353, 2671. 
ne 9 s (= ne les) z. b. 3485 Que nus hons ne s' puet ras- 
sembler. 

Offene formen dagegen z. b. je le 692, 3215 ; si les 129, 
1291; se les 2096; si le 290, 676; se le 2430; tu U 330, 
869; que les 2465; ne le 1441, 1906, 2022 . . .; ne les 1688, 
2866; que le 2396, 2769. 

Ein weiteres grosses contingent an contrahierten formen 
steilt natiirlich der artikel in verbindung mit den praepositionen 
de, å und en; hierftir begegnen nirgends offene formen; z. b. 
dou Pere 159, dou saint esprist 160; dou povoir 162 . . .; 
del juste 432 u. do veissel 2654; å+le:au chemin 62, au dent 
115 2 ; au fil 364; en\le als ou= ou temple 55, ou ventre 
142, ou flon 115; a+ les = as: as piez 244, as menistres 
169 ; as deciples 223 ; en + les = és : és orz pechiez 347, h nes 
1237; te vaus 3123 etc. 

Synizese ist mehrfach zu belegen, z. b. 564 Et la/u li 
sans couloit Va mis; desgl. 633, 1152, 2288, 2504, 3116, 
3127, 3360, 3459, 3477, 3716. 

Die einfuhrung der contrahierten form wird sogar erforder- 
lich 3711 A li la ii eie estoit ala. 

Diese verschmelzung zweier betonter vokale zu einem 
diphthongen ist vorzugsweise in nordostl. texten anzu- 
treffen. 3 

1 cf. auch Berols Tristan 299. 303. 627. K nu) Benoit, Dncs de Norm. 37404, 41984 
(neu). 

3 den t, das von Schwan, § 350 als fem. angefahrt wird, eetxen Fttrster (Aiol) u. Kosch- 
witz (CharL) mit recht als mase. an. 
» Fttrster, Zs. f. dstr. gym. 1874, p. 136. 



[ 



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— 22 — 



Zuletzt ergibt sich bei der betrachtung des versbaus noch 
eine beobachtung, die an dieses capitel angeschlossen sei. Die 
silbenzahl der verse sichert in zahlreichen belegen die gekiirzten 
formen der possesiv-pronomina der I. u. n. pers. plur, ein 
speziell pikardisches characteristicum. 1 

z. b. Sing. nom. mase. 532 Et nos prouvoz sires Filåt es; acc. mase. 
85 Pour le pechié d'Adam no pere, so 729, 789, 1381, 2457, 2649, 
2882, 2929, 2930, 3167, 3315, 3538, 3585; nom. fem. 14. Eve no 
mere et Abraham, ferner 86, 1196, 2300; acc. fem. 78. En vo 
meison et si serez; hierzu 141, 1741, 1781, 2458, 3229; im plur. 
nom. 296T Atisi cumme vo frere feit unt, (hierzu 2275, 2400) u. 
im acc. plur. 683 A vos ckevaliers le leissei, desgl. 424, 464, 1654, 
2347, 2348, 2411, 2412, 2853, 2994, 3529, 3584. 3639, 3660, 3661, 
3686, 3901, 4004, 4009. - 

H. Lautlehre. 

A, Vocalismus, 

A. 

A + n + cons. ist nur mit sich selbst im reime gebunden. 
Reimworter sind ausser den wortern mit etym. a die partizipia 
praesentis von verben der lat. IL, III. und IV. conjugation 
Die bindungen einerseits von an + cons : an + cons. und 
andrerseits von en + cons. : en + cons. sind so consequent 
durchgefuhrt, dass sogar worter wie talent, sens, tens u. a. 2 , 
die selbst ziemlich streng scheidende texte mit a binden, im 
reime gånzlich fehlen. Diese scheidung ist in texten des nor- 
mannischen und pikard.-wallonischen sprachgebiets zu be- 
obachten, ebenso in den westlichen mundarten, wo die schei- 
dung zwischen en u. an bis zur mitte des 13. jhs. dauert. 
Dagegen lassen der franzische, lothringische und champa^iische 
dialect friih vermischung eintreten, und en und an reimen in 
denkmålern aus ihrem gebiet unbedenklich mit einander. 3 

Bei dem participalnomen* liegt in einigen fallen aller- 
dings urspriingl. e im reime vor, doch fand in diesen wort- 

* Suchier, Aue. 78; Dittmer, p. 61. 63. 
9 Suchier, Beimpred. p. 69. 

3 tTber an + cons u. en + cons : Haase, pik. wall. denkm. Førster, Cliges LV n Q6t - 
lich, Nordw. diaL 87. GrOber, Grdr. L 600, Meyer, an et en toniques, p. 244. Suchier, 
Gram. p. 68. 

* Koschwitz pag. 64; Pohl, Bom. Forsch. IT, 344. 



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— 23 — 



bildungen friihzeitige vertauschung der lat. suffixe -entia u. 
-antia stått. So kommt auch durch diese belege die reinheit 
der bindungen nicht in zweifel. 

Noch konnte man demande : viande 2455 als ein zeichen 
der mischung ansehen; viande, das stets nur mit a gebunden 
wird, (cf. Roman de Rou 3919) ist jedoch nicht auf vivenda 
zuriickzufiihren, sondern auf *vivanda. 

Auch der schreiber scheint im wesentlichen unter der wirk- 
ung dieser dialectischen erscheinung zu stehen, denn nur 
geringe belege lassen sich im innern der zeilen fiir a = urspr. 
e finden, z. b. samblemenz 1436, sanz 1487, 1545, 1861 . . ., 
andrerseits spricht die gelegentliche schreibung von en fiir an, 
wieder ein charakteristicum der pik.-wall. dialectgruppe aus, die 
dieseniibergangbegiinstigt. 1 Die belege beschrånken sich freilich 
auf a in vortoniger stellung: tenner 2174, mennoit 1495, men- 
nant 1318, 3859, mennoir 136, remennoir 2926, remennant 
3761, 3813, 3885, mennibre 89, 185, 2119, 2923, menja 87, 
116, 749, 2197, mengie 117, menjant 242 etc. 

Das lat femina reimt sowohl mit ame (animam) als auch 
mit dem durch tonerhohung von o < a entstandenen dame 
(dominam). Das Gebiet von farne, dessen grenzen Metzke, 
Arch. 64, 395, bestimmt hat, erstreckt sich gleich einem breiten 
bande von Lothringen durch die Champagne, Ile de France 
nach den westlichen gebieten, wo jedoch beide entwicklungen 
femme und farne neben einander vorkommen; 2 es umfasst 
so einerseits das gebiet, woe» + cons. und an + cons. laut- 
lich zusammenfallen, andrerseits aber erstreckt es sich auf 
die gebiete des pikardischen und normannischen, wo die 
auseinanderhaltung der beiden lautgruppen regel ist, nur 
der nordliche teil des pik. gebiets und im nordosten das 
wallonische werden durch die reime f ame : ame : dame 59, 
2105, 2617, 2945, 3605, fiir den verfasser nicht in betracht 
kommen. Der schreiber verwendet bald die der aussprache 
entsprechende form, bald die etymolog, schreibung, wobei die 
letztere tiberwiegt. farne (16 mal), femme (38 mal), feme 
(2 mal). 

1 Suchier, Aue. p. 66. 

3 cf. Gttrlich, Nordweatl. dial. p. 42. 



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— 24 — 



Die lat. adjectivendung -alis ist mit franzflsisch erhaJtenem 
a in gelehrten bildungen durch folgende reime direct belegt 
839 loial : esperital, 3493 Graal : mortal oder sie ist aus der 
flectierten form im reim zu erschliessen 275 loiaus : faus. 

Daneben stehen als echt volksthiimlich entwickelt tel, itel, 
gesichert durch die reime 865 teus : precieus, 2745 item: 
Dieus. 

Auch der schreiber kennt diese doppelte entwicklung; er 
hat einmal regelmåssig tel und qud, autel 1042, esperiteument 
3599, das esperitel erschliesst, crueus 227 \ queus 407, 2035, 
daneben die lehnwflrter especiaument 1215, loiaument 2947, 
3154, communalment 168. 

In anschluss daran sei auteus 903 erwåhnt, das auf suffix- 
vertauschung beruhend, dasselbe lat. a in freier silbe vor l 
besitzt und entsprechend dieselbe entwicklung zeigt. 

Flir den verfasser ist noch der reim 3909/10 mans: saus zu 
betonen, er sichert flir ihn die form mal, eine form, die durch 
analogie von dem proklitischen mal auf das substantivum iiber- 
tragen wurde und den gebrauch des lautgesetzlichen mel be- 
schrånkte. 2 

Gegeniiber diesem mal und den obigen lehnwortern -al 
zeigen die reime teus : precieus, iteus : Dieus zur geniige, dass 
dem dialect des verfassers die erhaltung des lat. freien a vor 
l, wie sie den siidwestl. dialecten eigen ist, fremd war, ebenso 
wie die weiterentwicklung des e (aus a) zu ei, die einesteils 
den nordostl. und ostl. dialecten zukommt, andernteils auch 
in den westl. mundarten vorhanden und vom 13. jh. an auch 
< auf norm. gebiet, im ostl. teile des Dép. Eure nachgewiesen ist. 3 

Ob dem verfasser jedoch die diphthongierung desselben e 
(aus a) zu ie, die ebenfalls in den westl. mundarten, nament- 
lich in der Bretagne hervortritt, und auch in Ile de France 
zu belegen ist, eigentiimlich war, bleibt unbestimmt, da ebenso 
gut tieus, itieus vorhanden gewesen sein konnte. 

Nur flir die mundart der iiberlieferung ist die im innern 
der verse belegte form qués 1419, 1517, 1820, 3467, 3999 
zu bemerken. 

1 crueus kann jedoch auch ein adj. -osus zu grunde liegen cf. Fdrater, zs. in, 565. 

9 Forster, lit. centralbl. 1878, p. 118. Natkan, das lat sufflx -alis im afz. 

s Gdrlich, Nordwestl. dial. p. 13. Bur gass, dial. von Seine Inférieure etc. p. 22, 23. 



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— 25 — 



Nach Tobler, Vrai Aniel XXIX, kommt die ausstossung 
des l in der lautgruppe els=alis neben der diphthongierung 
in ein und derselben mundart vor und zwar ist diese zwie- 
fache behandlung in der pik. mundart vielfach nachgewiesen 1 
und auch fur Anjou und Touraine belegt. 2 

Antel, quel sei die erorterung einer schreibung angeschlossen, 
die sehr håufig und zwar bei consonantischem anlaut des fol- 
genden wortes zu belegen ist 

d. i. ten, queu : teu coustume 231, — mesprison 1132, — sem- 
blance 1672, — vertu 1726, — poesté 1726, — cuerine 1854, — 
vilté 2384, — grace 3169, — vertu 3528, — menniere 3629, 3676, — 
queu peinne 214, — seignourie 1073, — rue 1492, — poesté 1470, 

— maladie 2663, — vie 2939, 3469, — volenté 2633, — terre 3466, 

— femme 3469, — mespresure 3887, — queu æra la renummée 2653 
ist hierin bloss die vokalisation des l infolge des engen syn- 
tactischen zusammenhangs vor dem consonantischen anlaut des 
zugehorigen wortes zu sehen oder ist diese erscheinung zu 
den von Burgass p. 23 im dialect von Seine Inférieure des 
13. jhs. gemachten beobachtungen in beziehung zu setzen? 
Daselbst tritt fur e 3 — a bisweilen eu ein, welcher vorgang im 
modernen patois unterstutzung findet, und den Burgass auf 
eine aussprache des e 3 mit lippenrundung zuruckfiihrt. 

Auffållig bleibt, dass nach unserm denkmal diese formen 
nur vor oder in beziehung zu femininen zu belegen sind; 
die unaufgelosten formen sind unter den gleichen bedingungen 
in der minderzahl. tel 130, 106, 166, 1796, 2742, 3402; quel 
1370, 2884, 3115, 3214. 

Das lat. suffix -aticum ist verschiedentlich als -age im 
reime belegt, und zwar teils mit sich selbst gebunden, teils 
mit dem aus lat. a+lab.+j hervorgegangenen age: 1947 
estage : sage, 1235 message : rivage, ferner 1409, 1443, 1577, 
1833, 2347, 2391, 3651, 3803. 

Besondere beachtung erfordert 3035 El lå un don te 
donnei-ge : A toi et å tout ten lignage, eine bindung, die 
nach zwei seiten deutung erfahren kann. Einesteils erschliesst 
sichdaraus die entwicklung von aticum>aige; diese erstreckt 
sich auf ein sehr grosses gebiet 3 . Im osten beginnend (cf. 

1 Suchier, Ane. p. 65. Friedwagner, p. 52. 
3 G6rlich, nordw. dial. p. 60. 

' Gdrlich, nordw. dial. p. 20, 87. Zemlin, § 10, Réhr, p. 20, Metzke Arch. 65, 59. 



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— 26 — 



Lyon. Yzop.), dehnt sie sich iiber den grossten teil des nord- 
ostl. sprachgebiets aus, iiber die Pikardie hin bis nach De de 
France, die jedoch nach den neueren Forschungen Rohrs un- 
bertihrt bleibt, und ist schliesslich den såmmtlichen westlichen 
dialecten eigen, wenngleich von diesen die altere sprache der 
litteraturdenkmåler die entwicklung -aige nicht kennt. Das 
norman. gebiet 1 bleibt verschont, ebenso wie von dem nord- 
ostl. gebiet noch ausgeschlossen sind: Artois, Flandern, das 
sprachgebiet des Miinchener Brut und die Liitticher mundart, 
in der die dialoge Gregors abgefasst sind, die im ganzen nur 
3 belege bieten. 2 

Andernteils' nun låsst sich der reim donnei-ge : lignage 
auf eine erscheinung beziehen, die gewisse pikard. denkmaler 
zeigen, nåmlich dort ein a eintreten zu lassen, wo ai zu er- 
warten wåre. „Dieser gebrauch scheint sich von der Pikardie 
aus durch Lothringen bis nach Burgund ausgedehnt zu haben" 
(Metzke a. a. o.), er ist aber vornehmlich im pikard. constatiert. 3 

a vor mouilliertem 1 giebt -aille und ist in den reimen 
2507 touaille : faille, 3445 faille:ailU vertreten. Auch der 
schreiber hat a vor mouilliertem / geschrieben, nur einmal e 9 
dieses aber in nebentoniger silbe: traveillier 3627, eine form, 
die im anglonorm. beliebt ist, sich jedoch auch in hand- 
schriften des continents håufig findet. Sonst : baille 545, baillie 
174, 198, 598, 826, 1074, bataille 927, tenailles 523, faillir 
3140, taillier 1365, saillir 1581, vaillanz 1177, maubaillir 
3858. — Vor mouilliertem n dagegen uberwiegt die schreibung 
-eign, jedenfalls hierin mit der aussprache zur zeit der nieder- 
schrift correspondierend (mehe Ai). compeignie270, 806, 918 . . ., 
compeignon 376, 894 . . ., greigneur 401, 1016, meheignié 
3052, pleignoit 1610,. seinnoient 557, und nur gaaigniez 23, 
compaigne 1263, compaignie 3423 und umgekehrt ai fur ei in 
daigne 104, 332. 

A in unbetonter silbe steht in gaaigniez 23 aé 1708, 
aage 22, eschaance 1301, aus dissimilation entstanden in 

i Pohl, Bom. Forsch. U, 841. 
» Suchier, zs. II, 278. 

3 Burguy, Gram. I, 233; Apfelstedt, Lothr. Ps. XVI ; Fdrster, Chev as. II esp. XXXTTI, 
Eich. li biaus, anm. zu 4271. Meyer, Eom. VI, 43. Tobler, G5tt. gel. Anz. 1874, p. 1032 ; 
zs. f. oatr. gym. 1874 p. 148. 



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anemi 162, 261 . . ., ferner durch die einwirkung eines vorher- 
gehenden oder folgenden -r mparfunt 702, 1810, parfunde 
698, parfeite 3397, parfeitement 3046, parcréuz 2846, par- 
durable 794, 831, darrien 355, 2754, 3026, 3830, ratourner 
3482, rasooir 1579, und unter der gleichzeitigen einwirkung 
der dissimilation in raengon 91, raempli 250, raemplira 
2818, ramembrement 888, 3041. 

Wie damø durch iibergang von a < ø vor nasal entstanden, 
bietet sich auch damoisele 3852, dem die nach analogie von 
femme, farne geschriebene form demmoisele 3970 zur seite 
zu steilen ist. 

E. 

Frz. geschlossenes e entwickelt sich aus lat. a in freier 
silbe. Den nachlaut i hinter demselben kennt unser denkmal 
nicht. Was die ausdehnung der entwicklung desselben an- 
belangt, so sei daran erinnert, dass er sich zunåchst im burg. 
u. lothr. findet, fur die er am meisten characteristisch ist. 1 Er 
zeigt sich nach Forster (Anm. zu Aiol 459) durch die ganze 
Pikardie hindurch bis in die Normandie, deren altere litte- 
ratursprache ihn jedoch noch nicht aufweist. 2 Dagegen tritt 
er wieder in den westl. mundarten 3 , wenn auch nur unter 
bestimmten bedingungen, vor Z, r, s, u. im part. praet. der 
verba der I. conj., nicht selten auf. Verschont sind von ihm 
nur die Ile de France 4 und die Champagne 5 geblieben. 

Ein nicht unwesentliches moment fiir die bestimmung der 
sprache des denkmals konnte in dem reim 2203 racketer: 
En f er zu liegen scheinen, wo e* = lat a mit e aus lat. ge- 
decktem offenen e gebunden ist. Eine solche bindung ist nur 
in einem dialect moglich, wo e 3 =a offene aussprache hatte, 
und dieses trifft um 1200, und wenn nicht noch friiher, nach 
Uhlemann 6 fur das anglonormannische zu, sobald dieses e z nicht 
in den auslaut des wortes trat, nach Visingas 7 vermutung 
nur vor l und r. Bereits Koschwitz (zs. II, 618) und Suchier 
zs. XV, 272) machten auf diesen „echt anglonormannischen" 
reim aufmerksam. Eine beweiskraft fiir bestimmung der mund- 
art kann dieser vereinzelten erscheinung jedoch nur im verein 

1 Zemlin, nachL i, Apfelstedt, Ps. 9 Pohl, Wace p. 59. « GOrlich, nordw. dial. p. 10. 
« Metzke Arch. 66, 62. * FOrster, Cliges LVI. 6 Bom. Stud. IV, 662, 64. 7 Etude p. 68. 



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— 28 — 



mit der gesammtsumme der mundartlichen erscheinungen zu- 
kommen. 

e= lat. a liegt auch vor in 3897 set : het, wo set direct 
aus sapit entwickelt ist und nicht flir sait als phonet. schreibung 
steht. 1 

Die reime auf en -+ cons. sind unter A. besprochen. 

e= lat i in geschlossener silbe liegt vor im suffix -itia, 
fQr das die verse 4009/10 richesces : destresces belege bieten; 
dazu aus dem versinnern 1318 richesces. Es hat bereits den- 
selben offenen laut wie e= lat. § in pos., wie aus den reimen 
3087 ades : pres, 3309 apres : ades, 3673 pres : ades hervor- 
geht und besonders durch die bindung zu ai beståtigt wird 
(siehe Ai). 

Nicht beweiskråftig fiir diese entwicklung sind die reime 
des lat. Ula auf lat ella, ellum, da bei diesen suffixen friih- 
zeitig eine anlehnung des ersteren an das zweite wahrzunehmen 
ist. 2 belege: 999 fenestrele : escuele, 1189 nouvele : bele, 2323 
pucele : ancele, 3723 puceles : beles (3949), 3969 puceleide- 
moisele. 

Zu den reimen, deren reimvokal § = lat. ? in pos., ist kaum 
eine bemerkung zu machen. Nur muss hervorgehoben werden, 
dass sie fur den verfasser die diphthongierung des § zu ie, 
wie sie in Flandern und Artois heimisch ist, gånzlich aus- 
schliessen. 

Nur eine unscheinbare zahl solcher anzeichen lassen sich 
im innern der zeilen finden; sie werden selbst fiir den schreiber 
nur von geringer bedeutung sein konnen. 

ies 127, 2045, ietes 2638, tierz* 484, 588, 1979, 2790, 
3842, wogegen terz 1917. 

Die vom futurum auf analogem wege auf das imperf. iiber- 
tragenen formen iert 736, 994, 996, 2065, 3888, ierent 422 
(siehe unter ie) sind speziell im pikard. iiblich. 4 

Nébentoniges e im wechsel mit a unter dem einfluss be- 
stimmter consonanten oder der dissimilation, ist unter a be- 
sprochen. Durch assimilation an die tonsilbe ist e fur o ein- 
getreten in demeinne 760, durch dissimilation hennouré 3405, 

1 Forster, Aiol, anm. zn 146. 3 Bom. Fonen. II, 548. 9 Schwan 3 , § 67, 91 anm. 
* Schwan», p. 634. 



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— 29 — 



3878, 3924 gloutenie 2130, volenté 820, 3227, 3312, 3498, 
3880, ordener 2182, volentiers 291, 2758. 

Vortoniges e entspricht lat. a, das nach ausfall isolierter 
consonanten in hiatus zum betonten vokal trat z. b. péeur 
382, 955 . . ., pecheeur 362, sauvéeur 2998, emperéeur 991, 
portéure 59, boneéuré 943, séu 1889, c/røi 2101 etc. 

I. 

Frz. i entspricht zunåchst lat. i in freier und gedeckter silbe. 
beispiele bieten die reime in menge; besonders ist vielleicht 
espir zubemerken, das sich 304 im reim zu obéir vorfindet; 
daneben sonst nur esprist. 

Zweitens entsteht frz. i aus lat. é + i, das bekanntlich in 
den einzelnen dialecten verschiedene behandlungerfahrt. Wallon. 
lothr. u. burg einerseits weisen die entwicklg. ei auf der wir 
auch in den mundarten des westens begegnen, obgleich sich 
in diesen schon gegen das ende des 12. jhs. eine starke be- 
einflussung der centralen mundarten feststellen låsst. Diese 
andrerseits entwickeln lat. é + i iiber den triphthong iei hin- 
weg zu einfochem i, welches die reime flir den verfasser unseres 
denkmals sichern. In betracht kommen das franz. champ. pikard. 
und das spåtere gemeinnormannische, einschliessl. des anglo- 
norm., wåhrend das siidnormannische mit dem westen geht. 2 

481 despitituit, 633 mistidespist; åhnlich 1363, 1635, 
1733, 1739, 2137 . . .; 2997 drist : eslist, 577 mist : eslist; 1819 
Juisipis. 

Hierzu gehoren auch die worter sire*: 1421 sires : mires, 
2979 sire :ire und eglise* z. b. 109 eglise : mise, 2955: devise. 

Fiir den schreiber ergibt sich die gleiche entwicklung, z. b. 
128 delist, 165 eglise, 2505 emmi, 3752 mie-wuit, 3832 pis, 
3777 lit u. m. — i ist ferner entwickelt in dem lat. suffix -erium 
und durch den reim 3845 avoutire : dire belegt. Fiir einen be- 
stimmten dialect ist dasselbe nicht charakteristisch, es be- 
gegnet oft und ist weit verbreitet. 5 

1 cf. Thomsen, Bom. V, 71. 

9 Schwan» § 92; FOrster, Cliges LVI; Schultzke p. 37; Raynaud p. 11; GOrlich, nord- 
^westl. diaL p. 32; Kehr Livre p. 43; Bom. Forsen. II, 688; Uhlemann, p. 666. 
3 Meyer Lttbke, Gram. I, p. 620. 

* Albert, Beaumanoir p. 14; Arch. LXXVII, 340. Meyer, Bom. XX, 319;F6rster, ss. in, 
602; Schwan, zs. XII, 196. 

5 cf. Auler, p. 48; Metzke, Arch. 64, 406; Settegast, Benoit p. 16. 



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— 30 — 



Besondere beachtung erfordern die lautgruppen -if, -iv+ s 
und -il, -ill, -il + s, die durch ihre behandlung ini pik. wallon. 
ein wesentliches kriterium fiir die heimat eines textes zu geben 
vermogen. In diesen dialecten wird sowohl l als v (f) vor cons. 
zu u vokalisiert, so dass der diphthong iu entsteht Die reime 
unsers textes schliessen, was zunåchst ivus betrifft, eine voka- 
lisation des v aus und beståtigen den in den ubrigen dialecten 
Nordfrankreichs stattfindenden ausfall des labials vor flexi- 
vischen s. cf. 753 Paradis ichetis 797 misivis (vivus) 1997. 
Auch ffir den schreiber, was zwar zufall sein kann, ist kein 
fall von dem iibergang des ins < ivus nachzuweisen. 

Anders steht es, sowohl flir den schreiber wie fiir den ver- 
fasser, um die behandlung der lautgruppe -ils. Zwei reime 
kommen in betracht, die uns allerdings die entgegengesetzten 
erscheinungen belegen. Der eine 2845 Tant que il eurent 
douze fiuz : Et biaus et genz et parcréuz beweist die voka- 
lisation, wåhrend der andere 2205 Diex li Peres, Jhesus li 
Fiz : Et méismes li Sainz-Espriz fiir die ausstossung des 
l vor s eintreten wiirde, wenn nicht offenbar der reim bei 
diesen ausdriicken, die in dieser feststehenden formel schon 
die geltung von eigennamen haben, entscheidend gewesen sein 
diirfte. Die ausstossung des 1 hat ausser den ostfranz. mund- 
arten ihre heimat im norm. frz. u. champ., ist den dialecten des 
mittleren Nordfrankreichs eigen und lindet im westen in Anjou 
weitere belege, wåhrend die pik. wall. dialectgruppe u. im westen 
Maine, Berry u. die Bretagne vokalisation des l vor s aufweisen 1 . 

Die gleiche erscheinung der vokalisation zeigt dem schreiber 
in vielen belegen cf. periuz 1926, gentius 3724, fiuz 97, 614, 
741, 762, 770, 991, 1049, 1677, 1740, 2199, 2865, 2965, 3365, 
3465, 3551; dus (ecce ille + s) 325, 870, 1420. 

In vortoniger silbe ist l nach i vor cons. vokalisiert in vinte 
3520, 3821, 3828, 3880 neben vilte 2384, soutiument 3600 
neben vilment 476, 734, 1902. 

Beispiele fiir den weiteren iibergang dieses aus il + cons. 
entstandenen iu zu ieu, ebenfalls eine pik. eigentiimlichkeit, 
finden sich nicht im texte. 

1 cf. Suchier, Aue. p. 61; Auler, p. 97; Gdrlich, nordw. dial. p. 59; Baynaud, Ec. des 
Cl. 37, 16 ; Rom. Forsen. II, 616 ; Fowter, Cliges LXVHL ; Neumann, p. 42, 66. 



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— 31 — 



Das lat. suffix -itium, -itia hat ausser der unter e be- 
sprochenen entwicklung zu -esce noch die doppelte entwicklung 
zu -ise, -tee. Die reime weisen kein dem spåteren pik. eigen- 
tiimliches service 1 auf, im gegenteil mehrfach das altere servise 
mit lat. -ise gebunden. Nur das gelehrte joustice 409 ist mit 
vice im reim zusammengestellt. Der schreiber weist dagegen 
verschiedene -ice auf, z. b. service 2589, 2682, 2894, malice 
1873 neben servise 3288, 3410. 

Ferner lassen sich flir den schreiber noch folgende sprach- 
liche eigentiimlichkeiten, wenn sie zum teil auch nur andeu- 
tungsweise vorhanden sind, erwåhnen: die im pik. wallon. stått- 
findende und auch dem lothr. burg. nicht fremde reduction des 
diphthongen i>ie 2 , z. b. souvigne 2473, revigne 2593, bien- 
vigna 1658, vigniez 1 107, bienvignant 1505 ; ferner der wechsel 
von i und dem diphthongen ei od. oi vor mouillierten con- 
sonanten vor der tonsilbe, wie er im pik. wallon. u. lothr. auf- 
tritt 3 , z. b. reconnissoit 1281, apparillu 2493, issi 1950, 3058, 
issoient 3576 4 ; vor einfachem s mesprison 1247 neben mes- 
proison 1132. 

Vortoniges i steht flir lat. e in crier = creare. z. b. criez 
2175, criast 2042, ferner stått frz. e in giter. Friedwagner 
p. 42 vermutet hier urspriingl. ie, erzeugt von dem voraus- 
gehenden g u. reduction des i>ie. Hier, wo die parallele gieté 
fehlt, scheint die beeinflussung der endungsbetonten formen 
durch die stammbetonten nåher zu liegen 5 ; belege: giter 83, 
128, gité 162, gita 719, gitez 596, 800 ... ; 

In anbetracht der håufigen pikardischen erscheinungen sei 
hipzugefligt, dass weder flir den schreiber, noch flir den ver- 
fasser zwei der hauptmerkmale dieser mundart festgestellt 
werden konnen: die pronomina mi, ti, si flir moi, toi, soi 
und die infinitivendung -ir aus -oir bei den verben veoir, 
seoir, cheoir*. 

Die reime -irent und was sich an sie an erorterungen kntipft, 
werden beim verbum betrachtet werden, ebenso die reimworter 

créi, créisses. 

1 FOrster, Cliges LVII. « Suchier, Aue. p. 67. 1 Suchier, Aue. 67 ; Neumann, p. 63 ; 
FOnter, Chev. as n esp. XXXIX. * bei issir kdnnen auch die stammbetonten formen 
eingewirkt haben. sSchwan, §80 anm., § 121«. «Auc.p. 116, 118; FOrater, Aiol XXXIX. 



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— 32 — 



O. 

und die aus vulg. lat. o entwickelten diphthonge au u. eu. 

OraJes geschlossenes o (= lat. 6 u. u) in freier silbe ist, 
zunåchst vor r, in der ilberlieferung mit wenigen ausnahmen 
wie lor 1394, sor 3581 durch ou u. zahlreicher durch eu ver- 
treten. Ou muss auf grund der reime dem verfasser bereits 
zukommen cf. 835 amour -.jour, 2435 amour : doucour, 2593 
jour : demour, 3743 jour : tristour. Der schreibung ou steht 
normannisches u zur seite in péur 1759, 2341, das allerdings 
bei der seltenen vertretung des oralen o durch u leicht ein 
schreibfehler sein kann, indem der copist das zweite e in péeur 
iibersah. 

Beweisen die reime von our, spåterem eur, zu our der- 
jenigen worter, welche an der weiterentwicklung won ou>eu 
nicht teil nehmen, nun auch, dass die formen mit o, resp. ou 
dem verfasser gelåufig waren, so beweisen sie noch nicht, dass 
er schon eu gesprochen hat. Denn in allen dialecten finden 
sich bis ins 15. jh. durch den sich forterbenden reimgebrauch 
untersttitzt, formen mit ou in den wortern auf lat. -orem, 
-ores, selbst bei dichtern, deren dialect ein fruhes auftreten 
von eu eigen ist. 

Nicht viel besser steht es um die mit franzosisch erhaltenem 
ou reimenden nomina agentis auf -atorem, die in 1143 amour: 
empereour, 2629 pecheour: amour zu belegen sind. Im vers- 
innern begegnet nur pechéour 743. Immerhin sprechen sie fiir 
Ile de France, wo sie hauptsåchlich und besonders in spaten 
urkunden noch auftreten \ und allenfalls auch fiir die Cham- 
pagne, da die formen -ør bei Joinville noch dominiert habén 
sollen. 2 

Dagegen steht es wesentlich ånders um das lat. suffix -osus, 
dessen entwicklung zu ens durch den reim 885 teus : precieus 
gesichert wird; cf. hierzu 2891 neveus : vieus und die entwick- 
lung von o > eu ist fiir die urspriingliche mundart als vorhanden 
zu betrachten. 

Das normannische kennt ou (eu) aus o nicht, den ostlichen 
und westlichen mundarten ist die entwicklung von o bis zu 

1 Meteke I, 26, Arch. 64, 408. a Nat. de Wailly, p. 414. 



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— 33 — 



m fremd geblieben, folglich konnen nur De de France und 
Pikardie fiir den dialect des verfassers in betracht kommen. 1 

Der schreiber hat mit geringen ausnahmen immer eu, also 
wurde auch er in diesem punkte den genannten gebieten zu- 
zuweisen sein. An belegen aus dem versinnern seien nur an- 
gefiihrt: sml 2896, 2728, deus 2803, neveu 3044, 3151, 3164, 
3166, pleure 2729, demeurt 3384, queurent 2251 u. s. w., 
super gibt ausser einmaligem sor 3581 nur seur 170, 423 . . ., 
deseur 912; ebenso ist neben regelmåssigem leur nur einmal 
lor 1383 zu finden; in vortoniger silbe steht øtøindemnach 
hon, hons analogisch entstandenen preudon 268, 1026, 1045; 
preudons 2312, 3311, 3746, 3753 . . .;preudomme 990, 1127, 
1141, 1227, 1352, wobei sich eu * durch die anlehnung an das 
selbståndige preu (3004) erklårt. 

Fiir den schreiber kommt jedoch, und damit gehen wir zur 
behandlung des o vor nasal iiber, ein normannischer zug hin- 
zu, der sich in der wiedergabe des o durch u besonders in 
den verbalformen -ons, ont 9 resp. uns, unt åussert. Die ver- 
tretung ist nicht consequent durchgefuhrt, vermieden ist sie 
bei lat o + n, d + n + cons., und o + nas., und schliess- 
lich da, wo der silbenschliessende nasal erst im romanischen 
eingetreten ist. Satzunbetontes on begegnet zweimal als um 
2419, 3562 und je einmal als om 1450 und en 936. 

homo gibt als betontes substantiv nur hon oder mit analog, 
nom. -s : hons. z. b. 2&&lpoisson : hon (1045, 1199, 2003, 2495) 
und 1137 hons : pourrions : cuidions (3535). Die diphthon- 
gierung des lat. o vor nas., die im osten und nordosten Frank- 
reichs 2 zu beobachten ist, wird durch diese belege'aus- 
geschlossen. 3 Ausser hon, hons ist schliesslich noch die nach 
dem obl. gebildete form hom zu belegen in 389 hom.Jhesum 
(uber die aussprache des um cf. 239 Symom : Jhesum u. Voll- 
moller, Brut XXIII)*. 

Dem schreiber ist die diphthongierung von 6 vor nas. gleich- 
falls fremd. cf. hons 1419, 2151, 2163, 2526, 2580, 2790,3486, 

1 Schwan 9 , § 162; Neumann, p. 45; FOrster, Cliges LVIII, Cher. as IT eip.XV; Tobler, 
Vrai Aniel XXIX; GrOber, Grd. I, 586. 

3 FSrster, Cliges LVUI; GSrlich, Nordw. dial. p. 47. 
. * hierzu auch 8006 oroison : son (sonum). 

4 desgL auch Link, p. 12. 

3 



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— 34 — 



3678, 3787 ; nm so mehr fallt es auf, dass er nur bom ver- 
wendet. Er nåhert sich hierin der im pik. iiblichen schreibung boin, 
wo das i unter dem einfluss des folgenden nasals entstanden 
sein wird und von den schreibern wie der nachlaut i z. b. im suffix 
aige-aticum geschrieben wurde. Moglich ist es ja auch, dass 
unser schreiber die diphthongierten formen buen, bom ge- 
kannt hat Die schreibnng oe weist ausser nach der Pikardie, 
wo sie seltener neben boin auftritt, nach der Normandie, Ile 
de France, Touraine und Berry, wo sie aus Urkunden håufig 
zu belegen ist 1 In unserem denkmal: bom 18, 710, 928, 
1187, 1238, 1352, 2806 . . .; boens 600, 664, 815, 1241, 2366, 
2495, 2545 . . .; boenne 79, 599, 1019, 1190, 1583, 3261, 3912, 
4006; bomne 25, 3306, 3954; bomnement 2930, 2942,3299. 

Yulg. lat. o in betonter geschlossener øirøeerscheint 
stets als ou z. b. doute 274; court 926, 927;^øwr 235; im reim 
rescourreisecourre 165; ferner tout 93..., trestout 114, 
toute 17, 34, 119 . . ., touz 135, 278; und zwar ist zu bemerken, 
dass der nom. plur. tout jedenfalls nur dem copisten zukommt; 
wenigstens hat der verfasser das nicht-pikardische tuit mehr- 
fach im reime verwandt. z. b. 481 tuitidespit; 875 Espristi 
trestuit; 3237 distituit. Im versinnern begegnet tuit nur 
379 tuit si compeignon, 1904 tuit morrez, 1467 tuit qui- 
doient, dagegen die pikard. form tout sehr håufig: 17, 207, 
286, 421, 662, 894, 917 . . ., trestout 1462, 1579, 1801 etc. 

Off enes o. Nickt vor nasal stehendes off enes o, welches auf 
lat 6 in position und au beruht, ist immer als o vertreten, z. b. 
im reime 95 chose:enclose:ose (335, 3255, 3347): parclo se 
(3225); 39 roseimclose; rose ist auch sonst stets zu p ge- 
bunden 2 , ebenso wie escole cf. 1493 escoleifole. 

Mot, das schon im Rol. zu p gebunden ist, reimt auch in 
unserm text mit o, das aus a -+ w-element entstanden ist, in 
den norman.-franzischen perfectformen der verba der habui- 
classe. 1115 otimot (1271); 2285 mot: plot. (Weiteres iiber 
diese reime, wie iiber 1499 soutivout siehe unter verbum.) 

Lat o in position enthalten die reime: 419 mort: tort 
1441, 1463, 1777, 1880): fort (23il) : con f ort (2787). 

1 Neumann, p. 44 ; Metzke Arch. 65, 75; GSrlicb, Nordw. dial. 47; Edhr, p. 11; Bnr- 
gass, p. 19. 9 Stock, Bom. Stud. HI, 455. 



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— 35 — 



Vulg. lat. offenes p in f reier silbe ist zu ue diphthongiert. 
cf. v. 201 cuer : f uer : suer (3925) ; 3991 suer : puer; die schreib- 
ung wechselt einige male mit eu u. uue, wir treffen aber kein 
schwanken mit nicht-diphthongierten formen, wie es norman. 
u. anglonorman. texte oft bieten. Aus dem versinnern seien 
beispielsweise angeftthrt: 

uevre 106, 139 ; uuevre 3507, 3584; euvre 2831; truen 714 ; suefre 
2466; cuevre 2507 ; pueple 81; mutt 1565; puet 230, 345; pueent 
2665 : e8tuet 2820, 3508; juesdi 895, 318 ; juedi 319 ; vuelent 1752, 
2116; welent 1819 etc; zweimal u in avugles 975, 1032. 
Ubergang von ue zu einfachem ø fand in gedeckter silbe 
stått in avec 219, 241, 1262 .; aveques 51, 810, 2362 . . .; 
ilec 266, 271, 317, 399, 500, 524, 591; ileques 473; icilec 
2875; cileques 797; formen, die besonders fur den franzischen 
dialect als characteristisch geiten. 1 

Von vouloir sind die pik. praesens-formen vieus und vieut 
zu belegen 2 . Sie erklåren sich nach Forster (Aiol 1195, nach- 
tråge) aus ueu (= ue + vocalisiertes l)>ueu>ieu; vieus 
1169, 1380 . . .; vieut 1293, 1792, 1936 etc. 

Vor mouilliertem l ist ebenfalls die diphthongierung des ø 
regelmåssig eingetreten:^tt;^7324, 1212 . . .; raa7416,476 . . .; 
vueillent 654; vueille 2331, 2926; duel 1010, 1016,1 2980; 
bouchuet 2013; orgueil 2092, 2358, 2952; fueilles 124. 

In var- und nébentoniger stellung wechselt ø mit ou, 
doch so, dass letzteres bedeutend iiberwiegt: boutez 22; fourma 
32; demourer 952, 961, 970...; demoura 54; soufri 140; 
soufrir 215; trouva 240; plourer 245 . . .; oudeur t 252; døw- 
foif 204, 207; aøwm- 3923; ø«m* 2874; forner* 258, 444; 
recouvrer 260; touma ±73 fatourna 553; wwte 530 \vouloit 
516 . . .; namentlich wenn ein nasal vor consonant friihzeitig 
gefallen ist wie in couvenoit 82, couvient 149,; couvenra 
651; descouvenue 812; couvenance 1870; couvenoit 3208; 
moustra 103, 374; demoustrement 2597; moustrer 831; 
moustrez 2767; moustrance 2885; cøiwøtfø$tf2093; coustume 
231 . . .; vor mouilliertem £ ist øm entwickelt in despouillierent 
1056, vouilliez 2454, 3263. Einfaches ø sehen wir z. b. in 
mønV 104; wZøitf 105, 284; wføz 289, 420; søZøitf 227; dø- 

1 Neumann, p. 48; Biihr p. 17 ; Bur gny n, 299. 

9 cl anoh Mnssafia, ze. fur detr. gym. 1877, p. 201; FBrster Chev. as H eep. XLX. 

3* 



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— 36 — 



leiirs 9, 132, 992; oblie 3065; movra 2697; movroient 3740; 
loer 2992; corage 3226, 3804; tørras 1380; porra 3162; 
cmw^ 136 u. s. w. 

Im anschluss an diese unter dem nebenton stehenden o 
oder p seien die personalpronomina\i.praeposiHoneh 
genannt, die, obwohl selbståndige worter, durch ihre stellung 
im satze gleichsam wie unter dem nebenton sich entwickeln: 
nous 28, 90, 102 . . .; vons 77 . . .; pour 58, 118 . . .; souz 
200; nur ein einziges o begegnet in por 2997. 

Vortonig ist o entstanden 1. durch assimilation eines im 
hiatus zu betontem o stehenden e moivooir 606, 1556, 1580...; 
sooir 2552, 2635; rasooir 1579; benooit 945, 2049, 2620; 
åhnlich ist aus praepositus : prouvoz 532 entstanden; 2. aus 
lat. a, das unter der einwirkung eines voraufgehenden labials 
sich zu o verdunkelte, in espoventez 1743. 

Urspriinglich nebentoniges o ist andrerseits zu e ge- 
schwåcht in hennouré 3405, 3878, 3924; demeinne 760; do- 
lerens 2582; dolereuse 2842; sereur 2307; seroarge 2309, 
2494; gloutenie 2130; volenté 820, 3227, 3312, 3498, 3880; 
volentiers 291, 2758; ordene)* 2682. 

U. 

Zu w = vglt geschlossenem w ist wenig zu bemerken; die 
reime von u zu dem diphthongen iu werden unter diesem 
letzteren besprochen; es bleibt nur der reim 1347 Et dis 
qv!ausi nez fussé-ju : Dou mal et de la mort Jhesu zu er- 
ortern.^w als productvonégrø findet sich im burgund. u. lothring. 
nachgewiesen 1 ; da jedoch diese beiden mundarten so gut wie 
ausgeschlossen sein werden fur die ursprungliche mundart des 
textes, so werden wir auf die erklårung von Andresen p. 40 
zuruckkommen mussen, der diese form aus reimnot angewendet 
sieht. 

Aus dem versinnern ist nur die gelegentliche vertretung 
des vortonigen u durch ou zu bemerken iajoustice 409, 1054, 
3849. 

Ai und Ei. 

Ai entsteht aus lat. a vor nasal, aus a + epenthet. i, das 
auf yokalisation von palatalen zuriickgeht, aus a + attrahiertemi 

* Budenick, Lat ego im afz. Halle 1836 



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— 37 — 



der folgenden silbe; Ei geht zurtick auf vglt. e vor nasal, 
das bekanntlich gemeinfranzosisch keine weiterentwicklung zu 
oi erfahrt (abgesehen von den aus gewissen dialecten iiber- 
nommenen avoine, foin, moins). Far den copisten sind die 
beiden diphthonge in jeder stellung, sei es vor consonanz, sei 
es in ungedeckter stellung zusammengefallen. Er steilt be- 
liebig ai durch ei dar, er bevorzugt sogar ei vor ai und 
schreibt andrerseits ai flir ursprilngliches ei. Ebenso miissen 
auch flir den verfasser ai und ei bereits einen gemeinsamen 
lautwert haben, und zwar zunåchst vor nasal, wie sie in den 
reimen 3147 Aleimplein; 2523 mein:plein; 607 Mada- 
leinne : certainne mit einander gebunden sind. Der gemein- 
same laut wird offenes e gewesen sein, darauf deutet auch 
235 Cene : Madaleinne und 3583 reviegnent : repreignent. 
Dann aber ist vor mehrfacher und sogar vor einfacher con- 
sonanz der iibergang zu offenem e sichtbar schon vorhanden, 
cf. 3167 estre : meistre ; 2503 mest:plaist; (s hat nur gra- 
phischen wert) und 593 entre f eites : pro fetes; vielleicht darf 
noch 3401 neistra : estera herangezogen werden, obgleich in 
diesem reim der gleichklang der letzten silbe ja genugen 
wtirde. 

Auf dem continental-franzosischen sprachgebiet kommt diese 
vereinfachung am friihesten und ausgedehntesten in der Nor- 
mandie, Ile de France und Champagne vor, wåhrend das pi- 
kardische noch nach dermittedes 13.jhs. ai als diphthong auf- 
weist. Im anglonorm. wieder ist der iibergang von ai > p 
sehr friih und zwar seit Fantosme zu belegen; auf diesen 
dialect fiihrt uns nach Kochwitz (zs. II, 618) auch eine zweite 
erscheinung, die bindung von ai: oi in 3099 Ainsi prist 
Ennemis å feire : Homme de sens et de memoire. 

Såmmtliche mundarten Nordfrankreichs zeigen mit ausnahme 
des pikard., das sich erst spåter anschliesst, nicht vor dem 
zweiten viertel des 13. jhs. den iibergang von oi> oe; unser 
denkmal miisste dann sehr spat anzusetzen sein, wenn der 
zweite teil des diphthongen oe mit h (aus ai) reimen sollte. 

Nach Forster (zs. f. ostr. gym. 1875, p. 540) gibt es im osten 
des o££-gebietes dialecte, die oi wie ai sprechen, nicht allein 
vor n; ihr gebiet ist jedoch nicht bestimmt. Aus der mitte 



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— 38 — 



des landes sind die friihesten bindungen von ai : oi erst im 
Rosenroman belegt 1 , und was das anglonorm. betrifft, so 
fehlen die belege åhnlicher reime. Eine beziehung bleibt noch, 
solange wir an dem vorliegenden reim unveråndert festhalten, 
d. i. die von Burgass (p. 27, 28) im dialect des 13. jhs. und 
im modernen patois des Pays du Bray u. von Rouen festgestellte 
wandlung des ai > oi hinter labialen; z. b. foire = faire; 
moison = maison; wåre das auftreten dieser erscheinung in 
den mittelalterlichen texten nur weniger sporadisch, wiirde ja 
mit obigem reim auf ein sehr engbegrenztes gebiet verwiesen 
sein. Gewagt bleibt es jedoch immer, die fixierung eines denk- 
mals auf einen einzigen reim zu basieren, zumal wenn dieser 
auchals ungenauigkeit aufgefasst werdenkann. Denn der copist 
konnte, bestochen durch die vers 2147 auftretende gleiche wen- 
dung „sens et memoire" dieselbe wiederholt haben, aber auch 
der verfasser durch sie zu einem fehlerhaften reim verleitet 
worden sein. Als ånderung liesse sich vielleicht einfiihren: 
de pute aire od. de sen aire? 

Fiir den copisten seien nur wenige beispiele fiir ei — ai 
angefiihrt, so mauveis 18, 210; mauveise 181; meis] 149; 
meintes 213; germein 309, eide 366; meins 428, 430; 
gueites 478, 589; veinne 838!; pleist 693; ai in plaies 557, 
570; fait 611; ainz 366; delaiement 1692; saint 93, 156; 
vraiement 791, 883; vrais 593, 2180 etc. 

Vor r ist der iibergang von ai iiber e zu a belegbar in 
larmes 347. Gleich dem iibergang von vortonigem e > a vor r 
ist diese erscheinung seit dem anfang des 12. jhs. eine eigen- 
tiimlichkeit des franzischen und zuerst bei Rustebeuf zu ver- 
zeichnen 2 . Da reime fehlen, kommt dieser zug fur den ver- 
fasser nicht in betracht. Ebenso fehlt der der Champagne 
und dem osten eigentiimliche zug des iibergangs von ei > oi 
vor nasal, der auch dem copisten abzusprechen ist, cipleinne 35, 
1660, 2561 ; peinne 130, 214, 3472, 3619, 3990; au meins 3536. 

In vortoniger silbe ist die schreibung ai noch seltener als 
in haupttoniger stellung: fieiranz 37; meison 60, 78; meisnie 
133; leirons 357; beisa 385; greigneur 400; veissel 395, 

1 Auler, p. 66. 

» Schwan, 9 273 ; M«tzke, Arch. 64, 393. 



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397 . . . Nur ganz vereinzelt ai in raia 560; esmaie 3293, 
delaiement; einmal ist bereits e zu treffen: flereur 251. 

Auf dissimilation fiihrt Schwan (§ 486) das vortonige e der 
futur- und (jonditionalformen von faire zuriick, da ferai schon 
Alexius 31 e zu belegen sei, wo der diphthong ai noch keine 
vereinfachung erlitten haben konne. Aus unserm text ct 
feros 2466; fera 1895; ferm 2808; feruns 2853; ferez 3112; 
ferunt 3694; feroie 3082; feroit 2154. 

Ie 

Franz, ie entstanden 1. aus vglt. offenem e in freier silbe, 
2. aus lat. a in dem suffix -arins, arium; 3. 4 aus lat. a hinter 
i, hinter palatalen u. nach mouillierten consonanten 1 , ist, ab- 
gesehen von den reinen bindungen von ie : ie, in einer be- 
tråchtlichen anzahl von reimen mit e gebunden. Von diesen 
letzteren seien zunåchst indessen diejenigen ausgeschlossen, 
bei denen vermischung ohne bedenken stattfindet, wie dies der 
fall ist 1. bei wortern, die doppelformen im afz. besitzen 2 , also 
bald mit ie, bald mit e gebunden werden konnen; z. b. be- 
gegnen im reime zu e: 2713 assemblé: pité; 711 adirez; 
ostelez; 2175 criez : irez; 3071 pensez : irez; im reime zu 
ie: 49 iriéipourchacié: engignié (3105); 1203 pwV: amistié; 
1685 pitié: alegié.-pechié (2463) iprié (2877) : baillié (3428) : 
merveillié (3855) ; 2. sind diejenigen w6rter auszunehmen, in 
denen ie aus lat. a in offener silbe entstand nach einem i, von 
dem es ursprtinglich durch eine dentalis getrennt war: z. b. 
2971 marié: råmene; 3503 conter : oublier; 2329 crier: 
saaver; 3129 devier : trespasser; oublierentidonnerent 1709; 
379 entrerent : esfreerent. In 427 s'escrierent : ierent bleibt 
es unentschieden, ob die imperfect-form ierent auf rechnung 
des verfassers oder des copisten zu setzen ist. 

In 1953 Vaspasyens : tens u. 2405 tem : endurens (flir 
enduriens) wird mischung nicht anzunehmen sein, da -fon 
selbst in den sorgfåltigsten texten mit -en gebunden wird. 
(cf. Munch. Brut 487 Troiens : tens; Roman de Rou 208 tens : 
paiens; Rich. li biaus 2512 paiiens : cens) z , das gleiche ist der 

1 Schwan, | 288; Ordr. I, 576. 

* Koichwitz, p. 46; Ulbrich, ss. II, 529; Suchier, Gram. p. 46. 

* cf. Stock, Rom. Stad. III, 467; Pohl, Bom. Fortch. II, S4S. 



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— 40 — 



fall bei ie : e vor mouilliertem n in 3583 reviegnent : repreig- 
nent, ein reim, der im tibrigen den schluss auf ein reveignent 
des verfassers gestatten wiirde. (c£ Iwein 2779 reveignes : 
reteignes) l — 

ThaUUcliliche mischung von ie u. e liegt nun in fol- 
genden reimen vor : -é : ie: 3435 larmoié : humilité; 1249 
arrivé : envoié; 2247 trouvé : heittié; 3823 menéiproié; 
— ee : iée: 69 engenree : saintefiée; 429 nestoiees : lavées; 961 
senefiee : søøtø; 2233 portée : gloirefiee; — e^:^: 2723voulez : 
priez; 3929 c/rø* : oiez; 3941 esmaiez : tenez; 3239 ^>ørø2 : 
obéissiez; — er : ier: 741 envoier : sauver; 1923 ørrø* : des 
voier; 2303 acheter : denter ; 2039 nummer : merveillier; 
2497 aler : peeschier; 3617 chier: acheter; — ereiiere: 1741 
entiereipere; 3171 arriereipere; — erentiierent: 675 6ri- 
skrent: emmenerent; 963 pallerentileissierent; 1549 prierent: 
eneontrerent; 1899 esmaierentidemanderent; 2053 entre- 
colerent : beisierent; 2127 aporterent : leissierent; 2335 palle- 
rent :ostroier ent; 2687, 2801 alerentiteissierent; 3525 mer- 
veillierent : atropelerent 

Diese zahlreichen belege beweisen, dass das Bartsch'sche 
gesetz nicht gewirkt hat oder dass bereits ausgleichung ein- 
getreten ist, und z\>arfuhren sie uns zunåchst auf den anglo- 
normannischen dialect, wo die ausgleichung der formen auf ie 
u. ø am fruhesten beginnt 2 und seit Fantosme 3 ie u. e stets 
mit einander gebunden werden. Koschwitz 4 behauptete auch 
fur das continental-normannische diese mischung, beschrånkte 
dies aber dahin, dass die neigung dazu nur im keime vorhanden 
gewesen wåre. Nun aber unterstiitzt Benoit, fQr den mischung 
angenommen werden muss, diese vermutung wesentlich, und 
Pohl 5 wird nicht im unrecht sein, wenn er darin einen dialec- 
tischen zug erblickt, der von Poitou u. Touraine ausgehe. In 
der Touraine ist schon im 12. jh. mischung von ie u. e fest- 
zustellen 6 , da in den westlichen dialecten das Bartsch'sche ge- 
setz keine geltung hat. Dagegen treten im iibrigen continen- 
talen franzosisch vermischungen erst spåter ein. Im franzischen 
iiberwiegt im 13. jh. ie noch bei weitem und erst von der 

1 cf. Cliges LXII. 8 Uhleman, Bom. Stad. IV, 688. » Vising, zs. VI, 378. * Kosch- 
witz, Charlem. 42. 5 Rom. Forsen. II, 347. • Koschwitz, Com. p. 208. 



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— 41 — 



mitte des jhs. an werden die anzeichen der vereinfachung zahl- 
reicher. So spat unser denknrøl anzusetzen, geht aus andern 
griinden nicht an; wir miissen deshalb in dieser erscheinung 
entweder ein zeichen des anglonorm. oder eines durch die west- 
lichen dialecte beeinflussten festlåndischen dialectes sehen, und 
hierbei wiirde eben zuerst das normannische in betracht zu 
ziehen sein. Aus norm. urkunden vom jahre 1245 an konstatiert 
Burgass, p. 24, die vereinfachung von ie > e ziemlich håufig; be- 
denken wir, wie viel spåter der fortschritt einer lautlichen ent- 
wicklung in der schrift zum ausdruck gelangt und wie lange das 
traditionelle im schreibgebrauche bestehenbleibt, und setzen wir 
dieses alles in beziehung zu den bei Benoit festgestellten 
reimen, so werden fiir das normannische die anfånge der aus- 
gleichung nicht spat anzunehnen sein und somit ist der norm. 
dialect bei der bestimmung der heimat unseres textes nicht 
ausser acht zu lassen. Eine andere erklårung der bin- 
dungen von ie:e, wenn auch von geringerem werte, mag in 
dem reimbedurfnis Hegen, reimt er doch auch in id: i und 
iu ; xi den zweiten teil eines diphthongen mit dem einfachen 
vokal. Die in doppelformen existierenden worter, deren zahl 
keine geringe war \ konnen uberdies den verfasser ebenso mit 
veranlasst haben, sich solche reimfreiheiten zu erlauben. 

Ein anderes ie entstand durch reduction von iée 2 . Es ist 
dem schreiber gelåufig und fur den verfasser durch reime ge- 
sichert: 147 espuisie : Marie, 777 fotes : haschies, 2126; 2126 
genelogyes : f oies; 3967 foie:prie. 

Diese verwandlung weist nach dem pik. wall. lothr. gebiet 
und zwar tritt sie im pik. zuerst auf, jedoch nicht vor dem 
3. drittel des XII. jhs. Im dialect von Ile de France wird sie 
zwar auch urkundlich belegt, ist aber nur auf die schreiber 
zuruckzufiihren und kein characteristicum der mundart; das 
gleiche gilt fiir die ttbrigen mundarten. 

Fiir den copisten lassen sich anfuhren: 569 torchies : nestoies, 
3529 brisies : depecies, 3865 engignie :jugie, 226 å la foie, 
2493 apparillie, 3950 conseillies. 

1 Ulbrich, zt. II, 529; Suchier, Gram. p. 46. 

a Paris, Alex. p. 267; Suchier, Aue. p. 67; FOrster, Cliges p. LXIH; Metzke, Arch. 
66, p. 70. 



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— 42 — 



Oi. 

Von den drei arten des diphthongen oi, die im 12. und 
13. jh. iin frz. noch zu scheiden sind, sei zuerst oi als fort- 
setzung des aus vglt. e hervorgegangenen ei besprochen. Dem- 
selben stehen im innern der verse nur vereinzelte ei zur 
seite, die sich teils als schreibfehler, teils durch die umgebenden 
consonanten oder die stellung im worte erklåren lassen; sonst 
stets oi. Da der tibergang von ei > oi bereits seit der mitte 
des 12. jhs. vollzogen ist, kann dieses kriterium flir die ab- 
fassungszeit unsers textes nicht mehr in betracht kommen, 
wohl aber gewåhrt es ftir die dialectfrage folgerungen von 
grosser wichtigkeit. Das normannische und der ganze westen 
entwickeln vglt. e nicht uber ei hinaus und verdanken das oi, 
welchem wir seit der mitte des XIII. jhs. in urkunden und 
vordem gelegentlich in reimen zu anderm oi begegnen, nur 
centralem einflusse. Nun konnte oi in unserm texte immer 
noch vom schreiber hergestellt sein, enthielt nicht eine anzahl 
von reimbelegen oi (aus ei) zu oi (aus lat. au + i od. o 4- 
i-element) gebunden und wiese in diesem punkte verfasser 
und schreiber dem gleichen dialectgebiete, einem gebiete der 
mitte oder des ostens Nordfrankreichs, zu. An belegen c£ 497 
osteroie :joie; 1217 oie :croie; 3397 joie:moie; 1253 oit: 
mandoit : quidoit (3205); 3357 voit:droit; 1557 estoient: 
oient; 2683, 3487 voire : estoire. — Einen weiteren beweis 
flir den ausschluss des normannischen und der westlichen mund- 
arten bieten die tmperfectf ormen der verba der L sw. 
conjugaUon dar, die in sehr zahlreichen belegen zu den 
iinperfectformen der iibrigen conjugationen gebunden sind. Das 
norm. und der westen haben die lat. endungen -abam etc. zu 
oe, oue weiter entwickelt, wåhrend die centralen u. ostlicheren 
mundarten die endung — eie sich auf alle conjugationen aus- 
dehnen Hessen. Ausgeschlossen sind endlich auch die nordost- 
lichen und ostlichen gebiete, wo die endungen -eve und -ive 
als fortsetzungen von -abam u. ibam bis ins XIII. jh. erhalten 
blieben. 1 Belege flir die mischung der conjugationen z. b. 1593 
avoie : portoie, åhnlich 1941, 2547, 2857; 19 departoient: 
aloient; so 223, 491, 519, 557, 755, 807, 897, 1033, 1299, 1377, 

1 Grd. I, 600, 613 ; GOrlich, Nordw. dial. p. 87. 



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— 43 — 



1825, 1831, 1873, 2375, 3549, 3563, 3669; 233 donnoit : estoit, 
227 soloit:redoutoit; åhnlich 247, 321, 431, 555, 709, 723, 
735, 859, 1005, 1125, 1231, 1281, 1341, 1419, 1471, 1485, 
1519, 1817, 1857, 2307, 2311, 2367, 2479, 2689, 3265, 3269, 
3561, 3749, 3833, 3881, 3903, 3927, 3953, 3957, 3975. 

An die besprechung der reime von oi = vglt. e schliesst 
sich die betrachtung der in diesen bindungen stehenden per- 
t sonalpronomina an. Die pikard. formen mi, ti, si sind 

wie gesagt gånzlich ausgeschlossen u. treten auch im versinnern 
nirgends auf; cf. die reime croi : moi 739, 2213, 2321, 2765, 
2999 ; moi : f oi 3943 ; croi : toi 947 ; roi : toi 1801 ; toi : desroi 
1867; quoiitoi 4015; croi:soi 3483. Aus dem reim 3063 Et 
ceiis qui se tiennent å moi : Que il s'en gart, carje Ven proi, 
ein mi auf grund der im texte ebenfalls vertretenen doppel- 
form pri zu erschliessen, wtirde unbereghtigt sein; unser ver- 
fasser kennt also nur die franz. u. champ. formen. 1 In bezug 
auf die verwendung von prier u. proier schwanken verfiasser 
iind schreiber sowohl in den stamm- als auch endungsbetonten 
formen, wie wir es im franz., champ. und pik. vertreten 
finden. An belegen sind einerseits: 1733 pri : ami; 1739 re- 
spondi:pri; 3968 fote:prie; andrerseits: 795 proi: moi; 
2919 proi:loi; aus dem versinnern vons pri 1509, åhnlich 
2854; je Ven proi 3044; an endungsbetonten formen z. b. pria 
2394; priez 3223; priée 3829; prier 2421; proia 2711; proié 
1203, 3824. 

Zu oi 2 (= lat. au oder o -f epenth. i) ist, nachdem die bin- 
dungen zu øi 3 = vglt. e erortert sind, wenig hinzuzufQgen. 
, Lat. o + i im suffix -rna wird durch die reime 2687, 3487 

estoire : voire in seiner entwicklung zu -oire beståtigt, das 
anglonorm. -orie ausgeschlossen; auch im versinnern nur -oire 
z. b. estoire 3192; memoire 2147. 

Ein reim von oi 2 zu oi 1 (= o + i) findet sich nicht, so dass 
ein schluss, wie weit sich die beiden diphthonge einander ge- 
nåhert haben, nicht moglich ist. Fttr den copisten låsst er sich 
vielleicht aus der schreibung oui ziehen in den wortern crouiz 
456, 474, 493, 513, 525, 550, 645, 746, 773; vouiz 421, 494, 

1 FOrater, Chev. as H esp. XXXIX, Cligés LXVIH; Wailly, JoinriUe p. 418. Metzke 
Arch. 65, p. 63. 



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1929, 1940, 2773 . . ., noidz 1930, neben denen nur einmal 
voiz 3412 begegnet; wohl aber oi in andern wortern: connois 
839, 3209; reconnois 1278; connoistre 367, 738; vott 1339; 
øi'n£ 247 etc. oi 1 scheint im iibergang zu di begriffen, ein 
prozess, der sich seit dem ersten drittel des XIII. jhs. ver- 
folgen låsst und flir gewisse dialecte (pikard.) bereits friiher 
als characteristisch anzusehen ist. 1 Vor dem ton begegnet oui 
nur in agenouilla 242, 863, 2432. Vor nasal ist oi 1 zu belegen 
in den reimen 1449 besoigne : temoigne u. 3935 besoig : soig; 
die beiden letzten formen sieht Forster (Aiol LI) als pikard. an; 
das innere der verse bietet hierftir noch besoig 1523, 3935, 
3945, 3947; loig 3088, 3673. 

Das dem champ. und dem osten eigentumliche oi vor 
mouilliertem l fehlt sowohl dem verfasser wie dem schreiber, 
ebenso beiden ein oi in der endung des II. plur. fut. 2 ; cf. con- 
seil 661, 666, 751 u. s. w. und die reime: 449 demandez:vourez; 
559 rendez : raverez ; 1099 volez :orrez; 1575 seeziverrez; 
2977 voulez : donrez. 

Fiir zu erwartendes oi = vglt. e findet sich e in cele 3044 
(celat) neben dem regelmåssigen coile 2833; jedoch keines von 
beiden im reim. 3 

In vortoniger silbe wechseln e u. ei in den futur- und 
conditionalformen von croire z.b. crerei 2223, crerunt 3262, 
creroient 2337 und creirei 2081, creiras 992, creira 3011, 
creimnt 157, 3187, recreirunt 2821; ei, oi u. i in den von 
exire abgeleiteten fonnen: eissil 2349, oissi 1980, 2252, 
2529, oissir 3091, tom- 3467, im 3058, issoient 3516; oi ist 
fQr aivortonig eingetreten in oroison 3005, 3437; achoison 
405, achoisonnerent 1310, achoisonner 1324, chetivoison 129. 

Zu mesproison 1132, 3341 mit regelmåssigem oi ist die 
nebenform mesprison 1247 zu erwåhnen. 4 

Schreibfehler sind aveit 2481, «wir 1359. 

Ui. 

Der diphthong ui entspricht 1. lat. class. u + nachtonigem i 
z. b. 309 aneføi : celui; åhnlich 2487, 3531, 3895, 3985; 2. lat. o 

1 FOrster, Aiol. XXXIX; Rossmann, Bom. Forscb. I, 162. 

» Burguy II, 231; FOrster, zs. f. ostr. gym. 1834, p. 187. Cligés LXIV. 

8 cf. dagegen Cligés Ters 1048/49. 

4 Førster, Chev. as II, esp. XXXIX; Neumann, p. 63. 



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unter einwirkung eines nachtonigen i in tidt 1 , cf. 481 despit: 
tuit; 3237 dist: tutt; 875 EspristUrestuit; 3. lat. u + epenth. t 
1887 in destndre : muire, åhnlich 1897, 2235, 2389, 3839 \ 
4. lat. o + epenth. i z. b. 3277 dist : quit; 3547 mn (Hnoctum): 
vaussist; 3751 ocist :ntdt (noctem) ; &93 muire (*moriat) : 
nuire; 997 mis:wis (*o$tium); 1925 [resurreæiz: enmdz ; 
315 Arimathie:ennuie; 351 tndssent : jntissent u. m. 

Die reime auf tri erlauben zwei nach verschiedenen seiten 
gehende beobachtungen. Erstens, was die betonung des diph- 
thongen betriflft, so besagen die bindungen von ui zu einfachem i 
(ausser den genannten cf. die reime 829, 1027, 1911, 1897, 
2235, 2253,), dass ui steigender diphthong geworden ist. Ftir 
die abfassungszeit ist dieser schluss von geringer bedeutung, 
denn der iibergang zum steigenden diphthongen låsst sich friih 
belegen. Schon bei Wace ist die verwendung von w zu finden 
und nur der dialect von De de France weist langere zeit noch 
bis zu Rustebeuf fallende betonung auf. Wenig beweisen auch 
die reime von lui zu einfachem i, da die vermischung der be- 
tonten form dieses pronomens mit der unbetonten sehr friih 
auftritt. (Rol.); cf. aus unserem text 1799 devers li:ainsi, 
2301 departi : li. Wichtiger ist die zweite erorterung, welche sich 
an die bindungen von ui (= o + i) :ui (=lat.?« + epenth. i) an- 
schliesst, da reime wie destruit : vuit, destruire : muire die ent- 
wicklung des lat. o + i > ui fur die urspriingliche mundart 
sichern 2 . Lat. o+i entwickelt sich im stidnormannischen iiber 
uei > ei, an welchem vorgang die mundarten des westens teil 
haben. Der osten des ø?£-gebietes bietet die einfachezusammen- 
stellung oi; der diphthong ui beschrånkt sich auf das ge- 
meinnormannische, das franz. champ. gebiet und allenfalls 
das der Pikardie. Denn in diesem begegnen wir vielfach 
doppelformen, namentlich in den teilen, die dem wallonischen 
nåher liegen, wåhrend die stidlichen, nach dem franz. hin, 
mehr ui aufweisen. Unser text weiss nichts von doppel- 
formen, z. b. andui 47 ; jmis 99, 143 ; espuisie 147 ; nuiz 
2087; nuist 366; puissent 1292; puisse 2270; vuit 2818; 
uis 675; huie 1788; ebensowenig in vortoniger silbe ein 

* Schwan, § 68; POrster, idol: tuit<*totti. 

» Schultzke, lat o -f- i § 6; Schwan, Bom. St. IV 355; Førster, Cliges LXV; Aiol 
XXXIX ; Gdrlich, Nw. dial. p. 50. 



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oi; wohl aber wechselt mit ui das aus oi tiberleitende oui 
ab; z. b. puissance 107, puissant 1317, huimeis 3285 und 
pouissanz 1214, 1444, 3860. tJb. crouiz, vouiz cf. oben. 

Au, iau. 

au entsteht aus a 4- vokaJisiertem l z. b. 275 loyaus : faus, 
3909 mausisaus; im versinnern <m£rø 17, 96 . . ., faute 2456, 
defaute 1940, føtøtf 549, #aw£ 1930, marø 884, senechauz 
219 u. m.; in vor- und nebentoniger silbe z. b. autrui 1994, 
3532, aulant 2677, «morn 1188, awføZ 1042, sauver 105, 
pautonniers 784 u. v. m. 

Ubergang von zu einfachem a, der in jtingeren texten 
pikard. ursprungs zu finden ist, kann nur einigemale in vor- 
toniger silbe belegt werden, so maveis 846, saver 139, atrui 
1298; der umgekehrte fall au fiir a ist bei chascun vor- 
handen, das tiberwiegend durch chaucun vertreten ist, weniger 
jedoch auf grund lautlicher vorgånge als vielmehr der ana- 
logiewirkung des entgegengesetzten begriffs aucun. z. b. 
chaucuns 253, 662, 657, 843, 1126, 1129, 1280, 1485, etc; 
chaucune34S3 und nur chascun 228, 2722, chascune 3484, 3508. 

Nicht vereinfachung des diphthongen, sondern ausfall 
eines labials nach a haben wir in den gekiirzten futur-formen 
der verben avoir u. savoir, beisp. cf. pag. 13. 

au entsteht weiterhin aus lat. ill + s in dem pronomen 
ille, eine speziell pikard. erscheinung, der gegeniiber die 
franz. u. norm. mundart eus entwickelte. 1 Der reim 53 pas- 
touriaus : aus spricht dem verfasser diesen dialectischen 
zug zu; dem copisten scheint derselbe fremd zu sein. Denn 
nur ein einziges aus 1329 begegnet im innern der verse neben 
regelmåssigem eus und ceus. 

iau entsteht an stelle von eau aus lat. "ell + cons, z. b. 53 
pastouriaus, biaus 246, 736; nouviaus 3590, veissiaus 
907, in vortoniger silbe biautez 36, 3993. Auch dieses ist 
eine pikard. eigentumlichkeit, sie hat sich jedoch iiber das 
ganze gebiet von Ile de France ausgedehnt und dort eau ver- 
drångt; cf. sowohl Metzke, Arch. 65, 79 als Bohr p. 39. 

Lat. aqua ist vorherrschend durch iaue, yaue vertreten, so 
337, 340, 343, 354, 427, 1345, 2292, 2497, 2670, und nur 

1 Suchier, Aue. p. 66. 



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vers 158 ist eve zu belegen, die dem osten und westen an- 
gehorige form. taue begegnet in der Pikardie, ist aber vor- 
• nehmlich franzisch. 1 Andere varianten der entwicklung von 
aqua sind nicht vorhanden; flir die ursprtlngliche mundart 
versagt der mangel an reimen eine folgerung. Au begegnet 
noch in der dem pikard. u. burg. eignen form taule 900, 2488, 
2561; jedoch wird au hier nicht als diphthong aufzufassen 
sein, sondern als blosse schreibung flir at;; 2 , 3 neben taule 
stehen die gelehrten formen -abU in table 240, 243, 2491, 
2502, 2778, fable 2816, Deable 21, 134 etc. Die adjective 
auf -abilis zeigen nicht -aule, cf. pardurable 794, 831, 3399 ; 
pardurablement 910; reime fehlen. 

Eu, ieu, iu. 

Eu zuriickgehend auf lat. o in oflfener silbe ist unter o be- 
handelt. Es entsteht ferner aiis frz. el vor cons. (= lat. al vor 
cons.) z. b. 845 teus : preriens, 2745 iteusiDieus, 407, 3035 
queus, 3599 esperiteument ; endlich aus lat. ill + s in den 
pronominaJformen illos, ecce-illos, die unter pronomen be- 
sprochen werden. 

ieu, entstanden aus vglt. e + l vor cons., begegnet uns in 
vieuz 1330, und mieuz 74, 565, 1826, 2504, 3070, 3209, 3218, 
4007; dann entsprechend lat. e 4- u in Dieus % (hs. Diex) 7, 
50, 113, 165 . . ., obl. Dieu 6, 44, 192 . . ., doch tritt dieses 
ieu gleichzeitig mit dem in loens gemeinfranz. entwickelten 
ieu auch in der reduzierten gestalt iu auf cf. Diu 770, 3551. 
Wir treffen diese erscheinung (iu=ieu) namentlich im pikard. 4 , 
wo ihr der iibergang von iu (> aus il, iv vor cons.) ;> ieu 
parallel geht, konnen aber geråde diese belege auch viel in 
norm. und anglonorm. texten finden. 5 Die form liu kommt 
ebenso dem verfasser zu c£ 2483 fu : liu, 2505 liu : tu, wie 
sie fur den copisten ausnahmelos zu verzeichnen ist. cf. Kus 
2171, 2527, 2531, 2536, 2779; liu 301, 352, 567, 800, 1133, 
1721 etc. 

* GiJrlich, Nordw. dial. 21; FOrster, Cligés LXX, — Lyon. Ysop. XXIX. 
» Bich. li biaos IX, Tobler, Aniel XXXI; Knaner, Frogr. 88. Jenaer Litt. Ztg. 1875 
p. 173. G. Paris, Bom VI, 617. 3 Zu taule -tavle vergl. auch 409 feule-fiebilis. 

4 Tobler, Aniel XXXVIII ; MugBafia, zg.f. 8atr. gym. 1877 p. 202; zs. I, 409. VollmOller, 
Brut XXVI; Schwan, Bom. Stud. IV, 356; Link p. 17. Priedwagner p. 39. 

5 Koschwitz zs. n, 618; Uhlemann, Bom. stud. IV, 572; Vising, Etude p.,72. Suchier, 
Gram. p. 56. 



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— 48 — 



1. Uber iu aus il, iv vor cons. siehe unter i. ieu aus iu 
ist nicht belegbar. 2. Uber ieu in vieut, vieus siehe unter o. 

B. Consonantismus. 

Liquide. I ist vor consonanten zu u vokalisiert und zwar 
bereits zur zeit des verfassers, c£ die reime teus:Dieus,pas- 
touriaus : ans, sont: vont; im versinnern begegnen wir l nur 
in falscher etymologischer schreibung 1805 voulsimes, 590, 
902, 1480 sepulchre; dann in communalment 108, vilment 
1902, vilte 2384 augenscheinlich durch die adjectivform ver- 
anlasst, daneben aber sogar håufiger die formen mit vokali- 
siertem Z, vinté3b20, 3821, 3828, 3880 . . sontiument 3600, 
loiaument 2947, 3254, especiaument 1215. 

Nach a und offenem wie geschlossenem frz. o ist die vokali- 
sation regelmåssig; aus der fiille der vorhandenen belege seien 
nur wenige angefuhrt, so fur al \ avtre Yl \ fante 2456, haut 
549, loians 225, clievaus 1893, 3720, 3749, mans 404; 
san f 436, vans 3123, 3212, corporans 902; fur ol: douz 2991, 
2993; outre 1608; coupes 2422; donce 33, 39'; fur pl: forn 
1112, parout 2999, vøirt 135, 137 ... Ebenso in vor- 
toniger silbe. Dagegen sehen wir, dass l nach e (= lat. a) 
neben der vokalisierung wie in 865 tem, 2775 itens, 407, 
2035 gwws, 903 autens, 3599 crueus, 227 esperiteument, 
ausfall erleidet in gws 1419, 1817, 1820, 3467, 3999 und 
ferner unterdruckt wird nach u oder einem ^e-haltigen diph- 
thongen cf. nus 345, 452, 839, 996 etc. im reim zu Petrus 
2580, Nychodemus 637, repus 861, plus 3121; ferner in 
sepuchre 790, 913, 2803; vortomg pucele 67, 2323, 3723, 
3949, 3969. 

Mouilliertes l ist vokalisiert z. b. travauz 2204, consauz 
663, mrø&? 74, 565 . . ., genouz 879, trøtt* 1330. 

Ursprungliche geminata ist ausserordentlich håufig verein- 
facht, eine vorzugsweise in pikard. handschriften vertretene 
erscheinung; z. b. pucele 67, 3723, 3949, 3969, damoisele 
3852, 3970, fenestrele 999, escuele 1000, nouvele 1189, 1253, 
anrøfe 2324, coteles 123, 1389, nwfe 69, 1479 . . ., hele 
1190, 1276 . . cele 1205, 1563, eie 37, 38, 39 . . ., und såmmt- 
liche formen von apeler, wie apele 126, 509 etc; alez 595, 1087, 



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— 49 — 



alermt 620, alei 684, ala 52, 153, 193..., alames 648, 
alanz 976, ralerent 1628 u. s. £ 

Geminiertes U entstand durch assimilation eines voraus- 
gehenden r in parler und seinen ableitungen: jatter 948, 
1072, 1392, 1411, 2146, palla 327, pallé 582, 802, 1416; 
pallerent 963, 2335, paUeroient 1399, pattoif 1471, 1520, 
pourpalloient 808, paUement 213, 966; nur einmal finden 
wir parlement 625 neben diesen formen, die uns auf die Nor- 
mandie hinweisen, wo noch heutzutage paller gesprochen wird. 
(cf. Albert, p. 30; Burgass, p. 64.) Weiterhin entstand II aus 
sl in malle 3092, vallez 3829, vallest 3819. 

Cbergang von r zu l fand stått in auteus 903, fleiranz 37, 
flereur 251, pelerins 980, 988 . . .; und umgekehrt trat r flir 
Z ein in apostres 609. 

i fiel aus infolge von dissimilation in feide = flebilis 409. 

Mouilliertes l ist teils durch einfaches l, teils durch ii, tS 
wiedergegeben; drøZ 1010, bcucKuel 2013, t^i 2255, con- 
seil 661, ørjrøeiZ 2092, souleil 3776, vwetf 416, 1176, aille 
3446; ftaføifø 927, føiaifø 2507, merveille 1658, viefø 3973, 
3991, fueilles 124 u. a. m. 

tJber die contrahierten formen des artikels mit den prae- 
positionen de, å, en, die contractionen f au, n'ou siehe oben. 

R. 

Fanden wir bei l die vereinfachung der geminata fast aus- 
nahmelos, so ist sie bei romanischer oder lateinischer gemi- 
nata des r nur vereinzelt anzutreflfen. Dem verfasser war sie 
sicher fremd, denn er bindet nur geminiertes r zu geminiertem 
und nie zu einfachem r. Gegentiber sehr zahlreichen belegen 
mit der urspriinglichen geminata haben wir nur pouroit 367, 
1161 ; erant 1944, decouroit 556, couruz 562, commanderes 
3432, courouz 3066, 3755, 3757, 3962, cauroucier 1316, 3730, 
couroucent 3733, courouciezSltø, 3766, 3781, couroucera31&i. 
Zu einer pikard. eigentflmlichkeit leiten dann mit einfachem r 
ilbenfaura 1530, touriammes 1968, vovroit 189, 1155, 2479, 
2338, vourotd 363, vourez 450, voura 644, 2905, 3362, vouras 
939 ; sie lassen auf das fehlen des im franz. norm. zwischen n,lu.r 
eingeschobenen htilfslautes schliessen, der sich thatsåchlich nur 
in wenig fallen belegen lasst: avendra 80, voudras 850, cou- 

4 



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— 50 — 



vendroit 1536, 1938, 2075, vendrei 290, vintrent 1851, 
plaintrent 1852, remeindrei 3453; [dazu vielleicht die fatur- 
formen von voidoir mit dem an r angeglichenen d: vourra 
2658, 2927, 3115, 3124, 3359, 3362, vaurrei 2224, 3684, 
vourruni 1266, 2376, 3038, 3343, 3496]; flir den schreiber 
scheint im ganzen das fehlen des dentals die regel zu bilden: 
couvenroit 183, couvenra 656, tinrent 213, 625, tenrunt 957, 
tenrei 407, retenra 3012, tenra 2526, retennmt 922, venra 
843, 2496, venroie 2451, venriez 2706, venrunt 3178, venroit 
3561, revenrei 408, revenra 2817, tenrement 2729, 2879, 
engenrer 2793, engenrée 56, 59, engenrez 2187, 3542, engenra 
45, engenrerunt 3691; hierzu die futur-formen der verba 
mener und emmener. Dieser pikardismus von seiten des 
schreibers geht so weit, dass selbst etymologisches aus- 
gelassen ist in prendre: so pe^ro 305, 468, 470, 1345, 1858, 
2120, 3797. pewrøitf 1474, penm 342, penrunt 650, 874, pen- 
riammes 1968, penras 2469, repenras 2509, penra 2499, 
apenre 992, 3038, apenroie 2088 und in apenre 536 (zu 
pendere). 

Ganz im gegensatz zu dieser tiberlieferten sprache war dem 
verfasser die norm. franz. einschiebung des dentalen hiilfslauts 
eigen, denn er bindet im reim 643 respondre mit organischem 
zu semundre mit euphonischem dental. 1 

Zu penre = prendre ist fernerhin zu bemerken, dass das 
erste r infolge der dissimilation geschwunden ist Die form 
penre ist weit verbreitet, wir treffen sie sowohl in hand- 
schriften des nordostlichen gebiets wie in den westlichen 
dialecten. 2 Einen åhnlichen ausfall zeigt noch propement 3335. 
Aus dem gleichen prinzip scheint 8 flir r eingetreten zu sein 
in hesbergages 2348 hesberga 990, 1044. 

Geminata an stelle des ursprtinglich einfachem r steht in 
aurra 67, Verrine 1493, 1561, 1709, girra 910, trerra 3166* 

Die metathesis von re in rememberrei 151, enconterras 
76 etc. ist beim verbum besprochen. Sonst begegnet die um- 
stellung von r nur noch in der vorsilbe pro in parfont 698, 
702, 1810. Schreibfehler ist seu flir seur 2896. 

1 Suchier, Ane. p. 00. Willmotte, Bom. XVII, 516. 

* Meyer Lttbke § 686. Gftrlieh, Nordw. dial. 63, Sttdw. diaL p. 79. Apfeletedt, p. XXXVIII. 



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— 51 — 
Nasale. 

m -f- n assimiliert sich zu mm in den bekannten omme 172, 
180, homme 510, nummer 1048, numme 936, femme 172, 
1483, demmoisele 3970 etc., die so entstandene geminata 
ist vereinfadit in f erne 2897, 3680, farne 59, 69, 77 . . 
dame 60, 943 . . ., damage 3651, damagiez 3783, damouele 
3852, amø 2105, 2618, 3606 u. a. Die assimilation von n 
an m unterblieb in damnare, indem ein labialer hiilfslaut 
zwischen die beiden nasale tråk d dampner 748, dampnez 
3082, dampné 416, dampnée 3902, dampnation 426, damp- 
nasse 1312, dampnement 743; ahnlich wurde die labiale 
media zwischen muJ eingeschoben: raiembre 83, eneombrier 
2134, 2764, ensemble 124, membra 559, semblant 203, 
assemblerent 624, ramembrement 3041, rememberrai 151, 
die einzige ausnahme ist humlement 2574. In gegensatz zu 
dem bei r beobachteten fehlen des dentalen hiilfslauts kehrt 
also der schreiber hierin mehr den norm. franz. standpunkt 
hervor. Um so auffalliger ist wieder die verdoppelung der 
nasallaute hinter diphthongen und sogar hinter einfachen 
vokalen, die den handschriften ein speziell pikard. gepråge 
zu verleihen pflegt. 1 

a. nach ai: aimme 3770, veinne 838, humeinne 30, gre- 
veinne 145, fonteinne 146, certainne 608, certeinnement 
770, 804, minne 1673, lointeinnes 2363, meinnie 3814, 
ainnée 3917, 3925, einnée 3823, 3951, 3971, soudainnement 
3863, vileinnement 712, 1056, vileinne 2065, 3756, demeinne 
760; nach e<; pleinne 35, 1660, pleinnement 2556, peinne 
130, 214, Madaleinne 236, 607, [demeinnent 1758, 2903, 
mesmeinne 3877, demeinne 760, meinnée (*minus-nata) 
3973; nach ie; tiennent 2228, 3063; nach aboennir 
2378, boenne 79, 1583, boennes 25, boennement 2930. Aus- 
nahmen nur sydoine 576, 1593, 1601 u. j96in€ 1286. 

b. nach einfachem vokal: 1. n nacA tørøpr. a; in mennoir 
136, rømmn<nV2926,mmrø£6m89, 185, mennant 1318, 3859, 
mennoit 1495, remennanz 3761, tenner 2174; nach 6: 
«w 316, ennuiz 1925, prennent 387, 2174, Ennemi 107, 
751, føwnøwrø'3405, 3878, hennourer 3924; nachø: Jwnneur 

1 Snauer, Progr. p. 28. 

4* 



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— 52 — 



28 . . ., deshonnenr 262, honnir 2812, honniz 3678, emprisonné 
767, felonnie 982, arrei&onna 1104, 1760, achoisonnerent 
1310, pargmniers 2737, pautonniers 784 etc; ausnahmen 
sind nur: menoi* 3904, 3976, anemi 162, 261, /ine 3005, 
persone 96, 873, redona 168, abandonoit 3847, anwncier 5, 
anunga 2888, -oi* 3267, -oientf 3650. 2. m: Romme 195, 
989, 1078, prommis 447, prommirent 1052, pomme 87, 
112, summes 1461, 2628, 4005, poviammes 1692, penriammes 
1968, essaiemmes 3607, touriammes 1991, conseillammes 1967. 

Jlf wird zu w, sobald es in den auslaut tritt oder vor con- 
sonanten zu stehen kommt z. b. /ein 2397, Aon 389, prmdon 
1045, ten* 11, cføn* 3820, Adans 111, Joachim 45, antføi 
519 u. a. 

con zeigt sich flir com, namentlich vor dentalen conso- 
nanten oder vor m: z. b. 798 con sevet, 353 con d'orde iawe, 
2844 con (hirent, 2300 con no, 94 con moi semble, auch 
vor Z: 273 con le, 2862 con tø; jedoch nicht in- consequenter 
verwendung, ebenso wie n nur sporadisch zu m tibergegangen 
ist vor folgenden labialen in emprisonné 767, embler 230, 
emmurez 2005, emmi 2505, emmenerent 390, 676; einmal 
auch in en: 1582 il ne s'empeurent; sonst aber regelmåssig en. 

Im auslaut wird der nasal meisténs durch n wiedergegeben, 
verschiedentlich auch durch ng, wie vieng 1024, ving 954, 
1607, en^tVrør 2127, 3075, 3226, Imng 2975; am bemerkens- 
wertesten sind soig 3936, loig 3088, 3673, 6e$o£ør 1523, 3935, 
(c£ Fflrster, Aiol LV). 

Mouilliertes n wird grosstenteils durch ign, nach i durch 
</n ausgedriickt, doch begegnen auch ingn und nn daflir: 
z. b. compaingnte 3423, engingna 2165, seinnoient 557; 
neben regelmåssigem: compaigne 1263, enseigne 245 . . ., 
engigne 3062, doignent 3183, tesmoigne 1450, weørne 1756 u. s. f. 

Ausfall von n vor cons. im innern des wortes fand fruh 
stått in meisnie 133, coustume 231, cosmn 309, mmstrance 
2885, couvenoit 183, repws 861, descouvenue 812 u. a. m. 

Gutturale. 

Beziiglich dieses consonanten steht unser text durchaus auf 
centralfranzosischem standpunkte. c vor a und dem aus a in 



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— 53 — 



freier silbe entwickelten ie, e, ist stets durch ch vertreten, 
wenige beispiele werden geniigen: char 39, chartre 720, 
chambre 1182, changan 3719, charité 2297, chevous 246, 
chies 397, chetif 2640, chier 334, chevaus 1893, 3720, couchier 
1366 etc; ebensowenig weicht unser text von der gemeinfrz. 
norm ab hinsichtlich c vor lat e, i, und der entwicklung der 
lautgruppe cons + 1 4- i + voc., ein pikard. norm. ch begegnet 
nirgends: icel 11, cde 527, ett 95, ceføt 310, merd 2706, 
merciz 465, ette' 264, cerchier 3010, cøfør 3795, ancdfe 2324, 
/ace 1169 u. m., puissance 107, creance 194, senefiance 813, 
couvenance 1870, conscience 2694, commencent 539, essau- 
cier 3603 u. a. m. Den gleichen standpunkt nahm die ur- 
spriingliche mundart ein, c£ die reime 2423 face: trace, 2655 
grace: face. 

Lat. fø' nach dem ton zwischen vokalen ist in den verschiedenen 
entwicklungsformen des suffixes -i£ia vertreten (c£ die belege 
unter e u. i). Hier dttrfte die schreibung sc flir die stimm- 
lose sibilans zu erwåhnen sein in richesces 1120, 1318, 1710, 
4009, detresces 4010. 

Velares k wird durch c, k, qu und auch gelegentlich durch 
ch wiedergegeben ; so begegnet der nom. des relativpronomens 
als hi 60, 1077, qui 277; der acc. und die conjunction que 
vor vokal elidiert als qu 9 - und c- z. b. c'on 370, 432 etc, 
quoi (quietus) 280 neben coiement 651, øwar 2375 neben 
håufigerem car 399, 498, 835, quidier stets mit qu; qu in 
gwewes 1894, queurent 2251, aqueillimes 1862 etc. Filr lat. 
auch meistens qu: quantes 89, øwantf 109, quis 110, gwerrc 
192, quierent 262 etc. 

cfe finden wir in naschist 98, 3557, naschi 143, venchu 
927, veschist 1063, achoison 404, achoisonner 1310, sepulchre 
590, sepuchre 790, 913. 

c in trosrø 673, 707, chascun 228, awcwn 1188, cwør 201, 
2507 etc. 

Die gutturale media gr wird vor a, o zum stimmhaften zisch- 
laut, der mit j bezeichnet wird: joie 498, 886, 920, 1266, 
1522, esjoirent 1550, esjoi 1664, 2744, joiant 3810, fe^- 
6er^'a 990, 1044; allein nur hesbergages 2348, in welchem je- 
doch g ebenso nur die paJatalis vertritt wie es gelegentlich 



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— 54 — 



flir die aus der lat. spirans j hervorgegangene palatalis ein- 
tritt in giter 83, gitez 596, 800, gitera 3070, gita 128, 719, 
gité 162 etc. 

Frz. palatalis (quellen bei Schwan 2 , § 325) wird vor an. o 
wiedergegeben durch j in menja 87, menjant 280, menjei 
894, menjoient 897, menjoit 2179, jujoie 1884, tarja 384, 
serjant 2251, wn/a 2357; durch g: assouaga 1201; — vor 
e, ie (=lat. a) mengié 117, 2169, congié 337, 2360, targier 
1722, engagié 1865, legiére 2120, assuagier 1616, jugier 
1315, 1784, messagier 1259, aføørtø 1686 u. v. m. Eine 
ausnahmestellung nimmt longitement 965, 2018, 2404, 2364, 
2602, 3474 ein, in dem gutturale aussprache durch die 
schreibung <jm sicher gestellt wird. jrø steht nur flir germ. w 
und vertritt gutturaJis. Es wtirde der einzige pikardismus fur 
den schreiber hierin vorliegen, wtirde es nicht durch den ein- 
fluss des mase. lone und des spåteren analog, longue erklårt. 

Im auslaut verschårft sich die gutt. media zur tenuis, cf, 
lone 978, 1036, sanc 556, 724; diese fållt vor flexivischem 
s:sans 423, 560, eiers 934. 

Lat. g vor i, e ergab den weichen zischlaut, der als g wieder- 
gegeben ist: gent 17, 25 . . ., engenra 44, germein 309, pro- 
genie 597, enging 3226 etc. 

Der aus vglt. dj. hervorgegangene weiche zischlaut wird 
durch j ausgedrilckt, z. b. jour 235, jus 8, 138, 176, 502 . . .; 
zu erwåhnen ist, dass filrjusque durchgångig die durch kreuzung 
von jusque und desque entstandene mischform dusque 178, 
318, 437, 1029, 2614, 2814, 2874 verwandt isU 

Germanisches w wird durch gu, vor a durch einfaches g 
vertreten; z. b. guerpir 189, 3592, guenehir 149, guille 1390, 
guerredonna 716, gueites 478, 589, gueitier 2691, gueitassent 
585, garda 398, garde 490 u. s. w. 

H. 

In wortern mit germanischem h ist dieses letztere auch 
regelmåssig geschrieben z. b. honnir 2812, 3668, 3837, honniz 
3678, honte 1933, 2415. 

Dagegen verfåhrt der copist willkflrlich mit lat. h, indem 
er es baJd schreibt, bald fortlåsst. Von den zahlreichen be- 

1 of. Suchier, Gram. p. 12. 



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— 55 — 



legen nur: komme 500, omme 1673, honneur 28, onnewr 
3346, hoste* 1011, ostes 1005, eure 3326. 

und a wechseln, ersteres meistens, wenn es zum vor- 
ausgehenden worte in hiatus tritt, jedoch durchaus nicht regel- 
måssig. tu as 829, si has 771, y ha 1635, palle ha 327, 
apelé ha 1089, y hei 1613. 

Willkiirlich ist auch der wechsel bei isnelement 116, 468 
und hisnelement 520, 550 etc. 

Dentale. 

S hat vor liquida und muta keine lautliche geltung mehr. Fur 
die iiberlieferte mundart erhellt das einerseits aus der unter- 
driickung des urspriinglichen s in der schrift malle 3092, 
douzime 2972, saintimes 853 (neben seintisme 2323), mainnie 
{*mansionata) 3814, ainrwe(*amtea + s+ nata) 3917, 3925, 
3971, meinnée (*minus-nata) 3973, eutes 26M, £øtøs2638, 
pleit 2881, 3449, remet (remansit) 3439, voit (voist) 3281, 
peit (paist) 2693; andrerseits aus der einfugung eines s, 
wo es keine etymolog, berechtigung hat: Esprist 726, 875, 
mestre 411, 567, promestre 3593, mest (imp.) 62, 2511, 2503, 
mest (mittit) 3880,3 mestent 2108, 2115, lestre 1242, lestres 
1249, 1277, nestes 1349, nestement 454, døføtf 128, 2664, 
despist 634, 1364, coustel (cuUellum) 1178, vattest (vasaU 
ittum) 3819, puceleste 3979, cfotf (dietum) 480, 487, 1124, 
tritø 721, røfø* 578, øtøwtf 2106, 2663, ^7>fø 722, pto 

212, 761, méismes 1987, véismes 3608, o/røf 1096, apparust 
608, 3194, ført 2295, fcrøtf 2019. 

Fiir die sprache des verfassers beweisen die reime, dass s 
verstummt ist; c£ 531 demandastes : Pilates; 2831, 2837, 
est : Moysest (Moyset), 1589 distes :pi*éistes ; 2503 mest:pleist; 
2693 entreseit:peit; 3357 voitidroit; 1129 distisoufrist; 
3751 ocist:nuit; 2099 plutifust u. s. £, meistens hat der 
schreiber durch einf&gen oder weglassen des s flirs auge reine 
reime sich herzustellen bemtiht. 

Verdoppelung des urspr. einfachen flautes begegnet ge- 
legentlich, z. b. dessouz 243, 1571, mauveissement 2193, dessus 
706, lasms 2282, 3552, wums 2042, garessist 1065, 1671, 
voussins 3578, voussistes 2753, 2755, vaussist 3548. Der 
umgekehrte vorgang, die vereinfachung der geminata liegt nur 



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— 56 — 



in rasembler 3409 vor, andeutungsweise in der unterdriickung 
des auslantenden s vor anlautendem s wie 415 me sires, 3901 
de vo sereurs, 3672 feite serunt, 410 mont de seigneur 
sunt; doch konnen die letzteren auch schreibfehler sein. 

S zwischen vokalen in perfectformen, das sich im pik. bis 
ins 13. jh. erhålt, ist nur 1772 mesist und 2433 presis zu 
belegen; iiberwiegend ist das isolierte s ausgefallen: 2961 
préist, 2060 apréist, 1861 préimes, 1955 méistes u. s. i 

Schreibfehler ist o le Juis 816. 

T. 

Auslautende isolierte dentalis ist abgefallen im perf. der 
schwachen verba 

1. nach a 127 (aigita; (åhnlich 979, 1149, 1187, 1497, 
2431 . . .) in der III. pers. praes. von avoir und der III. pers. 
sing. fut. aller conjugationen, c£ 691 lå: ha, 1639 ha:deca, 
2643 diraiga u. s. w.; 

2. nach e. Die hierher gehflrigen part. pert der I. coiy. und 
die feminina der lat III. decl.-aføm endigen in der iiberliefer- 
ung stets auf reines é; da jedoch nur reime unter einander 
vorkommen, bleibt es ungewiss, ob nicht der verfasser formen 
auf et kannte. — In der III. pers. sing. praes. der verba der 
I. coiy. ist t vor der mitte des 12. jhs. abgefallen; da unser denk- 
maJ offenbar einer spåteren zeit angehort, so kann dieser abfaJl, 
der durch die nicht geltung des endungs-øvorvokalischem anlaut 
im verse feststeht, fiir die abfassungszeit unseres denkmals nicht 
mehr inbetrachtkommen. cfl iibrigens l26apeleet,7Mtrueve on, 
2036 lieve et, 2031 esgarde et, 2455 demanåe: viande etc. 

3. nach t: der abfall ist fast regelmåssig; nur einmaJ 721 vist: 
esjoist linden wir ungestiitzte dentalis im reime zu gedeckter; 
doch kann der verfasser diesen reim leicht furs auge hergestellt 
haben; (cf. Miinchener Brut 673 oit, 1081 establit, Vollmoller 
XXXIV).Fiir den abfall im part. pert z. b. 107 Ennemi; trahi, 407 
deservi, : ainsi, 829 ;fui, 1093 oiiausi, 2209 gariici, 2283 
esbahiisi, 2627 ci:departi u* s. w.; im perf. 143 naschi: 
je di, 249 autresiiraempli, 579 couvriici 665, 751, 1021, 
1027 etc. 

4. nach u ist ungestiitzte dentalis abgefallen z. b. 455 
Jhesuipendu, 679 :tenu, 1973 :eu, 1991 :tolu, 1101 res- 



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pondu : tu, 2069 entendu : tu. fu ist stets ohne t z. b. 219 
fu : Jhesu, 2483 fu : Kw, 2007 : batu u. a. m. 

Auffallig ist der abfall in 2773 s'apparu : respondu. Freilich 
legt dieser reim die annahme eines respondut nåher, und da- 
mit, dass der dichter die erhaltung der isolierten dentalis, die 
ein kennzeichen des pik. wall. lothr. sprachgebiets ist, ge- 
kannt hat Unterstiltzen dttrften dies auch die partizipia der 
verba der rfm-classe, welche die silbenzahl der verse dem 
verfasser sichert, z. b. 131 conput, 1270 lut, 1217 lutes, 2806 
recut, 2990 eslut. 

Gestiitzte dentalis ist abgefallen in den imperativen enten 
2083, 3013, 3444; apren 3319, 3323, pren 2503, 3561; 
ferner in commen 1648, don 2615 und in tour-puissanz 727. 

Regelmåssig begegnet auch o flir od (=apud) z. b. o eus 
3666. Zu erwåhnen ist die erhaltung der durch frz. synkope 
gestiitzten dentalis in malade 1028, 1302; die belege desselben 
schliessen das ostl malev aus, in welchem entgegen der 
franzischen entwicklung der dental unterdrtickt wurde und 
der labial blieb. 

Das intervokale d ist verstummt zur zeit des verfassers cl 
731 mieiaie; archaische schreibung ist aUde 3831. 

Uber den einschub eines euphonischen d siehe unter r. 

In die gruppe sr, die in der III. pers. plur. perf. gewisser verba 
entstand, ist die dentale tenuis eingeschoben oder s gewichen, 
cf. 1319 distrent (1797, 1852, 3567), 1333 pristrent (1847, 
2951) 2560 assistrent; 2564 sistrent; 2251 sentirent : mirent; 
1219 ocistrent : pendirent; stets auch firent im versinnern 
wie im reim cf. 123 firent: acousirent; 1051 hairent: 
prommirent; 1055 prirent : leidirent, 1307, 3025, 3875. Nur 
einmal begegnet im versinnern die dem pik. wall. und lothr. 
eigentilmliche form prisent 1317. 

Bekannt ist die einschiebung von t in croistre 2216, istras 
2225, 2795. 

Offenbar schreibfehler ist 2039 Vaspasyent als nom. 

Z 

ist in dem von Forster, Cliges LXXIII zusammengestellten 
fallen, soweit sie in unserem denkmal belegbar sind, fast 
regelmåssig vertreten. Die reime geben jedoch keinen auf- 



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— 58 — 



schluss, ob flir den verfasser dieser zustand vorhanden war. 
Der reim 1925 remrrexiz : ennuiz, als dessen zweites reim- 
wort man ennuis (in anbetracht des friihzeitigen ausfalls 
der media) erwarten sollte, um dann auf t+s>s schliessen 
zu konnen, giebt keine gewåhr, da ennuiz neben ennuis in 
denselben dialecten anzatreffen ist. Ahnlich verhålt es sich 
3489 retreis : peis; pais (pacem) ist allerdings pik. wallonisch 
gegentiber norm.-franzischem paiz;\ doch schwankt der ge- 
brauch der beiden formen so sehr, dass dichter, deren dialect 
bestimmt z aus -cm entwickelt hat, auch pais verwenden, 
dieses mithin nicht allein fiir pik. herkunft eines textes be- 
weisen kann. (c£ Cliges LXXIII, Iwein 6787 pais: mais.) Im 
versinnern pais 1974. 

z aus s nach mouilliertem l in 2205 fiz : Espriz, 2845 fiuz: 
parcréuz und im versinnern consauz 663, travauz 2204, 
mieuz 77, vieuz 1330, genouz 879 u. m. 

Ausnahmsweise ist s fiir z zu belegen in enfans 757, vies 
(vetus) 1030, fors (fortes) 3750, gens 3770, Robers 3155 
(doch Roberz 3461) und stets ces 877, 921, 1517 etc 

z fiir urspriingliches s in diz 330, vielleicht in anlehnung 
an sez 829, doiz 872, 914; ferner senechauz 219 neben cot- 
poraus 906 und durchgångig fiir adverbiales -s in sanz 451, 
953, 1026, 1063, 1486 . . . 

Labiale. 

Auslautendes / verstummt vor flexivischem s z. b. 754 Pa- 
radis : chetis, 797 mis : vis, (vivtis) 1987; 3209 matts saus 
(salvus); nes (naves) 1237; briés 1201 und vor andern con- 
sonanten z. b. griement 2111, briement 3113, 3579. 

Vereinfachung des geminierten p findet immer stått in aporté 
1661, aporterei 1564, aportez 1655, aportée 1618 u. s. w., apele 
126, 509, apeloit 218, 1420, apele' 1089, 1288, fraperent 
1334, 1668, frapé 696, apresté 1762, eschaper 1184, 2274, 
eschapera 1896 u. m. Von geminiertem / ist dieselbe seltener, 
cf. afeire 3963, suefre 2466, sow/Hr 536, 745, 778. 

Der wechsel von v und u in den handschriften und die 
darstellung des inlaut enden v durch w sind bekannt Im druck 
nicht aufgeloste formen sind poure 1503 fiir povre und feule 409 
fiir fevle (flebilis); aule (abula) =avle cf. p. 47. 



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— 59 — 



Zweifelhaft ist v in povoir 152, 162, 177, 403 . . ., povoit 
1952, povoient 519, 1800, 1840, espoventez 1793, da es so- 
wohl als bestandteil des diphthongs <m, als auch wie hiatus 
tilgendes, neu eingeschobenes element aufgefasst werden kann. 

Das zeichen w steht einesteils ofters flir vu, z. b. welent 
1449, wiz — vuiz 2527 ; andernteils dient es dazu, den halb- 
consonantischen vorschlag im aulaut zum ausdruck zu bringen 
in wortern wie wis (=ostium) 998, 1290. 1 

III. Formenlehre. 

1. Declination. 

A. Homen, 
a. Måscttlin». 

Zur I. declination ist hinsichtlich der flexion wenig zu 
erwåhnen: nom. sing. und acc. plur. — s; obl. sing. und nom. 
plur. — endungslos; wohl aber sind einige verstosse gegen 
die casusregel zu bemerken, von denen zunåchst dem ver- 
fasser zur last fallen: 

56 De s f offrande que li avoit: 1337 Que cil larrun puant Juis 

Uevesque ou temple refusée, Unt si vileinnement ods, 

787 Que f en la sepouture mis: 2086 Par lui-méismes erihorté. 
Et de cui dirent li Juis. 

Uber 2086 ist bereits unter „Hiatus und Elison" gesprochen 
worden. Hinzuzufiigen wåre, dass in dem s nicht das flexi- 
vische zeichen des nominativs, sondern dass eine den ad- 
verbien auf s analog gebildete feste form „méisme 4- s" vor- 
liegen konnte, die den nach person und casus verschiedenen 
formen des pronomens unveråndert angefugt wurde; einen 
åhnlichen fall flir nom. plur. bietet 3583: ilméismes. 

Was die ilbrigen verstosse betriflft, so konnen sie von grosser 
bedeutung nicht sein, da zwei von ihnen eigennamen betreffen, 
deren formen leicht schwanken, der dritte ein nomen person- 
lichen begriffs. (cf. Schwan, Gram. § 343.) 

Dem copisten fallen zur last : 1896 Ja un seul n'en eschapera ; 
2728 Un sml en ha demouré ci; 3092 Un oir malle (nom.) 
qui toit venir; 3516 Quant Enfer fu ainsi brisiez; 3200 
Jhesu, le roi de Paradis und 2035 Quant Joseph Vaspas- 

1 Knauer, p. 26. 



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yens vist : Contre lui se lieve et si li dist: „ Vaspasyen . . . ; 
im letzteren falle ist nur vertauschung notig; in den iibrigen 
die verbesserung leicht zu bewirken. < 

Die Eigennamen mit festem accent haben meist die flexion 1 
der nomina der lat II. declination, also im nom. sg. s angenommen. * 
Bei den biblischen nåmen steht die urspriingliche form der 
flectierten zur seite: cf. Adan 13; Adans 111, 748 . . .; obl. 
Adam 82, 85; Adan 126; Jacob 15; obl. Jake 305; Hebron 
2509; Hebrons 2811, 2793; obl, Hebron 2310; Joachim 45; 
obl. Joachym; Saint Pierres 167; sainz Pierres 184; obl. 
Pierre 357; Perrum 342; Jehans 156; obl. Jehan 373 u. 
a. m. Von Moyses ist neben Moyses 2795. 2823 die obl. form 
Moyset 2720 und Moysest 2877. Neben ziemlich regelmåssigem 
Juif im nom. plur. (214, 581, 606, 623, 649, 981, 1066 . . .) 
steht einmalig Giue 1407 ; der obl. plur. ist Juis 204, 347 u. s. w. 

Die masculina der altfranzosischen IL declination haben 
urspriinglich im nom. sing. kein flexionszeichen, beginnen aber 
seit der mitte des 12. jhs. nach analogie der wortreicheren 
I. declination das nominativ -s anzunehmen. Da an dieser er- 
scheinung auch die ungleichsilbigen masculina der lat. III. decl, 
die im afz. -re endigen, teil haben, so seien die beiden wort- 
klassen hier zusammen besprochen. Es zeigt sich aus den 
reimen und dem inneren bau der verse, dass dem verfasser i 
die analogischen formen bereits gelåufig waren. Der copist 
schreibt tiberwiegend das flexivische s, die jedenfalls flir ihn 
archaischen formen ohne s stehen teilweise nur, wo es der 
vers gebietet und fur den vocativ. (siehe unten). Die urspriing- 
lichen formen sind belegt 

1721 II ha dist apres å son pere 1793 Flus estoit sires que ses per es 
Nestes pas rois ne emperere, Ne rois ne dus ne empereres, 

2979 11 respondent: Volentiers, sire 3431 Seisiz fu li riéhes Peschierres 
Vostres soit sanz duel et sanz ire, Dou Graal et touz cornanderes. 

Da in den beiden letzteren reimen die reimwortei der 
gleichen wortklasse angehoren, so darf das flex. s schliesslich 
auf rechnung des schreibers gesetzt und fftr den -verfasser die 
altere form reconstruiert werden. 

Ferner im versinnern 737 Je ne vons puis, sire, esgarder 
und åhnlich 335, 339, 469, 1250, 1455, 1855, 2935. Diesen 



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stehen an jungeren formen gegeniiber 1. im reime 89 — en 
quantes mennieres: 90 Notis racheta Diex nostres peres. 
2. aus dem versinnern vor vokalischem anlaut, wo die silben- 
zahl die geltung des ursprdnglichen auslautenden e verlangt: 

12 Nostres premiers peres Adam ; 3779 Quant li peres ha entendu, 

851 Nostres Sires ha trett avant, 1431 Et que Nostres sires estoit, 

2297 Qui sires est de charité, 3377 Qui sires est de ceste chose, 

1100 létmpereres ha respondu, 1221 tempereres i envoia, 

1641 tempereres ha demandé, 2104 Leur meistres en est Lucifer, 
1121 Uempereres ha ce entendu. 

Die] belege flir Vempereres 1100, 1121, 1221, 1641 sind 
nicht sehr beweiskråftig; da der artikel beliebig elidiert oder 
im hiatus stehen kann (cl p. 20 und li empereres 1651, 1657), 
so wtirde bei aufhebung der elision und wiedereinfuhrung des 
vollen artikels den versen in der silbenzahl gentigt sein und 
wir hatten flir den verfasser noch die ålteren formen voraus- 
zusetzen. In vers 1121 håtte schon die nicht-elision von ce 
vor entendu geniigt (c£ oben p. 19) um die altere form 
„emperere" im vers zu haben. Ferner braucht in 2104 das 
flexivische s nicht urspriinglich zu sein, da nach mehrfacher 
consonanz, muta + liquida, die nicht-elision des auslautenden e 
statthaft ist. 1 Sehen wir also von diesen fiinf beispielen ab, so 
ist das verhåltnis der alten formen zu den jtingeren 20:7. 
Diese sieben neubildungen werden wir dem copisten kaum 
zur last legen konnen. Es findet ja gelegentlich nach einfacher 
consonanz nicht-elision stått, aber es steht zu wenig fest, unter 
welchen bedingungen der syntactischen stellung dieselbe er- 
laubt ist. Zudem wtirde der reim mennieres : peres als zeugnis 
bleiben, dass der verfasser die jungeren formen schon gekannt 
hat. Vor consonantischem anlaut stehen diese letzteren peres 
91, 774, 819, 1732, 2205 . . .; sires 101, 125, 179, 229, 415, 
532, 594, 727 . . .; meistres 3155; emperers 1093, 1105, 1117, 
1153, 1211, 1424 . . .;freres 3199 ;Pescherres 3456, pechierres 
3898, 3431, comanderes 3432; dagegen die ålteren formen 
sire 779, 795, 801, 865, 1761, 2267, 2318, 2433, 2441, 2447, 
2463,2741, 2751, 2851, 2865, 3906; frere 1143 (ausser 2741 
nur vocative). 

1 cf. Mali, Comp. p. si. 



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Zu den fur den verfasser festgestellten verstossen gegen 
die alten declinationsformen ist 1421 Qui de la loi se feisoit 
sires : On leur ha dist qu'il estoit mires hinzuzufiigen; vers 
1897 Ainsi fist le treitre destruire ist bereits pag. 17 erSrtert. 

Die adjcctlva und pron. poss. dieser declination seien 
hier angeschlossen. Das fl ex. s ist auch hier im nom. sing. vom 
schreiber eingefiihrt; ob dem verfasser der gleiche standpunkt 
zukommt, muss aus mangel an beweisen ungewiss bleiben. Es 
sind nur formen vor cons. anlaut zu belegen: nostres 13, 90, 
125, 179, 851 . . .; vostres 2980, autres 1438, 1730; ferner 
der comparativ pires 211. 

Von den ilbrigen casus der II. declination sind zu erwåhnen: 
nom. plur. 3588 si rnenistre, 2400 nostre enfant, 3645 li 
autre ennemi; ferner li autre 1898, 2131, 2175, 2603, 3685, 
povre 422; der obl. plur. endet regelmåssig auf -es; der obl. 
sing. -e. 

2117 ist nom. plur. les autres trois in li autre zu bessern. 

Substantiva der lat. III. declination, sind ausser den im 
nom. sing. besprochenen:l. mit beweglichem accent: nom. sing. 
li enfes 2535, 3777, lenfes 1711, 2986; obl, sing, enfant 48, 
2533, 2984; nom. plur. enfant 1866, 1943 (:errant) 2255, 
2400 (: grant) 2971, 3259; obl. plur. enfanz 424, 1329, 2853, 
3185 (:granz) 1862, 2916 etc; nom. sing. (resp. voc.) nies 
2987, 2993, 3008, 3167; obl. sing. neveu 3003 (ipreu) 3046, 
3151, 3164, 3167; obl. plur. neveus 3142, 2891 (: vieus) nevez 
2883; ferner die ilbrigen casus zu sire: obl. sing. seigneur 27, 
261,381, 451, 1185, 1417, 2533; nom. plur. (resp. voc.) seig- 
neur 1185, 1417, 2950; zu emperere: obl. sing. emperemr 
991, 1007, 1015, 1078, 1186, 1257, 1418, 1527, 1617, 1717; 
zu peschierre obl. sing. pechéeur 3345, 3387, 3416, 3439; nom. 
plur. pechéeur 1, 3554; obl. plur. pechéeurs 881; ausserdem 
latrun (nom. plur.) 1737; tratteur 1795, compeignon (nom. 
plur.) 376, 894, 1543, 2778, 2801; 2. mit festem accent: homo, 
nom. sing. hon, 2668 : poisson, 2003 : non, 3527 : non, 1199 
prison, 1045 preudon : non und mit analogischem nominativ 
-s 1137 hons : pourrions, 3535 : cuidions. Der copist gebraucht 
diese form fast ausschliesslich. (cf. unter o) Die ålteste form 
sehen wir in 389 hom:Jhesum. 



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Obl. sing. ist homme 500, 510 . . .; omme 1673, 2887 . . .; 
nom. plur. homme 1039; acc. plur. hommes 1222, 1033, 2107, 
3266; hierzu mehjpreudommes 3406. 

Zu quens ist der voc plur. belegbar vers 12 conte. 

An declinationsverstossen sind 1185 Ecoutez-moi tout, biau 
seigneur :Ce leur ha dist Vemperéeur und 1163 Quant eie 
Vemperere oi zn erwåhnen. Uber die friihzeitige vertauschung 
der formen dieses wortes c£ Schwan, Gram. § 343. 

Von den im afz. erhaltenen organischen comparativen gewisser 
adjectiva sind zu belegen: meneur 2 und greignear 461, 1016. 

b. Feaiiina. 

1. die feminina der J. declination zeigen nur regel- 
måssige flexion: nom. obl. sing. -e\ nom. obl. plur. -es. Das 
im friihen afz. als femininum behandelte prophete ist seinem 
natiirlichen geschlecht gemåss als mase. decliniert und hat im 
nom. sing. s angen ommen: 594 comme sires, comme prophetes 
(:sur ces entrefeites) im versinnern: nom. sing. 16 Et li 
prophetes Ysaias; 1471 Cil prophetes obl. sing. prophete 
414, 1028 . . .; nom. plur. 17, 3550 (prophete jt) 3670; 
obl. plur. 5 (prophetes). -gueite ( wahta ) ist als fem. be- 
handelt 589 CU ont leur gueites assemblées (: armées); garde 
dagegen als mase. 621 Les gardes en sunt decéu (: apercéu). 

2. die feminina der II. dedination schwanken imnom. 
sing.; fur den verfasser kommen sie meist ohne das spåtere 
analog, s in betracht. 1 So sind zu belegen: 

17 Tout prophete, toute autre gent: 2783 Devant le jour dou Jugement: 

Bom et mauveis communement ; Qu'encore attendent toute gent; 
951 Car ce ne seroit pas reison : 3353 Couvient que toute ceste gent : 

Ainz demourras en la prison; Se treie elevers Occident; 
1131 (hr cene fusttrop grant desreison: 2839 II dient tout par verité: 

Se il soufri&t teu mesprison: Granz est de Dieu la poesté 

1247 Certes ce fu grant mesprison: 3193 Et avmt c'une grant clarté: 

Grant desavenant li fist-on; Leur apparust, s'a aporté; 

2543 Cest la benoite Trinité: 3311 QueBrons montprendons ha esté : 

Ki est en la sainte unité; Et pour ce fu sa volenté: 

1167 Fors tant qu'U li unt demandé: 3345 Adés le Hehe Pechéeur: 

Que se ce n'estoit verité; A touz jours croistera s'onneur ; 

zweifelhaft bleibt 79 ensemble comme boenne gent(: vraiement), 
da nach comme sowohl der acc. als der nom. stehen kann. 

1 Schwan, zs. XI, 552; Gram. § 340,2; Suchier, Beimpredigt XXIV; Paris, Alex. 118. 



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— 64 — 



Mit flexivischem s ist nur 2007 Et bien vott que (fest 
veritez : emmurez vorhanden, so dass das verhåltnis der un- 
flectierten formen zu den flectierten sich wie 12 : 1 darstellt 
und wir, in hinsicht auf denkmålerdes 12. jhs. wie beispielsweise 
auf die diesbeziiglichen verhfiltnisse beiBenoit (ct Settegastp.41) 
und in dem Tristanfragment des Berol 1 in diesem punkte flir 
die abfassungszeit unseres textes wohl ungefahr die letzten drei 
jahrzehnte des 12. jhs. heranziehen konnten. 

Ftir den copisten sind aus dem versinnern mit flexivischem s 
volentez 66, fragilitez 180, clartez 728 und ohne dasselbe 
amour 842, douleur 1201, biavté 3993 anzumerken; ausser- 
dem regelmåssig gent 206, 1051, 2454. 

Bei dem acc sing., sowie 1 den formen des plurals ist 
keine erOrterung n5tig. Belege sind z. b. flir obl. sing. gent 
359, 599, 609..., kiimUité 102, humanite' 101, unité 2543, 
santé 152, poesté 1720 u. a. m.; flir nom. plur. biavtez 36, 
genz 25, 469, 1163...; flir obl. plur. vertuz 1146, meins 
1597, bontez 36, amours 2575 u. m. 

gent ist im plur. als mase. gebraucht 1163 Quant les genz 
out ce dire oi: Si en' f urent mout esbahi, wie es z. b. bei 
Fantosme 148, 641 (Vising, Etude p. 103) geschieht. Aus 
reim und silbenzahl ergiebt sich das gleiche 1317 Qu'il 
estoient genz mout puissant: De richesces comble et men- 
nant. 

3. Das einzige nomen einer ULL deeUnaikm ist suer (cf. 
nom. sing. suer 2534, 2794, 2863, 3925, 3991, 3976, 4016; obl. 
sing. sereur 2307, 3402, 3890, 3901; obl. plur. sereurs 3099, 
3175, 3884. Besonders ist die zweimalige verwendung des 
nom. als obliquus zu verzeichnen 2983 Et å sa suer qu'il 
s'en alassent und 3823 A Veinnée suer Va mene. Die spo- 
radische vertretung des obl. durch den nom. begegnet bei 
soror sehr frtihzeitig, c£ im Rol. 294, wie sie iiberhaupt bei 
nominibus, die einen personlichen begriff darstellen, schon fruh 
nicht selten ist und auch verschiedentlich in unserem denkmal 
bereits zu betonen war. Im vocativ steht suer : 3991 Ma douce 
suer (:puer). 

1 Warutck*, Metriøche u. gprtchL Abhandlong ftber daa dem Berol lugeøchriebene 
Trittonfragment, p. 39. 



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— 65 — 



Von den zu dieser classe gehorenden eigennamen weib- 
lichen geschlechts, die entsprechend den månnlichen eigen- 
namen auf -ø, -onem, eine besondere obliquus-form auf -ain 
haben, ist nur Eve, Evain zu notieren: Eve nom. sing. 14, 
86, 754, 757, 2197, 3553; Evein 82, 597, 2158 (Adans Va 
Evein apelée). Daneben steht der nach der I. decl. endungs- 
lose obliquus Eve 108, 597, 2165 und 3519 Adam et Eve en 
ha gité. 

Von rem ist sowohl riens mit dem adverbialen s, wie die 
endungslose form rien zu belegen. Der verfasser verwendet 
nur die letztere im reime: bien: rien 229, 365, 1457, 1515, 
2371, 2551, 2671, 3215; sien: rien 1479; der copist scheint 
mit einiger consequenz die beiden formen zu scheiden, und 
zwar indem er flir das substantivum -rien, cf. 1018, 1230, 
1625, 3177, fur das pronominale -riens verwendet. cf. 517, 
985, 1403, 1512 u. s. w. 

Adjectiva. 

Bei den adjectiven der 1. classe bietet sich ausser den 
beim substantivum erwåhnten verstossen gegen die declinations- 
regel (das adjectivum ist dort substantivisch gebraucht) kein 
anlass zu bemerkungen. Von den fruhzeitig zu dieser classe 
iibergetretenen adjectiven zweier endungen im lat. sind: dulcis, 
follis und communis zu belegen; letzteres meist im adverb. 
communement 18, 1322 . . .; douz 2991, 2993, douce 33, 39, 
3333, 3991, fons 1112, fole 1494, 3756, foles 3458. 

Das neutrum des adjectivums, das meist als prådicat zu 
einem neutralen pronomen zu belegen ist, erscheint in dem 
nach Mali, Comp. p. 104 als formelhaft feststehenden voirs 
auch mit flexivischem s, so (fest voirs 153, 628, 1118, 1253, 
1382, 2008; ce fu voirs 1429, 1430; c'estoit voirs 1703; da- 
neben die unflectierte form 1095 Estre ce voir pourroit und 
ferner 1187 Boen est. Ohne flexivisches zeichen steht das part. 
passé: ce fu feit 1074, 1075; 3401 Tout ce qu'est né und in vers 
437, wo das subject durch einen ganzen satz mit que reprå- 
sentiert wird: conté li fu Qu'il avoient . . .; auch das ab- 
solute poss. pron. ist in neutraler function ohne flexionszeichen 
3762 Trestout soit tien. 

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— 66 — 



Die afz. adjection der II» classe auf -re siehe oben pag. 62. 

Die adjectiva der III. classe und die part pr oes. zeigen 
die gleiche flexion: flir das masculinum: nom. sing. -s und 
obl. plur. -s; obl. sing. und nom. plur. endungslos; belege sind 
z. b. nom. sing.: 1444 puissanz, 2320 joianz, 1137 vaillanz, 
1440 pouissanz, 295 puanz :habitanz, 1234 granz, 275 loiaus 
(:faus), qués 1419..., queiis 2637; obl. sing.: 839 loial: 
esperital, 2422 loial, 1300 souduiant, 2582 vil, 239 seant: 
menjant, grant 852 . . ., omnipotent 3238, 2598; nom. plur. 
526 puant (:enfant), 1825 gwøZ; obl. plur. 975 veanz: 
alanz, 1330 granz (: enfanz), 3999 1214 pouissanz, 
2846 #øn^, 3590 viez; fehler, die sich der copist zu schulden 
kommen liess, sind 995 Si vil estoit et si puanz und 2726 
Li plus granz feis. Dem verfasser fållt zur last die ver- 
tretung des nominativs durch die flexionslose form in prådi- 
cativer stellung, 3493 La grant estoire dou Graal : Par 
nul homme qui fust mortal, ein verstoss, den Andresen wohl 
mit recht durch die notwendigkeit des reimes entschuldigt. 
Nicht als verstoss ist omnipotent im vocativ anzusehen, 2879 
Et prie Dim mout tenrement : Peres Diex, rois omni- 
potent, da dasselbe håufig dem reim zu liebe in der accusativ- 
form verwandt wird. 1 

Von den femininen dieser adjectiva begegnen keine der 
I. classe analog gebildeten formen ausser wenigen belegen fur 
tele, quele, wie sie sich håufig schon im 12. jh. finden, cf. tele 
32, 1696, quele 1074, 3513, 3976 und vor vokalischem anlaut 
2384 tele ordure, 4003 quele eise. Die vor femininen håufigen 
fermen teu und queu siehe oben pag. 25. Belege fur die 
femininen adjectiva sind nom. sing. fleiranz 37, grevanz 2100, 
nuisanz 845 (imescreanz), granz 727, 1066; obl. sing. 
tel 130, 166, 1796, 2742 3902,; quel 1370, 2884, 3115, 
3214; vil 1208, soufisant 1172, grant 103, 120, 132, 475 v 
719 u. s. w.; nom. obl. plur. granz 469, 2391, 2446, gentius 
3724, avenanz 3724. 

Verstosse gegen die declinationsregel begegnen in prådi- 
cativer stellung 2065 Si vileinne iert et si puant (tautretant)» 
2256 Que la vertu de Dieu est grant (:li enfant). 

1 cf. Beyer, Flexion des Vokativs, ze. VU, 28. 



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— 67 — 



Einen weiteren beleg fur das fehlen der analogischen feminin- 
form bei adjectiven dieser classe liefern auch die adverbia 
auf -ment, z. b. griément 2111, briément 3579, loianment 
3254, gramment 1406, vilment 476, 1902, erramment 1251, 
1346 . . ., esperiteument 3599, soutiument 3600, forment 
696, 705, 1058 u. s. w. 

Adverbia von adjectiven der L classe bieten nichts be- 
sonderes, cf. vistement 471, kardiement 472, durement 429, 
privéement 335, 3420 u. a. m.; delivrement 467 ist von dem 
suffixlos gebildeten delivres abgeleitet. 1 

Von dem unverånderlichen viez = vetus (cf. 3590 viez acc, 
plur. mase.) ist keine analog, femininform zu belegen. cf. 1030 
Qxiil avoient, vies et anties (sc. maladies); 2951 la viez loL 

Zu den bereits genannten organischen comparativen sind 
nur die neutralen formen mimz 74, 565, 1826, 2504, 3070, 
3209, 3218, 4001 und pis 1059, 3832 hinzuzufttgen. 

B« Pronomen, 
a. P«rsonalpronomina. 

Die I. person lautet in satzbetonter wie unbetonter stellung 
mit zwei ausnahmen nur je, das gelegentlich auch ge ge- 
schrieben wird. je et mi V chevalier 443, je 842, ge 925, 
3375. Von den beiden ausnahmen ist 1347 fussé-ju : Jhesu, 
bereits unter dem vokal u erSrtert, die andere 418 ju en 
revenrei mag durch den schreiber in annåherung an das pikard. 
jort hierher geraten sein. Denn bei dem mangel der haupt- 
merkmale sind diese beiden formen nicht flir lothr. burg. 
geltend zu machen. 

Das im text gedruckte jou 2081, 2799 aus je le siehe 
pag. 20. 

Die oblique form des satzunbetonten pronomen ist me; von 
der 2. pers. te. Die obl. formen des satzbetonten pron. der 
1. und 2. pers. sowie die absolute form des flexiven se: moi, 
toi, soi sind bereits unter oi, pag. 43, besprochen. Im plural 
lauten betonte und unbetonte formen der pronomina der 
beiden ersten personen in allen casus: nons und vons ohne 
ausnahme. 

1 cf. Forster, Aiol 3493. 

5* 



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— 68 — 



Das pron. der UL person hat fur das masculinum im 
nom. sing. il z. b. 376 il et tuit si compeignun, 3299 il; im un- 
betonten dat. li (fur mase. und fem.) z. b. 112, 126 . . .; acc. le. 

Die betonte form des obl. ist lui z. b. 199 å lui, 200 souz 
lui, 719 seur lui; iiber die gelegentliche vertretung desselben 
durch die satzunbetonte form li und die betr. reime siehe 
unter i pag. 45. 

Der sing. des femininums ist im nom. eie 37, 38 . . ., im 
acc. la, das vor vokal, apostrophiert wird; die absolute form 
lautet li z. b. 36 en li; 133 et li et tonte sa meisnie; ferner 
196, 758, 1502 . . .; der plural ist eies, satzunbetont. acc. les; 
dat. plur. ist fur mase. und fem. leur, neben dessen zahlreichen 
belegen sich nur einmal lor 1383 vorfindet. Als pluralform 
des absoluten mase. pronomens sehen wir im versinnern nur 
einmal aus 1329 neben dem sonst ausschliesslichen gebrauch 
von eus 170, 253, 428, 544, 587, 1216, 1251, 1280, 1345, 1374, 
1399, 1445, 1483 . . . ; im reime begegnet eus nicht. (cl aus 
unter au.) 

b. Possessivpronomina. 

1. auf eine person beziiglich: flir die erste person ist die 
satzunbetonte form mes z. b. mes hoens amis 815, Messires 
3461, mes sires 1323, mes peres 819; obl. sing. mon, iiber- 
wiegend jedoch in der geschwåchten pikard. form men ver- 
treten. c£ 747, 824, 907, 908, 1193, 1601, 1612, 1644, 1884, 
2056, 2490, 2852, 3055, 3103, 3245, 3683; nom. plur. mi z. b. 
443 mi chevalier, 2478 mi compeignon, 3248mt en fant u. a.; 
obl. plur. mes z. b. 1170 mes despens. 

Im fem. sing. steht ma, dessen vokal vor vokalischem an- 
laut elidiert wird: z. b. 3933 m'amie; der eintritt der mas- 
culinen form wåre zu belegen in 452 Nus ne Varoit, å mon 
honneur, da honneur meist als fem. gebraucht wird. Die 
vertretung des ma durch mon ist jedoch ausser in lothr. 
denkmålern erst spat håufiger zu finden; es liegt daher nåher, 
honneur als mase. zu fassen, zumal die w orter auf -or leicht 
im geschlecht schwanken, c£ Vising, der honneur als mase. 
belegt, und weitere beispiele des geschlechtswechsels bei Ditt- 
mer, p. 50. Die pluralform ist mes z. b. 1086 mes filles, 2383 
mes douleurs. 



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— 69 — 

Fur die II. person steht im mase. nom. sing. tes. cf. 2495 
tes serourges, 3008 tes niés; der obl. sing. ten neben dem 
gemeinfrz. ton; so 823 ten se>*vice, 839 ten cuer; ferner 847, 
917, 1802, 2469, 2503, 2512, 2514, 2538, 2791, 2792...; 
schreibfehler ist 2494 te flir ten. 

nom. plur. ti z. b. 3400 ti air; obl. plur. tes (fur mase. u. 
fem.) 885, 2826 . . .; nom. acc sing. und nom. plur. fem. sind 
regelmåssig ta und tes. 

Entsprechend gestalten sich die formen der III. person: nom. 
sing. ses z. b. 258 ses louiers; 423, 1241, 1306; obl. sing. sen; 
40, 138, 201, 560, 709, 972, 1115, 1203, 1231, 1242, 1571, 
1577, 1604 u. s. f.; das gemeinfrz. son ist daneben fast ebenso 
håufig: 7, 106, 167, 171, 189, 276 . . .; nom. plur. si: 376 si 
compeignon; åhnlich 586, 615, 894 . . .; obl. plur. ses; 246, 
321, 596 . . .; fem. sing. nom. u. obl. sa u. mit elision z. b. 
56 s'offrande, 774 s'uevre, 3005 s 9 oroison 9 3346 s'onneur, 
3926 s'autre suer; — nom. acc. plur. ses 1256, 3175. 

2. auf mehrere personen beziiglich treten uns nostre und 
vostre in den gekurzten pikard. formen no und vo entgegen. 
Dass sie dem verfasser eigentiimlich sind, ist bereits oben dar- 
gelegt; pag. 22. Auch beim absoluten pronomen ist die ge- 
kiirzte form zu finden, z. b. 1439 seur les noz . . ., doch 
gehort diese ebenso der Normandie wie den centralen mund- 
arten 1 an. 

Die gemeinfranz. nostre, vostre sind in der minderzahl 
vor consonant. anlaut, wo allein sich entscheiden låsst, ob die 
gekurzten oder volleren formen die urspriinglichen sind. An 
belegen z. b. nostres 13, 90, 125 . . ., nostre 1544, 1665 . . .; 
vostres 2452, 2980, vostre 808, 868 .. . 

Das pron. poss. der III. person leur ist weder flir das fem. 
noch im plur. veråndert. 

Die absoluten pronomina possessiva, beziiglich auf eine 
person sind flir das mase. belegt in den reimen bien : mien 827, 
1359; sien : rien 1479 ; siens : biens 2411 ; im versinnern 2976 
si sera miens; 3030 le mien sanc ; 3762 Trestout soit tien ; neben 
ihnen, aber nicht im reim, die altertiimliche form suen 2554 as 
suens; 3257 deseur le suen commandement; 3838 Etpour Us 

1 Dittmer pag. 57. 



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— 70 — 



suens ; eine form \ die Metzke noch fiir das 13. jh. in franzischen 
urkunden nachweist. Auch die Champagne und der westen haben 
an dieser erscheinung teil (cl Chev. au lion 1209 tuens: buens), 
wåhrend das nordostfranz. sprachgebiet schon am ende des 

12. jhs. sich die analogischen neubildungen geschaffen hat; und 
zwar ist das ostliche wallonische dem westlicheren und dem 
pikardischen vorausgeeilt, in denen im 12. und 13. jh. tuen, 
suen noch regelmåssig begegnen. Jedoch haben sie die neuer- 
ungen am ersten aufgenommen. Wir wiirden hierin also fiir 
den verfasser einen wallonischen, allenfalls pikardischen zug 
gefunden haben und ausser dem franz., champ. und den 
westlichen mundarten noch das anglonorm. ausschliessen 
konnen, in welchem monophthongisches son, resp. sun zu 
hause ist. Flir den copisten kommt, da er tuen, suen neben 
tien, sien hat, das franzische mit hinzu, weil in ihm im 

13. jh. beide nebeneinander tiblich sind. 

Die femininen formen sind belegt 688 en moie verité, 
2740 EU n'est pas moie, 2822 la teue, 1204, la seue 
amistié, 2958 la seue espousée. Ein pikard. miue, das auf 
fruheres mieue zuriickgehen wiirde, ist nicht vorhanden und 
fiir den verfasser auch ausgeschlossen durch den reim: 3397 
joie:moie, der zugleich von norm. und anglonorm. meie ab- 
sehen låsst. teue und seue sind vornehmlich eigentum des 
franzischen dialects und werden von benachbarten dialecten 
wie z. b. dem champ. adoptiert. Ein in letzterem seit mitte 
des 13. jhs. neben toe, soe 2 tretendes, von der masculinen 
form abgeleitetes tienne oder sienne treffen wir in unserem 
texte ebensowenig an, wie die im pik. lothr. seit dem 13. jh. 
analogisch gebildeten toie und soie? Desgl. sind norm. anglo- 
norm. und wall. champ. toe, soe, resp. tue, me ausgeschlossen. 

e. Demonstrativ-pronomina. 

1. Ecce-ille- der nom. sing. der satzbetonten form icil ist 
nur vereinzelt zu belegen; 791 jesui icil; 2928 icil demoura; 
vorwiegend ist die satzunbetonte form absolut gebraucht: 784 
cil vendi; 1489 dl ha; 1723 cil doit; 1082 cil dist; 2064 
cil respont; 2817 cil revenra; cil qui 2058, 2061, 2196 . . . 

1 Dittmer pag. 6. 8 cf. Iwein 39 LO la sot:desnoe. 9 Dittmer p. 41. 



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— 71 — 



Die mit dem analog, nominativ -s gebildete, dem pikar- 
dischen eigene form dus ist zu verzeichnen: vers 325, 870, 
1420. 

Im obl. sing. ist nur das von dem satzunbetonten pronomen 
entnommene celui vorhanden: célui qui 1845, 2325, 2326, 
der nom. plur. lautet mit einziger ausnahme icil 3555 nur 
til: 589, 697, 849; til dient 291, 549; til qui 631, 1128, 
1476 . . .; im obl. plur. ist wie bei dem personlichen pro- 
nomen der III. person die franzischnormannische form ceus 
allein vertreten: 601, 1053, 1213, 1262, 1392, 1847..: 
Ein reim ist nicht vorhanden. Die betonte form des femi- 
ninums ist celes 571, 1476. Die unbetonte form lautet im 
nom. sing. mase. til, cf. 1013 ett Vaspctsiens ; 1471 eil 
prophetes etc; nebenform icil in 2527 tett Kus wiz; obl. sing. 
cel z. b. 2520 cel endroit, 3580 cel avenement, 3903 cel afeire 
und icel: 11 å icel tens; im nom. plur.: ett cf. 1191 eil miracles, 
1737 eil puant larron; vom femininum ist nur der sing. 
belegbar: eele part 527, cele taule 900 etc. 

2. Ecce-iste ist in absoluter stellung nur im nom. sing. 1731 
cist ha und 3539 tist ha destruit, im obl. sing. cestui-ti avoir 
doi 2975 und das femininum in 1628 comme ceste belegt; 
die unbetonten formen des mase. sind nom. sing. cist z. b. 
2789 tist Hus, 663 cist consauz 907, 3134, 3527; pikard. 
wallonisches tis treffen wir nicht. Im obl. sing. steht einer- 
seits cest z.b. 19 cest siecle (åhnlich 342, 357, 414, 481 etc); 
andrerseits die seit anfang des 12. jhs. schon nachweisbare 
gekiirzte form ce flir cet, resp. cest in 231, 3489 å ce tens, 
661, 666 ce consett, 3727 ce riche homme, 2386 ce mal, 2451 
2762 ce veissel; daneben ice flir icest in 836 ice jour und 
3843 ice tens. 

nom. plur. mase. ist nicht belegbar; obl. plur. ces 3382, 
3557; nom. obl. sing. fem. ceste: 146, 728, 1189...; nom. 
obl. plur. ces 877, 921, 941, 1517 . . .; schreibfehler sind 533 
ceste homme und 3073 cest choses. 

3. Ecce-hoc ist nur als ice zu belegen 623 ice; 161 par 
ice; 358 pour ice; meist tritt ce daflir ein: ce 1121 ; en ce 24, 
pour ce 105; eine form mit vollerem vokalischen element 
findet sich nicht. 



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— 72 — 



d. Relativ-pronomina. 

Mase. und fem. im nom. sing. und plur. qui; cl 47 qui 
andui aneien estoient, 60 ki estoit, 101 ril sires qui; im 
dat. acc. wechseln cui und que. Ersteres steht meist nach 
dem demonstrativ-pronomen: ril cui 2743, 2795, 2899 oder 
celui qui 1420, 1445, 3303, oder nach praepositionen 418 
å cui; 3303 pour qui; 3877 de cui. Håufiger ist que, auf 
personen und sachen beziiglich. tiber die elision des relativums 
vor vokal siehe oben; ebenso den ersatz des nominativs qui 
durch que. Auch die wechselnde schreibung ki, qui und elidiert 
c\ qu' ist bemerkt. Das neutrum lautet satzbetont quoi z. b. 
834 ( : moi) ; 1981 pour quoi ; 3546 par quoi ; satzunbetont que. 

Wie das relativum, so lautet auch das interrogativ-pronomen. 

Die adjectivische form beider pronomina, quel, s. u. ad- 
jectivum. 

e. der Artikel 

fur das mase. nom. sing. li z. b. 573, 593, 980; gen. sing. 
dou z. b. 159 dou Pere; 160 dou saint esprist; 162 dou 
povoir u. s. f.; ausnahmsweise do 2654 do veissel und 432 
del juste ; dat. sing. au z. b. 62 au chemin, 364 au fil, 115 
au dent etc; acc. sing. le, das mit en die verbindung ou 
eingeht: cf. 55 ou temple, 52 ou desert, 26 ou fil etc; ou 
sowohl wie dou sind urspriinglich und vorwiegend dem pi- 
kardischen eigen, sie dringen aber so friihzeitig ins franzische 
ein, dass sie nicht als speziell pikardisch geiten konnen. 

nom. plur. li cf. 2 li petit et li meneur ; 232 li chambre- 
lain; 355 li darrien; 356 li premier. 

Eine angleichung des weiblichen artikels an . den månnlichen, 
wie sie im pikardischen auftritt, kommt nicht vor. nom. sing. 
la, gen. sing. de la, dat. å la. 

Die gemeinsamen pluralf ormen sind: nom. acc. les; gen. 
des und dat. as; diese regelmåssig mit ausfall des l, beweist 
fur einen dialect nichts. 

tfber die contraction en + les>és siehe oben. 

Was das pronomen indefinitum betrifft, so sind chascun, 
resp. chaucun, aucun, sowie tuit und tout besprochen. Die 
iibrigen: untes, nullus, das frz. mainz erfordern keine be- 
merkung. 



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— 73 — 



2. Conjugation. 

L Personen. 

Die I. pers. sing. ind. praes. und die I. pers. sing. conj\ 
praes. der I. sw. conjugation sind im afz. endungslos, doch 
treten bereits in denkmålern des 12. jhs. formen mit para- 
gogischem -e auf, von denen auch unser denkmal belege bietet: 
9 A icel tem que je vous conte: 405 Et mes sires riens m l en demande; 
Et roi et prince et duc et conte ; „ Je vueil savoir et se'l commande : 
336 Demanderoie, meis jen'ose(: chose) 3501 Ausi, comme d'une partie 
929 Ge rtose conter ne retreire; Leisse, que je ne retrei mie; 

3235 Une chose dire vous ose (: chose) 479 Que je V oste de cest despit. 
Unentschieden bleibt 3509 Meis se je or les leisse å tant. 
An ålteren formen sind dagegen zu verzeichnen: 

a. im versinnern: 
93 Bien os dire, si con moi semble 2454 Ainsi vous prv-je et requier 
455 Je demant le cors de Jhesu 2009 Je ne quit mie ne ne sent 
1510 Je vous pri que la nous moustrez 3247 Je li commant et vueil prier. 

b. im reime: 

795 je vous pr oi : de moi, 2467 -Meis une chose te commant: grant, 

2919 que te proiia la loi, 3761 le remennant :j'ou te commant, 

1 733 vous pri : mon ami, 3277 ha dit dl m'en couvient aler, ce quit, 

1339 tempereres li respondi: 3945 hig de ci:ce vous afi, 

BiausfiuZjjou vueU, si vous en pri. 3241 Pour ce vueil et sile desir : obéir. 

Andresen fiihrt das vorhandensein der jiingeren formen in 
unserm denkmal einerseits auf den einfluss des reimes zuriick, 
andrerseits auf die notwendigkeit, der silbenzahl der verse 
gerecht zu werden. Diese beiden factoren mussen allerdings 
unsern verfasser stark beeinflusst haben, denn, wenn auch der 
prozentsatz der ålteren und jiingeren formen, wie Friedwagner 
p. 110, des weiteren ausfiihrt, nur relativ die abfassungszeit 
eines denkmals bestimmen kann, das verhåltnis 16 : 7 wiirde 
uns auf eine zu spåte zeit des 13. jhs. weisen. AUein wie 
schon Benoit formen mit paragogischem e hat und die 
in den denkmålern aus dem anfang des 13. jhs. nachgewiesenen 
jiingeren formen vermuten lassen, kann das auftreten der 
letzteren im 12. jh. nicht zu spat begonnen haben, wenn sie 
auch vornehmlich unter der einwirkung der von Andresen 
geltend gemachten factoren in den denkmålern erschienen sein 
werden. 



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— 74 — 



Die L pers. sing. praes. ind. der ubrigen conjugationen zeigt 
kein analogisches -s, cf. die reime croiiloi 267, :moi 2321, 
2765, 2999; :soi 3483; sai:sarai 891, :ai 1047, 1097, 1373, 
: direi 2071 ; di : il naschi 143, : ainsi 3843, : respondi 3007 ; 
sent : vileinnement 2009. Ebenso die sprache der iiberliefe- 
rung nur sai 1934, 2003; di 3375; mi 127, 741, 775 . . .; 
doi 323, 2976; voi 419, 2005; croi 729; mit guttural im 
auslaut nur je vieng 1024. Zu d<mer ist døin$ 3245, zu 
espérer das adverbial gebrauchte espoir 1371, 2745 zu be- 
merken. 

Die I. pers. perf. zeigt analogisches s nur in je vins 745, 
3017, guttural in je ving 1607, alle ubrigen perfectformen 
der I. person sind regelmåssig, cf. sen 1368, pm 1369, vi: 
01 685, :issi 1949, :anssi 2443, benet : jtiesdi 895. 

Zur II. pers. sing. ist nur z fiir urspriingl. s zu erwåhnen 
in dtz 330. 

Die III. pers. sing. ind. praes. der I. sw. conj. endigt auf -e. 
Der abfall des urspriingl. -t, sowie die nicht-geltung des 
auslautenden e vor vocal. anlaut sind besprochen pag. 56. 
menjut 385 fiir menjue ist versehen des copisten. Der ab- 
fall des t in den perfectformen der ubrigen secundåren verba 
und fut. såmmtlicher verba ist ebenfalls behandelt pag. 56. 

Die III. sing. praes. conj der I. sw. verba ist nur regel- 
måssig belegt: gart (und åhnlich) 3027, 3064, 3066, 3233, 
3370, 2339, recommant (\avant) 3369, oblist (:escrist) 
2116, ajust 1696, paront 2999, demeurt 3384, quit 3511, 
leit 2491. 

Als endung 1 der I. pers. plur. praes. und fut* ist zu- 
nåchst die am meisten vertretene -ons, resp. uns zu con- 
statieren. Der copist schreibt so ausschliesslich und auch der 
verfasser vornehmlich: cf. 3685 Nous avuns : compeignuns 
und awms istins 2391, 2611, 4003, savuns:suns 3892. 

Zweitens kennt der verfasser noch die normannische und 
westfranz. endung -on: cf. 1429 nontcéleron, 2867 iferon, 
doch bietet diese verwendung ein wenig sicheres kriterium 
fiir den dialect eines denkmals, da auch dichter, die dem 
centralen und nordSstlichen sprachgebiete angehSren, sich 

1 Betreffs der entstehung von -ons cf. Bom. XXI Meyer LUbke u. O. Paris. 



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— 75 — 



ihrer bedienen, um reimverlegenheiten zu entgehen. (cf. Lo- 
rentz, p. 37.) 

Ein -ommes ist im praes. nicht zu belegen, abgesehen von 
sommes, das sich durch die silbenzåhlung ergiebt; jedoch 
konnte man fur oben genannte avunsisuns, savuns:suns 
auch die erweiterten formen vermuten, zumal in anlehnung an 
die im impert zu constatierenden -iemmes, -lammes. Summes 
wie stins verwendet der verfasser beliebig cf. suns 1460, 2159, 
2648, 3984; summes 1161, 2628, 4005. Fiir einen bestimmten 
dialect beweist das auftreten von summes allein jedoch nichts. 
Es ist fruh in allen teilen des contingents und auch im 
anglonorm. verbreitet. Suns ist im fruhen afz. selten, es wird 
nach Meyer-Liibke II, 253 erst seit dem 13. jh. håufiger und 
ist dann in vielen dialecten, hauptsåchlich des nordens, ostens 
und centrums nachweisbar. 

Der I. pers. plur. imperf. ind. und des conditionals 
ist erstens die endung ions gesichert durch 1963 pourrions : 
savuns, 1137 hom : pourrions, 3535 euidions : hons und 
zweitens die endung -iens 2405 Oil, certes, il ha lone tens: 
Tant cum péumes Vendurens. Letztere gehort nach Suchier, 
Apfélstedt und Wailly (Joinville p. 374) besonders dem ost- 
Uchen gebiet, der Pikardie, Champagne, dem Wallonischen und 
Lothringischen an, zieht sich durch die Ile de France (Metzke, 
Arch. 65, p. 90) bis nach der Bretagne, wo sie (Gorlich, Nordw. 
dial. 79) sporadisch in Urkunden auftritt und im Livre des 
Man. des Bischofs Estienne de Fougiéres (das G. fiir bre- 
tagnisch nachweist) durch den reim prenien : crestien weiter 
beståtigung findet. — Was die heimat unsers verfassers be- 
trifft, so wird sie von diesem punkte aus dem iens-gebiete 
nåher zu riicken sein, zumal dieses ferner in anspruch ge- 
nommen wird durch die dritte endung der L pers. plur. 
imp. und cond., d. i. iemmes, (cf. 3607 Nous essaiemmes 
et véismes), das bemerkenswerter weise als iammes vorliegt, 
im versinnern zunachst 1969 Et que li touriammes la 
vie und 1192 Et se nom poviammes avoir und zweitens 
im reim 1967 Tout ensemble nous conseillammes (L pers. 
plur. perf.): Que Joseph tout vif penriammes; zur erklå- 
rung dieser form werden wir von -iemmes auszugehen haben. 



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— 76 — 



Dem verfasser waren -ommes und -iemmes bekannt; der reim 
verlangte ein -ammes, so komite er sich in anlehnung an die 
erweiterten endungen und die endungen, die ihm das perf. in 
der Lplur. in leissames 647, 2268, alames 648, baillames2267 r 
bot, diese neue conditionalform gebildet haben, vorausgesetzt 
dass iemmes auf den gebieten, wo sich sein auftreten mit der 
entwicklung von femme > farne beriihrte, nicht eine diesem 
worte analoge entwicklung erfahren hatte, wofiir uns freilich 
die beweise fehlen. Auch in den nichterweiterten endungen 
von iens ist a fur e zu bemerken, cf. 1974 arians, 2344 oserians, 
1458 déliverrians, 1482 amerians, 3621 deverians, zu denen 
an imperfectformen des conjunctivs noch 1461 méissians und 
1480, 3632 péussians hinzukommen. Dies ist, wenngleich es nur 
den schreiberzunåchst betrifft, um so auffallender, als die scheidung 
zwischen an 4- cons. und en +cørøsmit grosser consequenz durch- 
gefiihrt ist und die wenigen ausnahmen kaum in betrachtkommen 
konnen. Wie steilt sich dieses iansfixriens dazu?Die eine moglich- 
keit ist: zur zeit des copisten begann der ausgleich der im- 
perfectformen auf dem -iøns-gebiete, und wir mtissen bei dem 
nebeneinander von tuns, ions, ians, iens in -ians eine iiber- 
gangsstufe zu dem immer mehr um sich greifenden franzischen 
-ions sehen, die auch vorliegen konnte, wenn der copist einem 
zwischen dem -ions- und dem iens-gébiete gelegenen grenz- 
gebiete entstammte. Eine zweite moglichkeit: der copist hat 
die formen vorgefunden und wir setzen sie in beziehung zu 
erscheinungen, wie sie Gorlich (Nordw. dialecte p. 79 ff.) aus 
urkunden der Bretagne, Anjou und Maine nachweist, cf. a. a. o. 
faisans, otroians, voulans, savanz, voulans, greans, und 
zweitens Burgass p. 18, einmalig in voulans neben mehr- 
maligen -iens belegt. Eigentiimlich ist ja in den von Burgass 
citierten ortsnamen die tonerhohung des o>a vor nasal, ob 
aber die im unserm texte belegten conditionalformen und im- 
perfecta conjunctivi denselben parallel zu steilen sind, muss 
vor der hand, aus mangel an entsprechenden belegen unent- 
schieden bleiben. Auch die von Meyer-Liibke II, 175 con- 
statierte endung der I. pers. plur. auf a in einem nordost- 
lichen gebiete bezieht sich nur auf das praes. und nicht wie 
hier auf imp. und cond. 



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— 77 — 



Neben -ians stehen -dens: 1445 aviens, 3611 peussiens, 
3906 saviens; -ens: 2406 endurens; ions: 767 estions, 3568 
avions, 3557 prenions : tourmentions, 3705 deverions, 1138, 
1437 pourrions, 3628 péusmns; luns: 1800 voliuns, 1963 
pourriuns, 1991 demandiuns, 3706 estiuns, 3663 soliuns; 
also zusammenfassend haben wir fur den schreiber das pik. 
wall. champ. gebiet vertreten mit 4 -lørøs, (resp. -erøs) 8 -tam, 
3 'iammes 9 1 -temmes; das franzisch-normannische mit 8 -ions 
und 5 iims; fur den verfasser das verhåltnis der franzischen 
zu den iibrigen formen wie 5:5. 

Fiir die L pers. plur. praes. conj. ist iens ausgeschlossen, ct 
2625 savuns : puissuns. 

Bei der I. pers. plur. perf. begegnen wir einem zug des 
wallonischen dialects ; es ist die nur in den Dialogen Gregors 
entsprechende erscheinungen findende contrahierte oder viel- 
mehr organisch entwickelte endung ins fiir imes; 1 die silben- 
zahl der verse sichert sie fiir den verfasser in 1977 Nous 
oins dire et tesmoignier und der copist hat sie iibernommen 
im reim 3577 nons pourvéins : nous votissins; dazu 
wenige verse vorher auch uns = urnes 3571 séuns : nous en 
percéuns; sonst sehen wir im text nur regelmåssige formen, 
cf. 1587 véimes: f eimes; 1988 méismes; 1861 préimes: 
aqueillimes u. s. w. 

Zur II. person plur. ist nur zu wiederholen, dass cham- 
pagnisches -oiz in der II. pers. plur. fut. ausgeschlossen ist. 
cf. unter oi. 

Uber den wechsel zwischen ein- und zweisilbigen endungen der 
I. und II. pers. plur. imp. u. cond. ist oben gehandelt; die II. pers. 
plur. praes. conj. ist stets einsilbig; cf. sachiez 1456, 1681, 
1712, 2277, 3682, 3899, 3931, 3939. Schreibfehler ist deussier 
2851. 

Bei der HL pers. plur. ist nur auf die endung -erent im perf. 
der I. sw. verba, und auf das rein franzische irent in firent, 
prirent und das einmalige prisent 1316 zuriickzuverweisen. 
Lat. voluerunt ist uber voldrent zu vourrent entwickelt 
cf. 2376. 

1 Meyer-Lttbke, II, 313; u. Grégor Dial. 212, 16 folns; 88, 8 attendins ' 221, 7 desins 
<537, 12, 266, 7); 265, 70 dtfartins; 277, 6 oins. 



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— 78 — 



II. Modi. 

Der Imperativ der L sw. conjugation endigt auf -e z. b, 
doute 1945, 2207, 2822, pense 2827, conte 3017, cele 3044, 
moustre 3061, oblie 3065, 3096, escoute 2799; das endungs-ø 
ist wiederherzustellen in 2052 Sanz lut feire, n 9 en dovt 
neent und neent einsilbig zu lesen. Von den imperativen der 
iibrigen conjugationen sind regelmåssig di 3039, 3091 . . . t 
fei 2492. 2497, quier 2491, gar 1390, mest 62, 2503, 251 l r 
assié, 2523. Der abfall des -t in mtøi 2083, apren 3319 r 
jftrø» 2503, ist erwåhnt. 

Beim Conjunctiv des praesens sind die von prendre und 
seinen compositis als' characteristica des champ. bekannten 
formen anzuffthren 3583 reviegnent : repreignent ; 3689 qu 9 U 
se feigne:preigne. Sie schliessen die dem normannischen 
eigentttmlichen bildungen auf -ge aus, die auch im innern des 
textes nicht auftreten. 1 cf. 3248 preigne, 3340 mespreigne, 
1756 viegne, 3078 tiegne, 2035 vignes, 1107 vigniez, 2552 
viegnent, 2593 reviegnent. 

Norm. aføø und muerge werden ausgeschlossen durch 3445 
faille : que je m'enaille; 1887 destruire : mnire. Von aller 
sind die vom stamm vado abgeleiteten formen bevorzugt cf. 
3114 voit, 3281 voit, 3969 voist, 2246 voisent*, 3357 

Von doner ist doignent 3183, von parler : 2999 parout, 
von aicfør 1896 zu belegen. 

Von jrøøir ist die analogisch gebildete, seit mitte des 12. jhs* 
auftretende form puist durch das versmass gesichert, cf. 1526 t 
1606, 3076, 3231, 3630. 

Von dire ist der spåtere analogische conjunctiv -ise noch 
ausgeschlossen, cf. 65 que je die: acomplie; 1849 vttenie: 
maudie; 3063 redieimie; 2269 die. 

Beim conj. imp. der primåren verba der III. classe sind 
zwei bemerkenswerte ausnahmen von dem sonst beobachteten 
franzischen standpunkte vorhanden, welche die pikardische 
betonung -isse stått -usse bezeugen: von croire 2075 llcou- 
vendroitqu'en lui crélssesiféisses und von pooir 3301 Pour 

1 Diez* n, 578, Burgny I, 243; Willenberg, Rom. Stnd. UT, 873. 

9 tfber voise von dem nach estois analog gebildeten vois siene Schwan, Gram. § 433, 1. 



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— 79 — 



ce que voir dire pouist :mentist; 3537 naschist: pouist; 
3659 pouist : deist Diese drei letzteren belege des dem nord- 
ostl. sprachgebiete und den dialogen Gregors angehorenden 
poist, resp. pouist verleihen créisses erst wert, denn créisses 
konnte an sich, wenn keine andern anzeichen der betonung 
-im vorhanden wåren, nur als eine directe folge der indicativ- 
form créi aufgefasst werden, die der reim 751 Par le con- 
seil de VEnnemi : Qu'ele phis tost que Dieu erél dem ver- 
fasser zuspricht. Eine lautgesetzliche berechtigung aus dem 
lat. credidi hat créi nicht, es ist vielmehr eine mundartliche 
analogische neubildung 1 nach den schwachen perfecten auf -i, 
und scheint besonders dem pikardischen eigen zu sein cf. Aiol 
4998 créi (in e. tirade auf i), Dolopatos 148 En aus se créi; 
ferner Diez 5 p. 584. 

Von pooir iiberwiegt iibrigens der conj. imp. in der fran- 
zischen gestalt: péust 517, 1439, 1729: fust, 1133:^, 527, 
2249 : séust. An verben der habui und deftwi-classe sind zu 
belegen: plust:éust 99, fust:éust 1019, 1643, 2695, 2705, 
séust : apercéust 3697. Angleichung hat das der t;aZm-classe 
angehorende morui erfahren in 723 moréust : réust (ravoir). 

In der II. pers. plur. sind die beiden classen vertreten 
créussiez 805; in der III. pers. plur. 1293 séussent : conné- 
ussent, 1339 : apercéussent, 2945 éussent : fussent. 

Die røZia-classe ist mit venist 4, 186, couvenist 3208 
(tféist), vousisse 1084, vousist 408, 1064 (iveschist) zu be- 
legen. Letzteren bildungen nach der $i-classe schliesst sich 
auch valoir an: 3547 nuit : vaussist. 

Bei den starken verben der I. und II. classe ist die aus- 
nahmsweise erhaltung des intervokalischen s in mesist 1772, 
présis 2433 bereits bemerkt. Der dms-typus, auf das per- 
fectum schwacher verba iibertragen, begegnet uns in garessit 
1065 und garissist 1154. 2 

III. Tempora. 

Zum Praes. Ind. ist nach dem, was bei den „personen" 
besprochen ist, nur wenig hinzuzuftigen. An doppelformen sind 
verwandt von otr : ot 498, 2963 und oit 1757, 3205 ( : qui- 

1 Meyer-Lttbke, II, 329. 
a Meyer-Liibke, II, 339. 



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— 80 — 



doit) von celer : cele 3004 und coile 2833; von estre begegnen 
innerhalb des textes die diphthongierten formen ies 127, ietes 
2638 neben dem regelmåssigen gebrauch der nicht-diph- 
thongierten. Von aller ist nur va in der III. pers. sing. be- 
legbar, cf. 2431 va : s 9 agenouilla, 3303 : verra, 3479 : arresterq. 
3793:<mvrø, 3801 estrangla. 

Beim imperf. i/nd. ist vornehmlich an die mischung der 
formen såmmtlicher conjugationen zu erinnern; (siehe oben 
unter oi). Von estre sind die aus dem futurum tibertragenen 
formen zu nennen: iert 736, 994, 996, 2065, 3888; ierent 
422 (: s'escrierent) neben den iiberwiegenden formen estoie, 
-es, -t, -ent, z. b. estoie 4008, estoit 55, 210, estoient 47 u. s. w. 

Vom perf. ind. sind die formen der starken verba der 
III. classe von grosser wichtigkeit. Eine starke mischung der 
verschiedenen dialectischen formen tritt uns entgegen. Zu- 
nåchst finden sich in der iiberlieferung im innern und auch 
im reim die formen der /taftm-classe meist in der pikardischen 
gestalt, eu, eut, z. b. eu, 682, sen 817, 1308, eut 50, 108, 
109, 117, 131, 134, 176, 200, 218, 295, 395, 598, 603, 611, 
665, 697, 761, 819, 1049, 1085, 1091, 1093, 1135, 1273, 
1298, 1362 u. s. f.; sent 860, 1297, 1495, 2481, 3153, 
3753, 3841, 3862; pleid (placuit) 604, 1684, eurent 382; 
seurent 605. Seltener sind dann die normannisch-franzischen 
formen, z. b. ot 118, 475, doch gehoren sie auf grund der 
reime otimot 1115, 1271; mot: plot 2285 augenscheinlich der 
urspriinglichen mundart an. Endlich ist das altere nor- 
mannische sont zu nennen, im reime 1499 sont: vont; und wieder 
im gegensatz hierzu das nicht normannische é stått o in den 
endungsbetonten formen in den reimen: 3029 etisirecéus, 3571 
sétins : percéuns. 

pooir ist meist in den pikardischen formen vorhanden. cf. 
1085 eutipeut, 605 seurent ipeurent; dann aber finden wir 
die dem norden und osten der langue dVil characteristische, 
sich an *podis anschliessende form povmes vers 3608 En 
tontes choses qne poimes : véismes; im versinnern nur pik. 
franzisches pens 821. 

plaire zeigt neben den genannten plot 2286, pleut 604, 
1684 und ebenso taire verschiedentlich angleichung an die 



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verba der debui, resp. nøcwt-classe, deren einwirkung nament- 
lich bei zwei sich in ihren consonantischen bestandteilen so 
gleichenden formen wie die aus *plovuit und *placuit ent- 
wickelten formen nåher liegt, wie die angleichung der stamm- 
betonten formen an die endungsbetonten, flir die die ersten 
anzeichen erst seit der mitte des 13. jhs. zu belegen sind. 1 
Der einfluss des reimes wird zudem nicht zu unterschåtzen 
sein. Wir sehen im reime 211 fust:ainsi liplnst, 99 plust: 
éust, 273 connurent : turent, 2097 plurent : plurent und im 
versinnern plut 1712, 2144, 3499, plust 2862, tust 2295. 

Was die verba der debui und røøcm-classe selbst betriffit, 
so ist ein unterschied in den formen der verba nicht zu 
bemerken. ctøw-formen fehlen flir dieses tempus; wir diirfen 
sie aber auf grund der vorhandenen cføw-partizipia voraus- 
setzen; da der verfasser iu:u reimt, so kann sehr gut per- 
ciurent : f urent vorhanden gewesen sein; iiberdies ist es ja 
bekannt, dass stets dm-formen neben den ctøw-formen in den- 
selben denkmalern nebeneinander begegnen. An reimen liegen 
vor 2487 bui.fui, 2313 percurent : f urent, 3523 apercurent: 
f urent, 2843 f urent : dur ent, 3951 crut:dut; im innern des 
textes concut 751, bust 2019, apercut 2530, estut 1588; von 
verben der røørøi-classe: 2099 plut: fust, 273 connurent: 
turent, 2097 plurent : plurent, 2275 f urent : mur ent und im 
versinnern connut 868. 

Von der t/øZm-classe ist je voil 1339 und das nach der st-classe 
gebildete vous 1315 zu belegen; ferner voussis 2042, vousis 
2437, vout (voluit) 135, 137, 331, 994, 2182, 3001 . . ., 
und voust (*volsit) 32, 97, 212, 411, 412, 742, 759, 822..., 
(beide formen sind lautlich gleich, da s verstummt ist) ; vouU 
simes 1805, voussins 3578, voussistes 2753, 2755, vourrent 2376. 

venir ist mit vins 745, 3017 und ving 954, 1607 ; 2. sg. 
venis 2436; 3. sg. vint 717, 3229; 3. plur. vinrent 525, 
vintr ent 1851 zu belegen; dazu die formen der composita: 

devint 1369, 3465, couvint 3466, 1456, avint 1455, 2762, 
revint 3747. 

tenir ist belegt 3. sg. tint 718, 1370, 3230, 3447 und 
3. plur. tinrent 213, 624. 

1 Suchier, 29. II, 286. 

6 



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— 82 — 



Zur valui-d&sse ist nichts zu sagen; ebenso bieten die 
verba der ersten und zweiten starken conjugation nichts be- 
merkenswertes. 

Part. perf. L die partizipia der verba der III. starken 
conjugation sind vorwiegend in der gemeinfranzosischen ge- 
stalt vertreten, c£ a: part der Aaføu-classe éu : vertu (173) : 
endendu (1465, 2401) : Jhesu (1973), éue : nue (119): eschéue 
(1361): véue (1661) ; b: der debui u. nocui-dssse : recéuz: re- 
queilluz 573, esperduz: créuz 73, decéuiapercéu 621, concéuz 
2188, percéu : connéu 2595, respondu : connén 1383, devenuz: 
créuz 2269, connéu 616, :parcréuz 2845, 3202, n& : 
jrørofø 3647, crow 2539, crøks : confunduz 3677, trøwe* : |rør- 
ceije* 3137 ; diesen letzteren zur seite stehen einige gekiirzte 
partizipialformen, die wir angesichts der ausgesprochenen be- 
wahrung der im hiatus stehenden vortonvokale, dazu der 
nichterhaltung des auslautenden -t, nur als dm-partizipien 
auffassen konnen, wenn auch die schreibung nur einfaches u 
zeigt Diese sind: 131 Eve ent concut si en f ant a; 1270 11 
ha lut ce que dedenz ha; 1277 Et dist : Les lestres lutes ei; 
2806 Or en ha recut sen louier; 2990 Votts ha eslut å lui 
servir. Der verfasser muss also auf dem diw-gebiet oder 
mindestens an der grenze desselben gelebt haben. 

Zu einigen der genannten partizipien kommen noch formen 
hinzu, die direkt aus dem lateinischen entwickelt sind wie 
eslit (hs. eslist):mist 598, iCrist 2998, eslites 3305; neben 
néu 3947 steht das alte é-partizipium nuit 3547 ( : vaussist); 
zu reponre ist das part repus 861 1 zu bemerken. 

Die partizipia der starken verba der si-dasse bieten nichts 
besonderes. cf. mis 564; pris 563, apris 2041, assis 2486 
u. a. m. 

Futurum. Die verba der I. conj. mit dem stammesausgang 
auf nas. oder liqu. werfen das e der infinitiv-endung aus, so 
734 menra, 1545 menrez, 950 emmenrei, 1554 emmenruns, 
450 donrei, 2304 donra, 446, 3379 donras, 1540 donroie, 
2978 donrez, 452 demvurras, 3285 demourrei, 2928, 3124 
demourra, 2346 demourrez, 347 demourrunt, 2750 cøm- 
parra, 3342 comparroit, 2082 aourrei; der ausfall nach r 

1 Zu r«/»j cf. Meyer-Mbke II, 883 n. FOrster, Aiol, Anm. zu 029. 



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I 



— 83 — 



ist namentlich in der Champagne und dem sliden der Pikardie 
håufig, ebenso wie die metathesis von re nach cons. und die 
attraction an das r der inl-endung z. b. 76 enconterras, 151 
rememberrai, 3676 ouverroit, 3566 deliverroit, 1458 deli- 
verrians; auch in soufferroit 8 und couverroit 3157 ist um- 
stellung eingetreten, zugleich repråsentieren die beiden formen 
neben otras 947, orrunt 957, orrez 1100, 1412, morrez 
1904, mourroit 668, requerroie 2763, afferroit 3157 die 
alten formen ohne das spåter neu eingefttgte -i des infinitivs. 

Die einfttgung eines e in die futur- und conditionalformen 
der verba der II. und III. conj. siehe oben u. versbau: desgl, 
die fast ausschliesslich verwandten kurzformen von avoir und 
savoir. 

Zu laissier lauten die futur- und conditionalformen leirei 
814, 3272, leira 444, leirez 2347, Uiruns 2640, leirunt 470, 
leiroit 2960; von venir und tenir sind in der iiberlieferung 
noch die alten formen ohne den diphthong ie ausnahmelos 
vorhanden, cf. revenrei 408, tenrei 407 u. s. w. 

tiber die einschiebung eines dentalen htilfslautes zwischen 
n und r siehe unter R. 

Infinitiv. Beim infinitiv ist nur darauf zuriickzuverweisen, 
dass weder die pikardische reduction wr> ir zu belegen war, 
noch die infinitive véir, séir, chéir der iiberlieferten und der 
ursprunglichen mundart zu kommen. 

Der inf. suir (*sequire) cf. 2439 obéir : suir weist auf keinen 
bestimmten dialect. 

IV. Zusammenfassung 

der in der bisherigen einzeluntersuchung gefundenen, fur die sprache des 
verfassers und das alter des denkmals characteristischen zuge. 

I. Die Sprache des Verfassers, 

1. lat. a in freier silbe ist zu e geworden. Durch diese 
thatsache kommen die siidwestlichen dialecte flir unser denk- 
mal nicht in betracht. Die erhaltenen a in adjectivis mit der 
endung -alis stehen in gelehrten wortern. 

2. an + cons. und en + cons. werden nicht mit einander 
im reime gebunden. Die auseinanderhaltung ist sehr conse- 

6* 



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— 84 — 



quent und spricht fiir norm., pik. wallonisch und die nord- 
westlichen mundarten. 

3. die reime von femina= farne zu ame und dame lassen 
von der nordlichen Pikardie und dem wallonischen gebiet ab- 
sehen. 

4. das suffix -aticum scheint durch den reim 3035 donnei- 
ge : lignage zu -aige entwickelt zu sein, was fiir den osten, 
die Pikardie und den westen sprechen und Normandie und 
De de France ausschliessen wiirde; mit gleichem rechte kann 
der reim fur pikardisch allein (a = ai) geiten. Ein anderer 
beleg bietet sich jedoch weder fiir den nachlaut i nach a, 
noch filr die reduction des diphthongs ai > a. 

5. dem verfasser ist die vielfach im pikardischen nach- 
ge>viesene ausstossung des l in der gruppe -els] = alis nicht 
bekannt. 

6. das fehlen des weit verbreiteten nachlautes i nach e 3 
(entstanden aus a) weist auf Ile de France, Champagne und 
Normandie. 

7. e z = a reimt mit e aus lat. gedecktem p in 2203 
racketer : Enfer, ein reim, der fiir anglonorm. eintreten 
wiirde. 

8. diphthongierung des lat. p in position, die in Flandern 
und Artois auftritt, ist fiir den verfasser ausgeschlossen. 

9. lat. e + i ist uber iei zu i entwickelt, wodurch das 
franz. champ. pikardische von den iibrigen mundarten sich 
sondern, indem der osten (wall. lothr. burg.) ei, das nor- 
mannische ie und die westlichen mundarten wieder ei auf- 
weisen. Das gemeinnormannische untersteht jedoch sehr zeitig 
dem franzischen einflusse und nur das sudnorm. fållt ausser 
betracht, da es mit den westlichen mundarten iibereinstimmt. 

10. die lat. endung -ivus verliert den labial, erfåhrt also 
nicht die pik. wall. diphthongierung zu iu. 

11. die behandlung der gruppe il, ill -f- s ist zwar in diver- 
gierenden belegen vorhanden, doch dtirfte die hauptsåchlich 
pik.-wall. entwicklung zu ius der ursprunglichen mundart zu- 
kommen. 

12. das pikardische service ist durch die im reime mit 
stimmhaftem s belegten formen fiir den verfasser ausgeschlossen. 



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— 85 — 



13. die infinitive veir, seir, cheir stått der gemeinfranzo- 
sischen veoir, seoir, cheoir sind nicht in unserm text zu be- 
legen. Das von cheoir vorhandene schwache perfect weist 
nicht auf einen besonderen dialect. 

14. die pikardischen pronomina mi, ti, si fehlen. 

15. lat gescM. o ist in offerter silbe zu eu geworden. 
Diese entwicklung schliesst die Normandie, die nur o kennt, 
und den westen und osten aus, wo o nicht weiter als zu ou 
entwickelt wird. Es bleiben mithin Ile de France und Pi- 
kardie. 

16. die nomina agentis auf-eoar unterstiitzen den fran- 
zischen dialect, da sich in ihm die formen -eour am långsten 
bewahren. 

17. die durch die reime feststehende nicht-diphthongierung 
des o vor nasal in homo spricht gegen den osten und den 
nordosten. 

18. hinsichtlich der diphthongierung des lat. offenen p in 
freier silbe ist unser text frei von dem schwanken, das norm. 
und anglonorm. denkmåler aufweisen. p ist stets zu ue diph- 
thongiert. 

19. geschlossenes o reimt nirgends mit u, ein punkt, der 
gegen norm. und anglonorm. heimat spricht. 

20. der diphthong ai hat wie ei vor nasal und mehrfacher 
consonanz bereits den offenen «-laut, eine erscheinung, die am 
fruhesten im norm. franz. und champ. zu constatieren ist, 
wåhrend das pik. ai bis nach der mitte des 13. jhs. bewahrt 
und eher ei> ai ubergehen låsst. 

21. reime von ain:ein weisen darauf hin, dass dem ver- 
fasser der im osten stattfindende iibergang von ei > oi vor 
nasal fremd war. 

22. bindungen von ie : e weisen zwar zunåchst auf das anglo- 
normannische, wiirden aber auch mit normannischer herkunft 
vereinbar sein (siehe oben). 

23. iée zu ie reduziert, weist uns wieder nach dem pik. 
wall. lothring. sprachgebiet. 

24. aus vulg. lat. e in offener silbe entwickeltes ei ist zu 
oi weiter entwickelt, ein wichtiges moment gegen normannische 
heimat und die westlichen dialecte. 



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— 86 — 



25. einen weiteren beweis gegen diese letztgenannten sprach- 
gebiete erhalten wir in der mischung der imperfecta aller 
coiyugationen. Sowohl normannische oue, oe, out, ot, wie nord- 
ostliches eve werden damit ausgeschlossen. 

26. doppelformen des lat. precari im praes. ind. pri und 
proi begegnen uns im franz., champ. und pikardischen. 

27. die form des demonstr. pronomens aus = illos ist 
pikardisch. Ausser der franz. normannischen gruppe wird 
auch das wallonische ausgeschlossen, das eaz entwickelt, ebenso 
steht es mit lothring. eos. 

28. die reduction der diphthongen ieu > iu, eine characte- 
ristische erscheinung des pikardischen, ist in lin (:fu : tu) ge- 
sichert. Allerdings konnen dieselben reime auch fur anglonorm. 
und normannisch zeugnis ablegen. 

29. lat. o + i-element ist zu ui entwickelt, eine eigentiim- 
lichkeit, die nur das gemeinnormannische und champagnische 
mit dem franz. teilen, allenfalls das pikardische, dessen doppel- 
formen nicht vertreten sind. 

30. die einschiebung des hiilfslautes d in die gruppe nr 
spricht flir die normann. franz. dialectgruppe und gegen Pi- 
kardie. Fiir b zwischen^mZ ist die einschiebung unsicher, da 
nur die gleichen elemente mit einander reimen. 

31. hinsichtlich der gutturalen consonanten steht der Ro- 
man du St. Graal auf franzischém standpunkte. 

32. auslautende isolierte dentalis ist abgefallen, doch scheint 
der verfasser die pikard. bewahrung des t im part. -ut, ge- 
kannt zu haben. 

33. die rein franzischen perfecta: prirent, prent sind 
eigentum des verfassers; pik. -isent ist ausgeschlossen, auch 
norm. -istrent kommt nur dem copisten zu. 

34. t 4- s ergiebt z, eine entwicklung, die gegen das -s der 
pikardischen mundart spricht. 

35. uberwiegend ist der gebrauch der verkiirzten pikardischen 
pronomina possessiva no, vo, neben geringerer verwendung des 
franz. norm. nostre, vostre. Verhåltnis ungefåhr 2 : 1. 

36. das absolute poss. pron. hat fiir das mase. die zuerst im 
NO. auftretenden analog, sien, tien, fiir das fem franz. cham- 
pagnisches moie zu belegen. Erstere weisen zunåchst auf 



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wallonisch, dann pik., schliessen aber Champagne, Zentrum, 
Westen und das anglonorm. aus. 

37. die durch die silbenzahl feststehende contraction von 
lå ou zu lau weist auf nordostl. diaJecte. 

38. in der 7. pers. plur. praes. u. fut. hat der verfasser 
vorwiegend -ons, zweimal normannisches -øn, die erweiterte 
endung -mes nur in summes. 

39. die Lpers. plur. imperf. u. cond. endet teils auf norm- 
franz. ions, teils auf iens und dessen erweiterung -iammes, 
die uns nach dem nordosten weisen. Verhåltnis 3:5. 

40. aus der silbenzahl der verse geht hervor, dass der ver- 
fasser die im pikard. zuerst auftretenden einsilbigen end- 
ungen ions, iens, iez im imperf. und cond. gekannt hat 
Ihre zahl ist 8 (: 23), abgesehen von den zweifelhaften be- 
legen. 

41. einen wallonischen zug sehen wir in der gekiirzten 
endg. der I. pers. plur. perf. oms, séuns, voussins, einen 
weiteren zugleich ostl. und champ. zug in poimes. 

42. die speziell champagnischen conjunctive: pr eigne u. s. w. 
stehen fflr den verfasser fest. Norm. conjunctiv auf -ge ist 
ausgeschlossen. 

43. die betonung -isse stått -usse im conj. imperf. der 
starken verba der HL classe weist auf pik. wall. gebiet. Daneben 
stehen von den gleichen verben die franz. formen. 

44. die stammbetonten perfectformen der verba der hahui- 
classe weisen teils pik., teils norm.-franz. formen auf. Die zu 
constatierende gelegentliche angleichung an nøem-verba wird 
zuerst im pik. nachgewiesen. 

45. diu-formen der debui-classe stehen fur den verfasser 
im part. perf. fest. 

46. im fut. und cond. ist vorwiegend e bei verben der lat. 
II. und III. classe eingeschoben, das e zåhlt als silbe wie in 
pikardischen texten. 

Betrachten wir diese einzelnen mundartlichen ziige hin- 
sichtlich ihrer zusammengehflrigkeit, so treten uns zunåchst 
zwei gruppen entgegen, von denen die eine aus continentalen 
ziigen besteht (sie ist die umfassendere), die andere anglo- 
normannische momente aufweist. Diese letzteren werden durch 



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No. 7 und No. 22 gebildet, zu denen eventuell das gleich- 
zeitig der andern gruppe angehorige 28 hinzutreten wiirde. 
Von den festlåndischen dialectischen ziigen verteilen sich die 
merkmale zu je grosseren teilen auf De de France und die 
Pikardie. 1 Ftir Ile de France sprechen: No. 6, *9, *15, 16, 
*17, 20, *24, *25, *26. *29, 30, 31, 33, 34, 38, *44. Fiir 
die Pikardie: 2, 4, *9, 12, *15, *17, 23, *24, *25, *26, 27, 
28, *29, 32, 35, 36, 37, 39, 40, 43, *44, 45, 46. Von den 
im franz. und pik. verschiedenen entwicklungen iiberwiegt in 
No. 39 die pikardische, in No. 40 die franzische. 

Das normannische nimmt mit No. 6, 20, 30, 34 steiking 
zum franzischen, mit No. 2, 28, 29 stellung zur pik. mundart. 
Das waJlonische tritt mit No. *2, *23, *37, *39, *43, 41, *45 
hervor (die mit * versehenen sind zugleich pik.) das cham- 
pagnische mit No. *6, *9, *20, *26, *29, 42 (*zugl. fran- 
zisch). — Kleinere ziige aus dem lothringischen und den 
westlichen mundarten, die mit einer der genannten mund- 
arten ubereinstimmen, diirfen vernachlåssigt werden, da die 
hauptcharacteristica dieser gebiete nicht vertreten sind. Denn 
es fehlt das lothringische z. b. in folgenden punkten: 

a. das imperf. der I. sw. conj. auf -abam ist im lothr. burg. zu 
-eve entwickelt; b. die III. pers. plur. perf. der I. sw. conj. lautet auf 
-armt aus. c. oi aus ei vor n und moulliertem l; d. der nachlaut i 
nach e 8 — lat. a; e. e + i ergiebt ei, nicht i; f. o -f i > oi, nicht ui; 
g. o ist nicht iiber ou hinaus entwickelt; h. mt und ant sind ge- 
mischt u. s. w. 

Auch das wallonische, das von den eben genannten merk- 
malen a., b., d., e., f. gleichfalls besitzt, 2 hat nur geringen 
teil an den mundartlichen erscheinungen unseres textes. Ihm 
widersprechen ausserdem 

die form farne; das pik. am gegen wall. eaz; das fehlen der 
diphthongierung von lat. e in position; von o vor nasal; der aus- 
stossung des labials in der lat. endung -ivus. 

Ferner feMt das champagnische beispielsweise mit 

oiz — ez in der II. plur. fut.; oi vor n,f\ o = vulglat. o\ eus = 
illos; age — aticum ; leu (= locum) nicht liu etc. 

1 Die mit * versehenen sind franz. u. pik. zugleicb. 
3 cf. Wilmotte, Bom. XVII, XVIII. 



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Die mundarten des western und das sudnormannische 
werden ausgeschlossen, da sich folgende entwicklungen in 
unserm texte finden 

a. eu = o; b. t = e-H (dort et); c. ni — o 4- i (dort nei); d. oi= 
vglt. e in offener silbe (dort nur ei) ; e. die mischung der imperfecta 
aller conjugationen ; f. ie = iée u. 8. f. 

Ziemlich dieselben punkte sprechen auch gegen nor- 
ntannische herkunft (ausgeschlossen b. u. c). Es tritt noch 
hinzu, dass -aticum dort nicht -aige ergibt oder eine re- 
duction von ai> a nicht moglich wåre; ferner der mangel an 
reimen von w = vulglat. o auf u (=lat. u)\ die entwicklung 
illos > aus, dem gegentiber normannisches ens nicht gesichert 
ist. tfberhaupt sind an normannischen merkmalen meist nur 
solche vertreten, die entweder gleichzeitig pik. oder franz. 
gemeingut sind. Auch das anglonorrnannische wird hochst 
unwahrscheinlich die ursprungliche mundart gewesen sein, 
nicht allein wegen des fehlens der gemeinsamen normannischen 
ziige, sondern auch wegen des bedeutenden iibergewichts der 
vereinigten franz. pikardischen erscheinungen. Die bindungen 
von ie : e sind ja allerdings, abgesehen von dem oben pag. 41 
iiber ihr vorkommen im norm. ausgefiihrten, ein starkes mo- 
ment des anglonorm. dialectes, allein in anbetracht des eben 
gesagten bleibt dann nur die mflglichkeit, dass der ver- 
fasser vom festlande stammt, aber in England gedichtet hat 
oder nach dém muster der anglonormannischen denkmåler 
sich die bindungen von ie:e als reimfreiheiten aus reimnot 
zu nutze gemacht hat, åhnlich wie er auch sonst den ein- 
fachen vokal zum zweiten teil eines diphthongen reimen 
låsst. 

Steilen wir uns die frage, wdchem gebiet auf dem fest- 
lande der verfasser entstammen konnte, so weisen uns die 
sprachlichen erscheinungen auf ein folgendermassen begrenztes 
gebiet: 

No. 2, die trennung von ent und ant schliesst zunåchst 
ein gebiet gegen siiden ab, von dem die orte Chevreuse, 
Sarcelles, Soissons, Reims und fistlich von Reims die orte 
St. Menehould u. Vitron ausgeschlossen sind. (cf. Suchier's 
karten in Grobers Grdr. I.) 



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Gegen westen fallt die grenze, vom ineere an verfolgt, mit 
der grenze des heutigen départ. Seine Inférieure ungefahr 
zusainmen und låsst ent auf einem streifen rechts der beiden 
départements Eure und Eure et Loire, der sich von Beaumont 
iiber Mantes nach Dreux zieht. Dieselbe linie sondert auf 
grund von No. 24 (e > oi), 29 (o -f- i = ui) und 25 (die 
mischnng der imperfecta) im westen die heutigen Seine 
Inférieure, Eure und Eure et Loire ab. Haben wir gegen den 
stiden die sudlicher als die grenze von ent und ant laufende 
grenze der entwicklung von o>m vernachlåssigen konnen, 
so mussen wir sie im osten wieder aufhehmen. Dort biegt sie 
ostlich von Soissons nach norden um und schliesst etwa Dé- 
partement Ardennes von unserem gebiet ab, ein gebiet, das 
zugleich durch No. 9 (e + i) und 29 (ø + i) ausgeschlossen ist. 

Diese ostliche grenze durfen wir parallel nach westen ver- 
schieben, da die Champagne ausgeschlossen ist. In modemer 
bezeichnung konnen wir also auch vom Département Aisne 
absehen. 

Dieses so abgegrenzte stiick Nordfrankreichs erfahrt eine 
weitere beschrånkung durch das fehlen des nachlauts i nach 
e 3 = a. Es kommen damit Vermandois, das gebiet um St. 
Quentin (cf. Neumann p. 17) Hennegau und Flandern in weg- 
fall. Flandern und mit ihm Artois, wiirden auch auf grund 
von No. 8, der fehlenden diphthongierung des lat. e in pos. 
und No. 3, der entwicklung von femina > farne nicht in be- 
tracht kommen konnen. So wiirde die grenze nach norden 
vielleicht durch eine linie nordlich von St. Quentin dargestellt 
werden (cf. Metzke, Arch. 64, 395). Fur die in unserm texte 
constatierten pikardischen erscheinungen bliebe demnach nur 
das Ponthieu, dessen lage an der grenze des diw-gebietes 
einerseits und in der nåhe des franzischen sprachgebietes 
anderseits sich gut mit der in unserm text vorhandenen dialect- 
mischung vereinigen wiirde. Gewisse erscheinungen wie No. 11 
sind sogar urkundlich fur das Ponthieu in je der franz. und 
pikard. gestalt gesichert. 

Scheint nun auch die vereinigung der pikardischen momente 
2, 4, 11, 15, 23, 27, 32, 35, 36, 37, 39, 40, 43, 45, 46, den 
schwerpunkt auf das ponthivinische zu legen, so wiirde es 



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doch sehr gewagt sein, den verfasser einen pikarden, viel- 
leicht einen pikarden, der franzisch schrieb, zu nennen. 
Wesentliche merkmaJe No. 13, 14, fehlen, dem pikardischen 
widersprechen eine menge reime (No. 20, 34), der zustand 
der gutturale spricht wiederum fiir Ile] de France, wåhrend 
andrerseits vielleicht z = t -f s nur vom schreiber herruhren 
konnte und die einzelnen s = t + s als pikard. residua an- 
gesehen werden diirften. 

Wir werden uns darauf beschrånken mussen, ein grenzgebiet 
zwischen beiden gebieten anzunehmen und zwar diirfte dasselbe 
nicht siidlicher als an der beruhrungssphåre der diu- und 
dui-formen zu suchen sein, um so den siidlichsten teil des 
Ponthieu und von De de France den nordwestl. teil, dasBeau- 
vaisis, wo noch ant und ent geschieden sind, zu umfassen. 

Mit diesem an die Normandie grenzenden gebiet wiirden 
dann auch die normannischen momente vereinbar sein. 

Diirfte man ja, wie bereits p. 38 erortert, einer einzigen 
erscheinung geniigenden wert beilegen, so bote sich vielleicht 
in dem reime: feireimemoire gelegenheit zu engerer lokali- 
sierung auf grund der von Burgass fiir das Pays de Bray 1 
festgestellten entwicklung von ai > oi hinter labialen. [Nicht 
wenig wiirde ja dazu stimmen, dass aus dem nordosten von 
Seine Inférieure friihzeitig im 13. jh. die jiingeren formen 
der verba -ier constatiert sind.] Allerdings kann der ver- 
fasser diese mundartliche erscheinung bloss gekannt haben, 
und braucht nicht selbst daher zu stammen. Denn noch manches 
andere, abgesehen von den anglonormannischen anzeichen, passt 
nicht in den gewonnenen raum hinein. Allein bleibt das wallo- 
nische oins etc, das nordostl. champ. poimes, das nordostl. lau, 
u. m. Auch pouist gehort dem osten an. Fiir -lammes blieb 
uns im grunde nur die erklårung einer willkiirlichen analogie- 
bildung; und wir miissen uns schliesslich mit der erklårung 
behelfen, dass der verfasser aus denkmålern anderer dialecte 
entlehnungen gemacht, dass er auf seinem mutmasslichen 
wanderleben viele dialecteigentumlichkeiten kennen gelernt 
habe, und dass es sich bei unserm denkmal wie bei dem Dis 

1 Das Pays oder Vallée de Bray liegt auf der grenze Ton Normandie und Pikardie 
und zieht sich bis in das département de 1'Oise, das alte Beauvaisis, hinein. 



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dou vrai aniel verhaJte, von dessen sprache Tobler p. XIX 
vermutet, dass sie nicht eine thatsåchlich in einem bestimmten 
dialectgebiet gesprochene sprache repråsentiere. Ein eklectisches 
verfahren des verfassers in der behandlung der sprache ist 
auch unverkennbar. Wie sollten wir sonst wohl die vereinigung 
der vielen continentalen momente oft weit von einander ent- 
fernter gebiete mit den zeichen anglonormannischen sprach- 
gebrauchs erklåren konnen, zumal eben in der lautlehre keine 
weiteren anhaltspunkte flir die entstehung auf englischem boden 
vorhanden sind, und die behandlung der declinationsregeln bis 
auf wenige, seit friiher zeit zum teil erlaubte falle correct zu 
nennen ist und durchaus nicht gegen continentale herkunft 
spricht. 

Zuletzt sei noch darauf aufmerksam gemacht, dass das von 
uns begrenzte continentale gebiet weder mit der von P. Paris 
(Les Romans de la Table Ronde I, 110, Rom I. 422, an- 
genommenen lothring. herkunft des verfassers aus Boron, bei 
Delle, dép. Haut Rhin, noch mit der von Hucher, Le Saint 
GraaJ I, 34 vermuteten heimat Roberts in Bouron am siidl. 
ende des waldes von Fontainebleau (im Gatinais) tiberein- 
stimmen wiirde,im gegenteil gegen diese beiden annahmen zeugt. 

Als Anrnerkimg, weil iiber den vorgezeichneten rahmen dieEer unter- 
suchung hinausgehend, sei hinzugefugt, dass der name Bouron, Boron, 
Bwron u. åhnl. variationen desselben als ortsname in Frankreich ziemlich 
haufig anzutreffen ist, so z. b. nach d. Dictionnaire topographique : Dép. 
Yonne: Beron, commnne de Brienon 1689, fief relevant de Farchev. de 
Sens; Dép. Morbihan : Bourron (le Haut et le Bas) village, commnne de 
Baud (B. arondissement de Napoléonville); Dép. Niévre: Borron, détruit, 
eommune deChalluy, mentionné en 1441; Bourons, commune de Pougny ; 
Bouront, moulin, commune de Saint Gretien; Le ruisseau de Bouron, 1418; 
Dép. Yonne: Bouron, commune de Champignelles, chateau existant au 
XIII® siécle, aujourdhui détruit. Dép. Eure: Les Burons, ravin aux An- 
delys. Ein chateau de Buron ist auch in der Grande Encyclopédie ge- 
nannt, ohne nåhere angaben. Kon n ten wir hierbei, in ermangelung weiterer 
hiilfsmittel, einen ort åhnlichen nåmens in der nahe der Pikardie (zur 
zeit!) noch nicht Anden, so scheint doch der von Fr. Michel p. XII, 
citierte Bobert de Berron („nommé en 1231 dans les Etablissements et 
Coutumes, Assises et Arréts de TEchiquier de Normandie" . . p. p. Marnier) 
dafur einzutreten, dass auch in dieser gegend Frankreichs der name oder 
die familie des nåmens bekannt war, und die moglichkeit der existenz 
eines ortes fur die alte zeit bleibt uns unbenommen. 



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2. Die Datierung des Denkmals. 

Lautlehre, declination, conjugation und silbenzåhlung geben 
uns fur die abfassungszeit folgende anhaltspunkte: 

L die vocalisation des l vor consonant ist zur zeit des ver- 
fassers als durchgångig vollendet zu betrachten. 

II. s vor liquida und muta ist verstummt. 

III. das intervokale d hat keine geltung mehr. 

IV. auslautendes t ist in der III. pers. sing. praes. ind. ab- 
gefallen, das freistehende e wird vor vokalischem anlaut elidiert 
und zåhlt nicht als silbe. 

Såmmtliche vier erscheinungen sind bis zur mitte des 12. jhs. 
abgeschlossen. Von diesem zeitpunkte an kommen folgende 
punkte in betracht: 

V. die conjunctive puist, voist an stelle der frtiheren puisse, 
voise. 

VI. die reduction der participalendung -iée zu ie, welche 
im pikardischen dialect, wo sie zuerst auftritt, seit dem letzten 
drittel des 12. jhs. zu constatieren ist. Diese thatsache dtirfte 
wohl ungefåhr den terminus a quo vertreten. 

VII. die feminina der lat. III. declination sind meistens un- 
flectiert. Der thatbestand der reime ergibt das verhåltnis 
12 : 1, das ungefåhr auf die drei letzten jahrzehnte des jhs. 
hinweisen diirfte. 

VIII. die masculina der frz. II. und die mase. der III. decl. 
auf -re haben schon verschiedentlich analogisches s im nom. 
sing. angenommen; das verhåltnis der ålteren formen zu den 
jiingeren ist 20 : 7. Obwohl Crestien keine formen mit analog. 
s im nom. verwendet, sind die analogischen formen doch 
schon seit der mitte des 12 jhs. zu finden. Je nachdem die 
dichter von reim und silbenzahl abhångig sind oder die sprache 
sorgfåltig behandeln, finden wir die jiingeren formen mehr 
oder weniger zahlreich in den denkmålern vertreten, so dass 
wir, auf diesen punkt hin, nicht notig haben, unser denkmal 
in das 13. jh. zu riicken. 

IX. die declinationsregel ist nur wenig verletzt; die ver- 
stosse beschranken sich auf eigennamen und worter, die einen 



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personlichen begriff ausdrucken, wie evesque, emperere, suer* 
Die beiden letzteren sind schon im Rol. mit dem obl. ver* 
tauscht, weisen also am wenigsten auf eine spåte abfassungszeit 

Vertauschungen wie en fant fiir mf es u. dergl., die mit dem 
13. jh. in dem continentalen franzosisch anzutrefifen sind, be- 
gegnen in unserm denkmal nicht. 

Beim adjectivum ist ebenfalls die zahl der verstSsse eine 
sehr geringe; sie finden sich noch dazu beim prådicativen ge- 
brauch des adjectivs und sind zum teil durch den einfluss des 
reims veranlasst. 

X. die lateinischen adjectiva zweier endungen haben fiir 
mase. und fem. eine form, nur einige sehr vereinzelte neu- 
bildungen des femininen adjectivs : tele, quele begegnen. Ge- 
råde diese beiden formen treten jedoch am friihesten, im 

12. jh. auf tind konnen daher kein kriterium fiir friihe oder spåte 
abfassung mehr bieten. Von andern adjectiven fehlen neuere 
feminin-formen durchaus; wir sehen also auch hierin unser 
denkmal auf dem standpunkt des 12. jhs. 

XI. die^analogisch gebildeten formen des possessivpronomens: 
tien, sien weisen auf das ende des 12. jhs. 

XII. die I. pers. sing. praes. ind. und conj. weist in 7 fållen 
auf 16 schon analog, -e auf; wenn wir auch die meisten der- 
selben uns durch den einfluss des reims und die not der vers- 
fullung erklåren konnen, nåhert uns dieser prozentsatz immer- 
hin sehr dem ende des 12. jhs. Einen absolut sichern beweis 
liefert dieser punkt nie, da dichter zur selben zeit und am 
selben ort oft die widersprechendsten verhåltnisse aufweisen. 

XIII. die einsilbigen endungen der I. und II. pers. plur. 
imperfecti und conditionalis stammen aus dem pikardischen* 
wo sie bereits im 12. jh. iiblich sind. 

XIV. die im hiatus stehenden vortonvokale sind mit wenigen 
ausnahmen, deren vorhandensein bereits fnihzeitig constatiert 
ist, noch nicht angetastet, ein beweis fiir das 12. jh. Mit dem 

13. jh. beginnen bereits die contractionen und zwar zuerst im 
pikard.-wallonischen dialectgebiet. 

XV. eine einzige ausnahme davon macht zweisilbiges deables, 
geschrieben dobles (neben 11 dreisilbigen formen „deables"), 
da dasselbe erst im 13. jh. begegnet, d. h. es ist nicht friiher 



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schriftlich bezeugt. Doch ist geråde bei einem derartigen worte, 
das leicht bei den åusserungen des unwillens, zorns, der ver- 
wiinschiing gebraucht wird, eine gektirzte form in der ge- 
sprochenen sprache wohl friih vorauszusetzen; dass dieselbe 
in der litteratur nicht Mh verwandt wird, ist schliesslich be- 
greiflich. 

XVI. die festgestellten inclinationen: jei', sel', nei', nes und 
fou, n'ou weisen auf das 12 jh. Die håufige verwendung der 
offenen formen widerspricht keineswegs hierbei, empfiehlt aber, 
das denkmal mehr dem ausgang des jahrhunderts zu nåhern. 

Von den hier aufgestellten erscheinungen gibt uns zunåchst 
No. VI das letzte drittel des 12 jhs., No. VII beschrånkt das- 
selbe auf die letzten drei jahrzehnte, was No. VIII und IX 
unterstiitzen. No. X, XIII, XIV sprechen im allgemeinen 
fur 12. jh. und No. XI, XII und XVI lassen mehr die 
letzten jahrzehnte des jhs. in's auge fassen, und so werden 
wir wohl nicht fehl gehen, wenn wir die abfassung des Roman 
du Saint Graal in die letzten zwei jahrzehnte des 12. jhs. 
setzen. Damit wiirde sich auch das vorkommen der ungenauen 
reime, des fiir das 13. jh. archaischen reimes sont : vout und die 
menge der auf das mindestmass des gleichklangs beschrånkten 
geniigenden reime vereinigen, wenngleich diese momente an 
sich nicht flir die abfassungszeit eines textes massgebend sein 
konnen. 

tfbergangen ist die accentverschiebung von ui zu ut, da 
dieselbe mehr dialectisch und willkiirlich ist, um ein kriterium 
fiir die abfassungszeit bilden zu konnen. 



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Zup TextcritiLk. 



vers 



98 lies 

335 „ 

361 „ 

572 „ 

664 „ 

775 „ 

923 „ 

1797 „ 



2261 
2278 
2590 
2777 
3133 
3309 

3539 



De la Virge et de li naschist 

Privéement, sire un chose! 

Par lem pechiez ordoié sunt 

Des piez environ et en lé. 

Car hoens est et de grant pourpens. hs. est. 

Pour oe sui en terre venuz. 

Ab gem serunt pins gracieus. 

B distrent, li puant revoit 

Que Pylates le soustenoit. 

Ub. revoit cf. Tobler,JG6tt. Gel. Anz. 1874, p. 1049. 
Commencent soi å merveUlier. „ 
De mort en vie, or m'en creez (cf. 3929). 
Entre les autres sunt alé. 
Quant je te dis, quant tu fundas. 
Enseignera li le povoir. 
Les choses qui commencement 
Ont qu 'eies aient fin apres. 
Et il feisoient le semblant. 
Que U nul mal n'estoient sentant 



Nachtrag. 

Zn O' Von dem lat. juvtnis sind wie anch sonst in franz. ond pik. texten die ver- 
schiedenen formen joune 968 (jovnt), josnt 662, 1330, juent 8819, jeune 3970 an øe- 
merken. (cf. Knaner, Progr. p. 18 und Suchier, Gram. § 28.) 



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